Rheinland-Pfalz
Geschnappter Straftäter soll zurück in Münchner Psychiatrie
Der am Samstag in Schleswig-Holstein geschnappte Sexualstraftäter aus Kaiserslautern ließ sich offenbar widerstandslos in einem Wohnhaus bei Norderstedt festnehmen. Er soll bald wieder zurück in die geschlossene Psychiatrie nach München.
Angaben über die genauen Umstände der Festnahme des Mitte Juli aus einer psychiatrischen Klinik bei München Entkommenen wollten am Montag weder die Staatsanwaltschaft in Kaiserslautern noch die Polizei machen. Sie sprachen lediglich von einem „recht flotten“ Fahndungserfolg. Drei Tage nachdem sie den 56-Jährigen mit Namen und Foto öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben hatten, war der Gesuchte geschnappt worden. Er war mit dem Auto einer neuen Bekannten, die er erst nach seiner Flucht aus der Psychiatrie über das Internet kennengelernt hatte, unterwegs. Unter anderem das polizeibekannte Kennzeichen sowie weitere Hinweise aus der Bevölkerung führten die Polizei auf die Spur.
Den täglichen Freigang verspielt
Möglichst bald soll der 56-Jährige wieder zurück in die Münchner Klinik, in die er nach einem unbewachten Freigang auf offenem Klinikgelände nicht wieder zurückgekommen war. Diese Art Ausgeh-Lockerung des Maßregelvollzugs, die er seit April dieses Jahres hatte, dürfte er damit verspielt haben. Frauen hat er sich während seiner Flucht laut Staatsanwaltschaft nicht unsittlich genähert. Er habe „lediglich“ das Auto der Bekannten, eine 59-Jährige aus der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, unterschlagen. Die hatte ihn der Polizei gemeldet.
Die Münchner Klinik wird jetzt darüber zu entscheiden haben, wie lange sein Freigang rückgängig gemacht wird. Den hatte die Psychiatrie eigenen Angaben zufolge auf Anordnung eines Münchner Gerichts austesten müssen. Dahinter stand nach Jahren des Weggesperrtseins die Abwägung zwischen dem berechtigten Interesse des Sexualstraftäters auf ein Leben in Freiheit einerseits und der öffentlichen Sicherheit andererseits. Auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, da der Lauterer schon weit mehr als 20 Jahre in der geschlossenen Psychiatrie ist. Laut Klinikum war der Mann 1988 und dann im Jahr 2000 zu dreieinhalb Jahren Haft beziehungsweise zwei Jahren und drei Monaten wegen mehrerer Vergewaltigungen und sexueller Nötigung verurteilt worden. Angeordnet wurde stattdessen gerichtlich die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik.
Lockerungs-Missbrauch kommt öfter vor
Missbrauch von Lockerungen wie in diesem Fall kommen nach Angaben der zuständigen Sprecherin des Bezirks Oberbayern „des Öfteren vor“. Grund: Die Klinik sei juristisch verpflichtet, die Zuverlässigkeit von „Patienten“ vor einer möglichen Entlassung auf die Probe zu stellen. Echte Ausbrüche, also die Überwindung von Zäunen oder Personen, habe es in den vergangenen zehn Jahren jedoch nur drei mal gegeben. Dabei sie die Psychiatrie in der Gemeinde Haar bei München mit „über 400 Patienten eine der größten forensischen Kliniken“ in Deutschland, sagte die Sprecherin des Bezirks Oberbayern, Constanze Mauermayer.