Rheinland-Pfalz
Karlsruhe: Zoo-Chef verteidigt Affenhaltung: „Wir sind Zentren der Arterhaltung“
Nach dem Feuer-Inferno im Krefelder Zoo an Silvester, dem viele Tiere zum Opfer gefallen waren, hat sich der Karlsruher Zoo-Chef vehement dafür ausgesprochen, die Zoohaltung von Menschenaffen aufrechtzuerhalten. Aus Artenschutzgründen sei alles andere „indiskutabel“.
Nach dem verheerenden Feuer in einem Krefelder Affenhaus sollten Tierparks aus Sicht des Karlsruher Zoo-Chefs ihre Brandschutzmaßnahmen anpassen. „Wir müssen das Thema noch mal differenzierter angehen“, sagte Matthias Reinschmidt in Karlsruhe. Denkbar sei etwa die Installation neuer Feuermelder, die bei plötzlichen Temperaturschwankungen anschlagen.
Mehr Kontrollgänge
Zudem könnten mehr Kontrollgänge sowie kombinierte Innen- und Außengehege, bei denen Tiere Tag und Nacht raus können, mehr Sicherheit schaffen. Speziell an Silvester könnte auch eine Art Sicherheitszone um Zoos Tiere besser schützen, meinte der Zoo-Chef. Auch Jens-Ove Heckel, stellvertretender Vorsitzender des Tierschutzbeirats Rheinland-Pfalz und Direktor des Landauer Zoos, hatte dafür plädiert, Feuerwerke aus der Umgebung von Einrichtungen mit Tierhaltung zu verbannen (wir berichteten). Dazu zählt Heckel unter anderem landwirtschaftliche Betriebe, Tierheime, Vogelparks und Zoos.
Brandschutz ein „Balanceakt“
In der Silvesternacht waren im Krefelder Zoo mehr als 30 Tiere bei einem Feuer ums Leben gekommen, darunter mehrere Menschenaffen. Effektiver Brandschutz in Zoos ist nach Ansicht des Karlsruher Zoo-Chefs Reinschmidt zufolge ein „Balanceakt“: Zwar sei eine naturnahe Gestaltung mit Laub und Bäumen schöner als eine kahle Betonlandschaft. Dass es dabei aber mehr Probleme mit dem Brandschutz geben kann, zeigt das Beispiel des nach einem Brand vor fast zehn Jahren neu aufgebauten Karlsruher Streichelzoos: Die dort installierten Rauchmelder wurden nach Rücksprache mit der Feuerwehr abgeschaltet, weil sie wegen der staubhaltigen Luft mit viel Stroh und Heu ständig anschlugen. „Sie waren zu sensibel“, so Reinschmidt. Eine neue Brandschutzanlage haben die Karlsruher im vor vier Jahren eröffneten neuen Exotenhaus, wo neben Fischen, Amphibien, Krokodilen, Faultieren und Vögeln auch fünf Affenarten leben. Die Luft ist sehr feucht – Fehlalarme gibt es aber auch hier.
„Brauchen jeden verfügbaren Platz“
Auf keinen Fall dürfe der Brand in Krefeld Anlass sein, generell die Affenhaltung in Zoos infrage zu stellen: „Wir sehen uns als Zentren der Arterhaltung“, sagte Reinschmidt. Gerade für vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans brauche man jeden verfügbaren Platz. Von ehemals rund einer Million Orang-Utans auf der Erde gebe es inzwischen nur noch 50.000 in der freien Natur – auch weil immer mehr Wälder abgeholzt würden. Derzeit leben ihm zufolge 1200 Orang-Utans in Zoos. Um die genetische Vielfalt zu sichern, sollten es nach seiner Meinung noch mehr sein. Rheinschmidt: „Es ist deshalb indiskutabel, mit der Menschenaffenhaltung in Zoos aufzuhören.“