Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: „Herr Baldauf, warum kommt die CDU vom Thema Wald gar nicht mehr los?“

Problemfall Wald. CDU-Landeschef Christian Baldauf (rechts) hat sich im August in Budenheim bei Mainz von Forstwirtschaftsmeiste
Problemfall Wald. CDU-Landeschef Christian Baldauf (rechts) hat sich im August in Budenheim bei Mainz von Forstwirtschaftsmeister Thomas Köhrer die Schäden zeigen lassen.

Christian Baldauf, stellvertretender Chef des CDU-Landesverbands und Chef der Fraktion im Landtag, hat das Thema Wald als Politikum entdeckt. Was er gegen den Klimawandel tun will und warum er im Youtube-Kanal der CSU kein Vorbild für die Kommunikation mit der Jugend sieht.

Herr Baldauf, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lässt sich fotografieren, wenn er Bäume umarmt. Sie scheinen von dem Thema Wald gar nicht mehr loszukommen. Was ist denn bloß mit der Union los?
Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne im Wald unterwegs bin. Seit vielen Jahren ist meine Familie Mitglied im Pfälzerwald-Verein. Das ist ein Stück Heimat. Deshalb wollte ich auch nicht, dass hier wahllos Windräder aufgestellt werden. Jetzt brauchen die Wälder unsere Hilfe. Immerhin 42 Prozent der Landesfläche sind bewaldet, mehr als 80 Prozent der Bäume sind geschädigt. Der Wald aber ist nicht nur ein wichtiger CO2-Speicher, es geht um Schöpfungsbewahrung.

Der Titel Ihrer Landtagsdebatte lautete „Unser Wald, unsere Heimat, unsere Zukunft“, jetzt sprechen Sie von „Schöpfungsbewahrung“. Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen?
Manchmal ist es notwendig, Dinge auf den Punkt zu bringen, ja zuzuspitzen. Denn die Lage im Wald ist wirklich ernst. Förster sprechen sogar von einer Katastrophe. Aber viele Leute haben noch gar nicht bemerkt, was eigentlich los ist.

Was sind Ihre Lösungsansätze? Sie fordern die Pflanzung von vier Millionen Bäumen. Das kann es ja nicht alleine sein.
Das ist nur ein erster Vorschlag, der bei weitem nicht ausreicht, alle geschädigten Bäume zu ersetzen. Wir sollten in engem Schulterschluss mit Förstern und Fachleuten vor Ort regionale Krisenpläne entwickeln.

Das Umweltministerium lässt in erheblichem Umfang nachpflanzen. Ist es zu trocken, wachsen die Bäume nicht an. Was fehlt Ihnen?
Ich kann nicht erkennen, dass die Landesregierung eine nachhaltige Strategie verfolgt, wie die schwierige Situation in den rheinland-pfälzischen Wäldern anzupacken ist. Zwar hat Ministerin Höfken eine gemeinsame Vereinbarung mit Kommunen und Verbänden getroffen. Doch hier geht es um eine reine Absichtserklärung. Die im Haushalt vorgesehenen Mittel von 3,5 Millionen Euro reichen bei weitem nicht aus. Schon jetzt gibt es für 2019 Schadensanmeldungen von mehr als 5,5 Millionen Euro – und das ist Jahr ist noch nicht vorbei.

Welche Summe schwebt Ihnen vor?
Zu den eigentlichen Waldschäden kommen ja noch weitere Kosten, etwa die Verkehrssicherungspflicht. Der Betrag müsste wahrscheinlich mindestens verfünffacht werden.

Der Landesregierung werfen Sie vor, dass Bäume für Windkraftanlagen weichen müssen. Welche Lösung haben Sie, um CO2 einzusparen?
Derzeit reden wir beim Klimawandel vor allem vom Schutz unserer Wälder und Bäume. Die Waldflächen brauchen wir alle. Im nächsten Plenum beantragt die CDU-Landtagsfraktion, bei Waldrodungen Wiederaufforstungsmaßnahmen eins zu eins umzusetzen. Wir wollen außerdem Anreize schaffen, auf weiteren Flächen, auch in Gärten, Bäume zu pflanzen und zu pflegen. Selbstverständlich ist es Ziel, Energie aus regenerativen Quellen zu erzeugen. Doch auch hier bedarf es eines Konzepts, um eine Verspargelung der Landschaft durch Windräder zu verhindern. Sie sollten konzentriert in Gruppen dort aufgestellt werden, wo der Wind weht. Das war bisher nicht immer der Fall.

Politische Gegner sehen in Ihrem neuen Kurs eine Annäherung an die Grünen, die sich der CDU im Land bisher immer verweigert haben.
Nein, ich schaue nicht auf mögliche Koalitionen. In den vergangenen Jahren hat sich die CDU zu wenig um die Themen Umwelt und Klima gekümmert. Wir nehmen keinen Richtungsschwenk vor, eher füllen wir eine Lücke auf – in dem großen Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie.

Wie sieht das Ihre Parteibasis? Fordert sie nicht, dass Sie sich um angestammte Themen wie Sicherheit und Migration kümmern?
Von den Mitgliedern erhalte ich positive Rückmeldungen. Die Themen Sicherheit und Migration greifen wir ohnehin immer wieder auf. So fordern wir etwa, Ankerzentren in Rheinland-Pfalz einzurichten, um ausreisepflichtige Personen besser rückführen zu können. In den nächsten Tagen werde ich eine Aufnahmeeinrichtung des Landes besuchen. Die Verweildauer hat sich hier von sechs auf mehr als 18 Monate erhöht

Noch ein Blick auf das Landtagswahljahr 2021: Der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Marlon Bröhr, kündigt fast unverhohlen an, Ihnen die Spitzenkandidatur streitig machen zu wollen. Könnte das die CDU spalten?
Nein, wieso? Persönlich komme ich gut mit ihm klar. Wir sind eine große Partei, wir stellen viele hervorragende Landräte und Oberbürgermeister. Ich freue mich, dass Julia Klöckner und der CDU-Landesvorstand mich als Spitzenkandidaten vorschlagen. Meine Bewerbung für den Parteitag steht. Wer sich sonst noch bewirbt, wird sich entscheiden. Mir ist es wichtig, im Team nach vorne zu gehen.

Zurück nach Bayern. Die CSU hat ihrem Öffentlichkeitsarbeiter Armin Petschner die Haare blond gefärbt und lässt ihn nach Manier der Influencer auf dem Youtube-Kanal „CSYOU“ Kritisches über Greta und die Grünen sagen. Wäre das auch für die CDU in Rheinland-Pfalz ein Weg, um die Jugend zu erreichen?
Durch meine Kinder, Marlene, 18, und Lukas, 19, erfahre ich immer wieder, wie Jugendliche ticken. Als wir neulich unser Frankenthaler Strohhutfest hatten, kam ich abends heim und traf rund 30 junge Menschen auf der Terrasse. Ich setzte mich dazu und war überrascht, wie gut sie über politische Themen informiert waren, über Rente, über Wirtschaft. Wir haben viel diskutiert und am nächsten Tag sagte meine Tochter: „Du hättest mal früher mitdiskutieren sollen. Dann wählen junge Menschen auch die CDU und nicht die Grünen.“ Ja, wir haben in der Kommunikation ein Problem. Die CDU muss besser auf Jugendliche zugehen, sie vor allem ernst nehmen. Ob ein solches CSU-Video dafür das richtige Format ist? Da habe ich meine Zweifel. Es wirkt wie gewollt und nicht gekonnt.

Will bei der Landtagswahl 2021 als Spitzenkandidat für die CDU ins Rennen gehen. Oppositionsführer Christian Baldauf.  Foto: dpa
Will bei der Landtagswahl 2021 als Spitzenkandidat für die CDU ins Rennen gehen. Oppositionsführer Christian Baldauf.
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