MAINZ
Impfzentren starten in Rheinland-Pfalz vier Tage früher
Die Vorbereitung der Altenheime auf die Impfaktion sei über die Feiertage „eine Herausforderung“ gewesen, berichtete Christoph Loré, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Gesellschaft für ambulante und stationäre Altenhilfe (GFA), am Mittwoch in Mainz. Viele Hausärzte und Betreuer der Senioren seien nicht erreichbar gewesen. Dort aber, wo geimpft werden konnte, seien keine Komplikationen aufgetreten.
In landesweit 23 Pflege- und Senioreneinrichtungen konnte von Sonntag bis Dienstagabend 2284 Menschen der Anti-Corona-Wirkstoff verabreicht werden, informierte Ministerin Bätzing-Lichtenthäler. Inzwischen seien 98 von 560 Einrichtungen fürs Impfen startklar gemeldet. Gesundheitsstaatssekretär Alexander Wilhelm (SPD) fügte hinzu: Er sei zuversichtlich, dass in den kommenden Tagen noch wesentlich mehr Heime dazustoßen werden.
Keine Impfbegeisterung bei Heim-Mitarbeitern
Unerwartet hoch sei bisher die Zurückhaltung der Mitarbeiter in den Heimen. Aber dort, so die Ministerin, wo die Führungskräfte vorangehen und sich selbst impfen lassen, werde eine Sogwirkung bei den Beschäftigten ausgelöst. Am Montag habe er mit der Pflegekammer und der Pflegegesellschaft gesprochen, sagte Staatssekretär Wilhelm. Den Mitarbeitern sollen über eine Hotline weitere Informationen angeboten werden.
Da zunächst nur wenig Anti-Corona-Wirkstoff zur Verfügung stand, sollte in den Alten- und Pflegeheimen jener Regionen mit dem Impfen begonnen werden, in denen die Sieben-Tages-Inzidenz besonders hoch ist, erläuterte die Ministerin. Inzwischen seien jedoch weitere Lieferungen eingetroffen, sodass seit Montagabend grundsätzlich in allen Heimen geimpft werden kann.
Terminvergabe startet am 4. Januar
Außerdem, so Bätzing-Lichtenthäler weiter: „Da es uns wichtig ist, die vorhandenen Dosen schnellstmöglich zu verimpfen, werden wir den Start der Impfzentren in Rheinland-Pfalz vom 11. auf den 7. Januar vorziehen.“ Bereits ab Montag, 4. Januar, können sich die landesweit 460.000 Menschen der am meisten durch das Virus gefährdeten Gruppe einen Termin geben lassen. Dazu zählen insbesondere alle über 80-Jährige, aber auch Mitarbeiter von Rettungsdiensten, ambulanten Pflegediensten und Intensivstationen. Das Land wird laut Ministerin in der nächsten Woche alle über 80-Jährigen per Brief über die Impfmöglichkeit informieren.
„Wir glauben, dass wir gut vorbereitet sind“, sagte Staatssekretär Wilhelm. Bis zu 70 Personen würden bei der Terminvergabe-Hotline 0800/5758100 eingesetzt, um längere Wartezeiten für die Anrufer zu vermeiden. Die Hotline sei ab nächstem Montag zwischen 8 und 22 Uhr geschaltet. Die Impfwilligen werden nach ihrem Namen und ihrer Adresse sowie dem Grund gefragt, weshalb sie zu den vorrangig zu impfenden Personen zählen. Alternativ kann man sich ab Montag einen Impftermin auch über www.impftermin.rlp.de geben lassen.
In acht Krankenhäusern wird geimpft
Bereits am Mittwoch angelaufen ist die Impfung der Mitarbeiter in den acht größten Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz. In der Pfalz zählen dazu das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern sowie das Klinikum und die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Ludwigshafen, wie die Ministerin informierte. Die Aktion werde an diesem Donnerstag fortgesetzt.
Als erste wichtige Etappe bei der Corona-Impfaktion peilt das Ministerium das Datum Ende Februar an: Läuft alles glatt, sollen bis dahin die Pflegeeinrichtungen „durchgeimpft“ sein. Bis die Masse der Bevölkerung den Wirkstoff erhalten kann, dürfte es bis nach der Sommerpause dauern, schätzt Bätzing-Lichtenthäler. Bis dahin dürfte genügend Impfstoff zur Verfügung stehen, der nicht mehr so hohe Anforderungen an die Kühlung wie das aktuelle Mittel stellt. Der könnte dann auch von Hausärzten verabreicht werden. „Das dürfte dann der richtig große Schwung werden.“
Kritik aus Baden-Württemberg
Erstaunt zeigte sich die Ministerin über Kritik aus Baden-Württemberg. Der dortige Gesundheitsminister Manne Laucha (Grüne) hat sich über einen zunehmenden Impftourismus aus der Pfalz beschwert: Weil im Nachbarland das Impfen noch nicht möglich sei, würden sich viele in Baden-Württemberg das Mittel verabreichen lassen wollen. Bätzing-Lichtenthäler bezeichnete dies als „völlig unbegründet: Es gilt das Wohnortprinzip“. Soll heißen: Man kann nur zu dem Impfzentrum gehen, das für den eigenen Wohnort zuständig ist.