Kommentar
Geringere Öffnungszeiten beim Notdienst: In der Medizin-Wüste
Die Ärztlichen Bereitschaftspraxen sind eine Art Hausarzt am Wochenende. Wer sich samstags bei der Gartenarbeit einen Hexenschuss einhandelt, wird beim Notdienst nicht nur medizinisch versorgt, auch Rezepte und Krankschreibung können dort direkt ausgestellt werden. Doch dieses Angebot wird die für die Organisation zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) zur Jahreswende in Rheinland-Pfalz deutlich zurückfahren – unter anderem mit geringeren Öffnungszeiten.
Dabei ist es die gesetzliche Aufgabe der Institution, den Bereitschaftsdienst sicherzustellen. Die KV betont jedoch, der Schritt sei alternativlos angesichts der Überlastung der Arztpraxen. Die Mediziner hätten immer weniger Kapazitäten, Notdienste zu leisten. Dabei scheint die KV die Lage bei ihren Mitgliedern weniger gut zu kennen als behauptet. Im vergangenen Jahr bildeten sich rund um Weihnachten lange Schlangen vor den Notdienstzentralen, weil die KV offenbar keinen Schimmer von der Urlaubsplanung der Hausarztpraxen hatte. Viele Mediziner hatten nämlich wegen der Feiertage geschlossen. Die Patienten strömten also zu den Bereitschaftspraxen.
Ärztemangel ist seit Jahren bekannt
Doch auf Kritik an der schlechten Versorgung reagiert die KV inzwischen mit dem immer selben Argument: Bürger sollen bei nicht lebensbedrohlichen Krankheiten zuerst mit dem Telefon die 116117 wählen. Dann können sie mit medizinischem Fachpersonal sprechen, bekommen eine Ersteinschätzung. Doch das sind Floskeln von Medizinfunktionären. Erstens gibt es oftmals kein Durchkommen bei der angeblichen Nummer gegen Kummer, zweitens wird diese Hotline-Politik dafür sorgen, dass zum einen mehr Menschen in den Notaufnahmen aufschlagen, zum anderen viele ganz verzichten werden auf medizinischen Rat.
Das Eindampfen der Notversorgung hat auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister heftig kritisiert. Doch Clemens Hoch sollte nicht die Backen aufblasen. Seine SPD regiert seit 1991, der Ärztemangel ist seit Langem bekannt. Doch bisher gab es keine massive Ausweitung der Medizinstudienplätze an der Uni Mainz. Die Landesregierung trägt also Mitverantwortung für die Medizin-Wüste in manchen Teilen von Rheinland-Pfalz. Und die wird durch die Entscheidung der KV nun noch größer.
