Rheinland-Pfalz Gleich drei Landessieger aus Kaiserslautern
«KAISERSLAUTERN/LUDWIGSHAFEN.» Beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ gehen in drei von sieben Fachgebieten die Siege in die Pfalz: Gestern wurden bei der BASF in Ludwigshafen Tara Moghiseh (Fachgebiet Arbeitswelt) und ihre Schwester Negin (Biologie) sowie Robert Pietsch (Mathematik/Informatik) ausgezeichnet. Alle drei sind Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern.
Tara Moghiseh hat sich mit der Frage beschäftigt, wie die Untersuchung von Weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut vereinfacht werden kann. Eine erhöhte Anzahl von Leukozyten im Blut deutet auf eine Krankheit wie Leukämie hin. Jährlich wird in Deutschland Leukämie bei 13.700 Menschen festgestellt. Um diese Krankheit und weitere Symptome aufzuklären, muss das Blut eines Patienten mit diversen Gerätschaften genau untersucht werden. Solche Diagnosen sind vor allem für kleinere Labore aufwändig und kostenintensiv. Zwar gibt es bereits „Hämatologie-Automaten“ für Blutbild-Untersuchungen. Aber die können laut Tara diagnostische Lücken aufweisen. Um den Bearbeitungsprozess von Blutproben zu vereinfachen und zu beschleunigen, verbindet die 16-Jährige Künstliche Intelligenz und Neuronale Netzwerke. Ihre ein Jahr jüngere Schwester Negin Moghiseh untersuchte, welchen Einfluss Lärm auf die Konzentration von Schülern hat. Dazu hat sie drei Testreihen organisiert. Bei der ersten Reihe hatten 39 Teilnehmer Konzentrationstests bei Lärm mit Lautstärken von 30 Dezibel (entspricht dem Ticken einer Armbanduhr oder leisem Wind) über 50, 60 und 70 Dezibel bis hin zu 80 Dezibel (entspricht einem Streitgespräch oder Klavierspiel) meistern sollten. Dabei zeigte sich laut der 15-Jährigen, dass die durchschnittliche Konzentrationsleistung bei 70 Dezibel (Staubsauger, laufender Wasserhahn) am höchsten war. Daraufhin startete Negin eine weitere Reihe, bei dem zwölf Schüler Konzentrationstests bei Stille und dann im eigenen Klassenraum mit der vertrauten Geräuschkulisse ihrer Mitschüler ausgesetzt waren. Ergebnis: Bei Stille waren die Leistungen dieses Mal besser als in jenem Zeitraum, in dem die Testpersonen durch die Gespräche ihrer Kameraden abgelenkt wurden. Beim dritten Test wurden die Teilnehmer übereinander gelegten Gesprächen aus Hörbüchern und Reden ausgesetzt. Hier stellte sich wieder heraus, dass die Konzentration bei 70 Dezibel am höchsten war. Negin erklärt sich die Ergebnisse damit, dass die geistige Leistungsfähigkeit ohne Aktivierung oder mit zu hoher Aktivierung geringer ist als beim einem optimalen Niveau. Robert Pietsch, der dritte Landessieger aus der Pfalz, ist der Frage nachgegangen, wie die Datenübertragung etwa beim Online-Banking oder auch im privaten Chat sicherer gemacht werden kann. Bisher werden Daten mit Hilfe von Zufallszahlen verschlüsselt, die mit komplexen Berechnungen (Algorithmen) erzeugt werden. Der Haken dabei, so der 16-Jährige: Kennt jemand alle Parameter dieser Algorithmen, kann er die Zufallszahlen selbst bestimmen. Als Alternative hat Robert einen „echten“ physikalischen Zufallsgenerator entwickelt. Dafür misst er zufällige natürliche Phänomene wie radioaktive Zerfälle oder das akustische Umgebungsrauschen und berechnet daraus Zufallswerte. Der von dem 16-Jährigen entwickelte Zufallsgenerator kann von einem Anwender per USB ausgelesen werden. Mit ihrem Landessieg haben sich alle drei für die Teilnahme am Bundesfinale in Chemnitz qualifiziert.