Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Katholische Kirche: Von Visionen beim Kartenspiel

Tausende Rubbellose als Weihnachtsgruß verschickte das Bistum zum Start seines Visionsprozesses.
Tausende Rubbellose als Weihnachtsgruß verschickte das Bistum zum Start seines Visionsprozesses. Foto: ane

Das Bistum Speyer sucht nach einer „neuen Gestalt von Kirche“ und nach einem Wir-Gefühl. Dabei will sie viele Menschen beteiligen und den Prozess im Internet abbilden.

Als rosig kann man die Lage der katholischen Kirche wahrlich nicht beschreiben. Auch die des Bistums Speyer nicht. Glaubwürdigkeitsverlust durch Fälle sexuellen Missbrauchs hinter Kirchenmauern, Großpfarreien, in denen sich so manche Gemeinden nicht grün sind und Pfarrer sich überlastet fühlen, Kirchenaustritte (2018 waren es im Speyerer Bistum 5249), immer weniger Gläubige in den sonntäglichen Gottesdiensten (7,4 Prozent) – das ist die Realität. Jammern und klagen ändert wenig. Was also setzt man dem entgegen? Richtig, Visionen. Klingt doch gleich hoffnungsfroh.

Dreh- und Angelpunkt sind „Segensorte“

Im Bistum Speyer firmiert die Hoffnung auf eine neue Gestalt von Kirche unter dem Namen „Visionsprozess Segensorte“. Das liest sich dann so: „Durch den Prozess soll ein hoffnungsvolles Bild für die Kirche von Speyer entwickelt werden, das von möglichst vielen Akteuren geteilt wird.“ Aha.

Dreh- und Angelpunkt sind Segensorte, Orte also, an denen Menschen Gemeinschaft erfahren oder Hilfe geben und nehmen können. Pfarreien, Verbände, Gremien sollten ermutigt werden, Segensorte zu entdecken oder neue zu entwickeln, sagt Generalvikar Andreas Sturm. Weg also vom Kirchturm-Denken und krampfhaften Festhalten am eigenen Besitzstand hin zu der Frage: Wer braucht uns als Kirche und wozu? Kein schlechter Ansatz.

Mitmach-Box mit Kartenspiel

Jedoch kein Prozess ohne Anleitung. Den erhalten Pfarreien, Verbände oder Schulen in Form einer Mitmach-Box. Materialen wie Kartenspiel oder Wegweiser für spirituelle Übungen sollen den Beteiligten bei der Suche nach Segensorten helfen. Und das Wichtigste: der Fazit-Bogen. Er soll nach der Erkundungstour ausgefüllt und ins Internet gestellt werden. Damit alle Interessierten wissen, was, wo und wie Segensvolles im Bistum läuft. Denn, so das neue Schlagwort, alles muss transparent sein. Mal sehen, wie viele Boxen letztlich ausgepackt werden.

In einem Punkt kommt die Vision schnell in der Realität an: Das Geld, das die Kirche zu verteilen hat, wird knapper. Und auch, wenn das nicht so explizit gesagt wird, die Ressourcen – ob Personal oder Finanzen – könnten – je nach Fazit des Prozesses – künftig anders verteilt werden.

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