Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel In der Fleischbranche starten Corona-Reihentests – auch in der Pfalz

Nach dem Skandal bei Tönnies: Corona-Tests in Rheinland-Pfalz.
Nach dem Skandal bei Tönnies: Corona-Tests in Rheinland-Pfalz.

Diese Woche will das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium in zwei Schlachthöfen und vier Zerlegebetrieben alle Mitarbeiter auf das Virus testen lassen. Darunter sind auch Firmen in der Pfalz. Im Zweibrücker Schlachthof ermittelt die Staatsanwaltschaft. Doch das hat nichts mit Corona zu tun, sondern mit einem anderen Verdacht.

Rasend schnell stieg bei Tönnies die Anzahl der Corona-Fälle – in Hunderterschritten. Seitdem sind zwei Landkreise in Nordrhein-Westfalen im Lockdown und einmal mehr ist eine ganze Branche samt Billigfleisch bundesweit in der Debatte. Vor dem Hintergrund des massiven Corona-Ausbruchs bei Tönnies, dem größten deutschen Fleischbetrieb, startet auch die rheinland-pfälzische Landesregierung Reihentests in sechs Betrieben – so hatte es Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) vergangene Woche im Plenum angekündigt. Diese Woche werden die Gesundheitsämter bei zwei Großbetrieben mit Hunderten Beschäftigten sowie bei vier Zerlegebetrieben mit 20 bis 100 Arbeitskräften anrücken, um bei allen Mitarbeitern sogenannte PCR-Abstriche zu nehmen.

Zwei Mitarbeiter positiv getestet

Auf der Liste des Ministeriums steht demnach die Simon-Fleisch GmbH in Wittlich, dem einzigen Unternehmen der Fleischbranche im Bundesland, bei dem Corona-Fälle bekannt wurden. Dort waren bei Routinetests zwei Personen Sars-Cov-2-positiv. Wie das Ministerium auf Anfrage informierte, sind die beiden aus dem Ausland zurückgekehrten Arbeitskräfte in Isolation. Vier ihrer Mitbewohner in Quarantäne.

Rachenabstriche in Speyer und Weilerbach

Ziel der Infektionsschutz-Kontrollen sind auch Betriebe in der Stadt Speyer und dem Landkreis Kaiserslautern sowie in den Landkreisen Alzey-Worms (Firma Sutter), Rhein-Lahn und Bitburg-Prüm, informierte das Ministerium am Freitagabend auf Anfrage. Der Arbeitsschutz in möglichen Unterkünften gehöre aktuell nicht dazu. Bei den Betrieben in der Pfalz dürfte es sich RHEINPFALZ-Informationen zufolge um zwei Zerlegebetriebe handeln: die Vitalfleisch GmbH in Speyer sowie die Zemo Gebrüder Moser GmbH in Weilerbach im Kreis Kaiserslautern.

Firma Vitalfleisch mit 90 Fremdarbeitern

Zemo hat sich gemäß seiner Homepage auf das Zerteilen von Rindern spezialisiert und liefert an Metzgereien, Großhändler und Wurstproduzenten. Ein Viertel des Umsatzes werde mit Geschäftspartnern in Skandinavien erzielt. Vitalfleisch in Speyer hat laut eigenen Angaben rund 50 Mitarbeiter und 90 externe Zerleger eines Subunternehmers. Sie seien bei einer Werksvertragsfirma angestellt, mit der Vitalfleisch seit Jahren zusammenarbeite, hatte Geschäftsführer Hermann Withake bereits Ende Mai auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt – noch vor dem Corona-Skandal bei Tönnies.

In Speyer befolge man die Corona-Hygieneauflagen, hieß es – den Dreiklang aus Abstand, Desinfektion und Masken. Die Vorgaben erfüllen nach eigenen Angaben auch zwei weitere Betriebe in der Pfalz: die Traditionsmetzgerei und Schlachterei Peter Braun in Konken (Landkreis Kusel) sowie der Schlachthof Zweibrücken, der von der Emil Färber GmbH & Co KG im baden-württembergischen Emmendingen geführt wird. „Bei uns ist eine ganz andere Welt als bei Tönnies“, hatte Geschäftsleiter Lukas Braun vergangene Woche gesagt. Es gebe weder Sammelunterkünfte noch Subunternehmer. Ob auch bei ihnen demnächst Kontrolleure Rachenabstriche der Mitarbeiter verlangen, ist noch offen. In Konken werden laut Braun pro Woche 300 Schweine und bis zu 30 Rinder geschlachtet.

Frischfleisch-Etikett, obwohl aufgetaut?

Der Schlachthof Zweibrücken, der laut Betreiber Färber 27 Vollzeit- und neun Teilzeitkräfte beschäftigt, keine ausländischen Subunternehmer hat und deren Mitarbeiter am Ende der Schicht „nach Hause gehen“, steht offenbar ebensowenig auf der Liste des Ministeriums. Der Betrieb steht jedoch seit vergangenem Jahr im Fokus der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach. Sie ermittelt wegen des Verdachts falsch deklarierter Ware. Von Zweibrücken könnte laut Behörde aufgetautes Fleisch als angebliches Frischfleisch an Metzgereien und Privatkunden verkauft worden sein. Gesundheitsgefahr habe dabei nie bestanden. Färber selbst wollte sich zu dem laufenden Verfahren gegenüber der RHEINPFALZ nicht äußern.

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