Bad Kreuznach / St Martin
Gäste sind in Hotels und auf Campingplätzen wieder willkommen
Zwei Monate nach den ersten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Rheinland-Pfalz durften Hotels wieder Gäste begrüßen. Jeder Betrieb müsse überlegen, wann sich eine Öffnung lohne, sagte Gereon Haumann, der Landesvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Viele der 4000 Betriebe würden erst zum Christi-Himmelfahrt-Wochenende an den Start gehen – andere noch eine Woche später zu Pfingsten.
Um mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen, müssen Hotels ähnlich wie zuvor schon die Gaststätten die Kontaktdaten aller Gäste erfassen – also Name, Vorname, Anschrift und Telefonnummer. Dies bedeutet nach Darstellung von Haumann kein Mehraufwand. Schon aus steuerlichen Gründen müssten die Betriebe Meldebescheinigungen aufheben. Gäste müssen vor dem Betreten des Hotels die Hände desinfizieren. Auf den Wegen im Hotel ist ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Der Dehoga-Landeschef spricht von einem Defizit der Branche zwischen Mitte März und Mitte Mai in Höhe von zwei Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im zweiten Halbjahr 2019 wurden knapp vier Milliarden Euro umgesetzt.
CDU fordert weiteres Hilfsprogramm
Auch nach Lockerung der Beschränkungen in der Gastronomie sehen sich viele kleine Betriebe laut der Landtagsabgeordneten Ellen Demuth (CDU) in ihrer Existenz bedroht. Für mittelgroße und große Hoteliers und Gastronomen sei die Umsetzung von Hygiene-Vorkehrungen und Abstandsregeln machbar, sagte die Vorsitzende der Enquete-Kommission Tourismus Rheinland-Pfalz. Kleinere Betriebe hätten dafür oft nicht das Personal und die Logistik. „Ich fürchte, dass viele Betriebe, die vor einem Generationswechsel stehen, nun gar nicht mehr öffnen, wenn die Liquidität nicht da ist.“ Daher müsse über ein weiteres Hilfsprogramm in der zweiten Jahreshälfte nachgedacht werden. Gerade kleine Betriebe machten den besonderen Charme von Rheinland-Pfalz als Reiseland aus.
Hohe Einnahmeverluste bei Jugendherbergen
Allein in den 45 rheinland-pfälzischen Jugendherbergen sind aufgrund der Corona-Krise weit über eine halbe Million Übernachtungen storniert worden, überschlägt Jacob Geditz, der Vorstandschef des rheinland-pfälzischen Jugendherbergswerkes. Die Einnahmeverluste belaufen sich nach seinen Worten auf 21 Millionen Euro. Dies entspreche 50 Prozent des Jahresumsatzes. Hinzu komme, dass in diesem Jahr nicht mehr mit Übernachtungen durch Klassenfahrten zu rechnen sei.
Um die Einbußen bei Jugendherbergen und Familienferienstätten abzufedern, hat das Familienministerium einen Rettungsschirm organisiert. Obwohl das Programm erst ganz kurz öffentlich ist, gibt es bereits Anfragen, teilte das Ministerium am Montag auf Anfrage mit. Es liege derzeit ein Antrag einer Familienferienstätte vor. Eine weitere Ferienstätte hatte den Antrag zunächst über die „Vereinsförderung“ gestellt, weshalb sie gebeten wurde, einen Antrag über das Beherbergungsprojekt einzureichen. Über die Internetplattform der ADD sei zudem mehrfach nach den Regelungen des Hilfsprogramms gefragt worden, so dass mit weiteren Anträgen zu rechnen sei.
Run auf Campingplätze
Auch viele Campingplätze in Rheinland-Pfalz haben nach der Corona-Zwangspause nun wieder geöffnet. „Ab heute geht's los“, sagte der Manager des Knaus-Campingparks Koblenz/Rhein-Mosel, Sven Holzmann, am Montag. „Der Run ist da, die Vormeldungen sind da.“ Bereits in den ersten Morgenstunden habe der Platz 30 Fahrzeuge aufgenommen.
Rege Nachfrage gibt es auch in der Pfalz – für das Himmelfahrts- und das Pfingstwochenende meldete etwa der Campingplatz Wappenschmiede in St. Martin (Südliche Weinstraße): „Wir sind ausgebucht.“ Unklarheit herrschte mancherorts, ob Sanitäranlagen der Plätze geöffnet werden dürften. So gab der Campingplatz im Klingbachtal bei Billigheim-Ingenheim (Südliche Weinstraße) auf seiner Webseite an, dass zunächst nur „autarke Fahrzeuge“ aufgenommen werden könnten. Die Sanitäranlagen der Plätze dürfen nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums zum Teil geöffnet werden: Toiletten ja, Gemeinschaftsduschen nein.
„Wir sind sehr froh, dass wir wieder los können“, sagte in Koblenz ein Wohnmobil-Camper. „Ich war jetzt über sechs Wochen nur zuhause – da ist mir die Decke auf den Kopf gefallen.“ Jetzt wieder auf Campingplätze fahren zu können, sei „eine kleine Befreiung“.
Ampel für die Rezeption eingerichtet
Zur Einhaltung der Abstandsregeln hat der Campingpark in Koblenz eine Ampelanlage für die Rezeption eingerichtet, die sicherstellen soll, dass immer nur ein Gast eintritt. In der Zeit der Schließung hätten alle Campingplätze massive Einbrüche erlebt, sagte Holzmann. „Wir werden das nicht aufholen können in diesem Jahr – trotz erhöhter Nachfrage von Gästen, die normalerweise ins Ausland gefahren wären, diesmal aber in Deutschland Urlaub machen.“