Rheinland-Pfalz Können Stromstöße Glyphosat ersetzen?

Die Elektroschock-Methode gegen Unkraut im Weinberg.
Die Elektroschock-Methode gegen Unkraut im Weinberg.

«Neustadt». Schon die Sprache verrät, dass die Dinge im Wandel sind: Was früher Unkrautvernichtung hieß, ist heute Beikraut-Management. Wie das in Zukunft im Weinbau ohne Glyphosat funktionieren kann, erforscht zurzeit der Weincampus Neustadt.

Ob nun Unkraut oder Beikraut: Was im Weinberg so alles wächst außer den Reben, ist eine Konkurrenz für Letztere. Es geht um Feuchtigkeit und Nährstoffe. Damit die Reben bei der Versorgung damit nicht zu kurz kommen, darf vor allem direkt am Stock nicht viel wachsen. „Das würde der Qualität des Weins schaden“, erklärt Matthias Petgen, Leiter eines Forschungsprojektes am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt, zu dem der Weincampus gehört. Seit vergangenem Jahr werden dabei verschiedene Möglichkeiten der Unterstockbodenpflege überprüft. Ziel ist es, den Einsatz von Herbiziden zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Geprüft werden zurzeit das Heißwasserverfahren, ein Herbizid auf pflanzlicher Basis (mit dem Wirkstoff Pelargonsäure), ein Verfahren mit elektrischer Hochspannung (Elektroherb) und ein mechanisches Verfahren, bei dem auch Lasertechnik und Sensoren eingesetzt werden. Ergebnisse liegen bisher nicht vor. Günter Hoos, Leiter des DLR, rechnet damit in etwa drei Jahren. Es sei ihm aber wichtig, die Öffentlichkeit bereits zum jetzigen Zeitpunkt an den Arbeiten teilhaben zu lassen, betonte Hoos. Deshalb wurden die verschiedenen Verfahren gestern bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Anschließend waren dann rund 150 bis 200 Winzer zu Gast, denen Neuerungen bei der mechanischen Bodenpflege präsentiert wurden. Für all jene, die auf Glyphosat verzichten wollen, ist das zurzeit das Mittel der Wahl. Deutlich wurde bei der Präsentation, dass es bei jedem Verfahren Vor- und Nachteile gibt. Auch die Auswirkungen auf Bienen sei nicht eindeutig, sagte Andreas Kortekamp, Leiter des Instituts für Phytomedizin am DLR. Nachteil des pflanzlichen Herbizids sei, dass es nicht dauerhaft wirke, Unkräuter deshalb rasch wieder austrieben. Beim Heißwasserverfahren, das beispielsweise auch von Kommunen auf Wegen oder Straßenrändern angewandt wird, sei das Problem der hohe Wasserverbrauch. Und auch hier sei die Wirkung nicht dauerhaft. „Elektroherb“ dagegen hat einen längeren Effekt. Die Unkräuter werden durch Strom zerstört, der durch einen Applikator über die Pflanze in den Boden geleitet wird. Das Verfahren ist laut Petgen jedoch noch nicht ausgereift, bisher gibt es erst einen Prototyp. Entwickelt wurde er von der Firma Zasso GmbH in Aachen, die ihn am DLR präsentierte. Auf eine Verfeinerung der mechanischen Unkrautbekämpfung setzt dagegen das Assistenzsystem Vineyard Pilot Assistant (VPA), das die Landauer Firma Braun-Maschinenbau entwickelt hat. Mit Lasertechnik und Sensoren wird die Fläche dreidimensional eingescannt und so ein präziseres Arbeiten ermöglicht. Darüber hinaus ist eine Software integriert, die Weinbergsdaten sammelt.

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