Rheinland-Pfalz Imam nennt Juden geldgierig und arrogant
«Kaiserslautern.» Der Imam des „Islamischen Zentrums Kaiserslautern“ hat Juden in einem Vortrag als geldgierig und arrogant beschrieben. Nun behaupten der Geistliche und der Vorstand seines Moscheevereins: Antisemitisch seien diese Thesen nicht gewesen. Allerdings haben sie mittlerweile versucht, ein Video des Referats aus dem Internet verschwinden zu lassen. Abrufbar war es gestern trotzdem noch.
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sitzt der Imam Said Abu Hafs vor seiner Predigtkanzel im „Islamischen Zentrum Kaiserslautern“ (IZK) an einem Tisch und erzählt glucksend von Jesus: Wie der den Juden predigte, dass sie ihren Besitz aufgeben sollten. Und wie sie sich gegen ihn wandten, weil sie von jeher das Geld so liebten. Arrogant, behauptet der islamische Geistliche, seien die Juden auch: Sie sähen auf die übrigen Völker als „ihre Esel“ herab, nähmen sich deren Besitz. Weshalb sie auch keine Muslime geworden seien, denn im Islam seien alle Menschen gleich. Wie viele Menschen diesem in arabischer Sprache gehaltenen Vortrag vor Ort lauschten, bleibt offen: Im Internet kursiert ein Dreieinhalb-Minuten-Film, auf dem nur der Imam zu sehen ist. Ursprünglich hatte ihn seine Gemeinde selbst online gestellt, doch von deren Youtube-Kanal ist er mittlerweile wieder verschwunden. Der Vorstand des Moscheevereins begründet die Lösch-Aktion mit dem Wunsch, „unnötige Auseinandersetzungen zwischen dem Islam und dem Judentum“ zu vermeiden. Und mit einem Urheberrechtsverstoß. Denn Ende März ist das Video noch einmal veröffentlicht worden, nun mit englischen Untertiteln: Das auf die Beobachtung islamischer Medien spezialisierte „Middle East Media Research Institute“ brandmarkt es als antisemitischen Vortrag eines muslimischen Geistlichen in Europa. Allerdings werfen Kritiker dieser in den USA gegründeten Organisation vor, Dinge bisweilen einseitig darzustellen. Und in Deutschland blieb der Fall zunächst weitgehend unbeachtet. Bis sich gestern die hessische Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall zu Wort meldete. In ihrem Blog fordert sie: Die Behörden müssten vor dem Kaiserslauterer Moscheeverein warnen. Denn dessen Imam verbreite „bösartige Stereotype“ und „Hetze gegen Juden“. Dieser Bewertung hat sich auch der mit öffentlichen Aussagen sonst eher zurückhaltende rheinland-pfälzische Verfassungsschutz angeschlossen, auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärte ein Sprecher gestern ohne weitere Umschweife: Der Mainzer Inlandsgeheimdienst hat das Video bereits analysiert – und er „teilt die Einschätzung, dass es sich um eine antisemitische Predigt handelt“. Das „Islamische Zentrum“ und sein Imam hingegen bestreiten, dass in dem Vortrag gegen Juden gehetzt worden sei: „Wir distanzieren uns von allen antisemitischen und religionsfeindlichen Äußerungen.“ Zugleich räumen die Moschee-Betreiber ein, dass in den englischen Untertiteln mit ihren Aussagen über geldgierige und andere Völker versklavende Juden das Referat „größtenteils“ korrekt übersetzt sei. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass die Aufnahme nur ein Ausschnitt des Vortrags sei. Und dass die arabische Sprache oft mehrdeutig ist. Außerdem habe der Imam über Dinge gesprochen, die vor 2000 Jahren geschehen sind: „Mit Juden werden im Allgemeinen die Menschen gemeint, welche damals mit Jesus konfrontiert wurden.“ Das allerdings passt nicht zu jenen Passagen, in denen es um die Reaktion der Juden auf den Islam geht. Denn der entstand erst im frühen siebten Jahrhundert. Außerdem wirft der Geistliche in seinem Vortrag den Juden vor, dass sie die Einheit der Muslime spalten und Streit zwischen ihnen säen. Und er sagt: „Das passiert auch heute noch.“