Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal: Spezialist fertigt Prothesen für Hunde an

Führt vor, was an Hilfsmitteln möglich ist: Dieter Pfaffs Hündin „Katie“ mit Tragehilfen zur Entlastung der Läufe bei diversen P
Führt vor, was an Hilfsmitteln möglich ist: Dieter Pfaffs Hündin »Katie« mit Tragehilfen zur Entlastung der Läufe bei diversen Problemen wie Arthrose und einer Karpalgekenkbandage. Gebraucht hat »Katie« diese Anfertigungen aus der Werkstatt von Dieter Pfaff selbst glücklicherweise noch nicht.

Als Hope auf die Welt kam, war er ein hoffnungsloser Fall. Bei der Geburt hatte sich die Nabelschnur um sein Bein gewickelt. Am Vorderlauf fehlte ein Stück, er würde nie richtig laufen können. Seine Besitzerin, obgleich eine große Hundeliebhaberin, sah keine andere Möglichkeit, als ihn einschläfern zu lassen. Doch dann kam für Hope plötzlich doch die Rettung. Ein Tierorthopädie-Experte aus Frankenthal hat ihm letztlich mit einer Prothese geholfen.

Doch der Weg dorthin führte über Umwege. Die Besitzering des Hundes hatte eine Freundin, und deren Schwester verguckte sich bei einem Besuch in den hilflosen Welpen. Sie nahm ihn mit und sagte: „Ich versuch’s mit ihm.“ Diesen Entschluss hat Silke Bergmann aus Trier nie bereut. Und auch der Name, den sie dem Hund gab, war richtig: Hope – also „Hoffnung“. Denn es war wirklich nicht aussichtslos, ihn aufzupäppeln und ihn an ein normales Hundeleben zu gewöhnen. Zunächst hinkte Hope auf drei Beinen, das war für den Anfang nicht schlimm. Dennoch war klar, dass er auf die Dauer schwere Haltungsschäden davontragen würde. Und so bekam der junge Hund mit neun Monaten seine erste Prothese und später, als er ausgewachsen war, eine zweite.

Eine der ersten Adressen in Deutschland

„Es hat schon gedauert, bis er sich daran gewöhnt hat“, erzählt Silke Bergmann. „Aber jetzt läuft er sehr gut damit.“ Inzwischen ist Hope fast vier Jahre alt und für die Nachbarn ein längst vertrauter Anblick. Fremde merken oft erst beim zweiten oder dritten Hinsehen, dass sein Hinterlauf künstlich ergänzt ist. „Vielen fällt es auch gar nicht auf“, sagt die Triererin. „Ich bin sehr froh, dass wir beim Orthopäden waren.“ Die erste Prothese für Hope hat Dieter Pfaff aus Frankenthal gemacht. 25 Jahre lang hat er Erfahrungen in der Humanmedizin gesammelt, vor zwölf Jahren ist er ganz auf Tierorthopädie umgestiegen. Seitdem ist er der Spezialist in Rheinland-Pfalz und eine der ersten Adressen in Deutschland. Schicksale wie das von Hope kennt er zur Genüge. „Wir haben mit unseren Prothesen und Orthesen schon viele Tiere vor dem Einschläfern gerettet“, sagt Pfaff. Das Angebot in seiner Werkstatt ist vielfältig, reicht von Gelenkbandagen und Schulterwesten bis zu Rollwagen für gehbehinderte Tiere. Vieles davon hat er selbst entwickelt, auch ausgefeilte Spezialanfertigungen. Der Normalfall ist allerdings immer noch der verletzte oder erkrankte Hund, der eine Stütze für seine Beine braucht. Dann wird ein Gipsabdruck gemacht und danach eine Prothese aus Thermoplastik hergestellt. Es folgt das Anprobieren, Korrigieren, erneutes Anpassen, bis alles einwandfrei sitzt. Eine zeitaufwendige Prozedur, die oft mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Mehr als zwei Patienten am Tag sind daher nicht zu schaffen. Die Besitzer kommen aus allen Schichten der Gesellschaft. „Das ist die Oma mit ihrem kleinen Fifi“, erzählt Dieter Pfaff: „Das kann aber auch der Manager mit seinem edlen Windhund sein. Ich habe mit meinen Kunden schon Sekt und Selters getrunken.“ Ganz billig ist die Behandlung nicht. Wer seinen Hund mit einer Prothese versorgen lässt, muss zwischen 500 und 1500 Euro anlegen und die Kosten meist selbst tragen. Gewöhnlich sind es Hunde, die gebracht werden. Manchmal auch Katzen. Die sind allerdings wesentlich schwieriger zu behandeln. „Die fauchen und kratzen“, weiß Dieter Pfaff. „Oder sie drehen sich aus der Orthese heraus.“ Aber natürlich versorgt er auch diese widerspenstigen Patienten. Auch Papageien hat er schon in seiner Praxis gehabt, dazu Ziegen, Schafe, einen Fuchs, einen Esel und sogar einmal ein Pferd. „Das ist dann aber schon eine ganz andere Liga“, meint Pfaff. „Da komme auch ich an meine Grenzen.“ Wenn 700 Kilo Gewicht auf eine Prothese drücken, ist die Gefahr immer groß, dass etwas drückt oder verrutscht. Eigentlich müsste der Orthopäde dann immer in der Nähe des Pferdestalls wohnen, um im Notfall rasch eingreifen zu können.

Angebot aus Katar

Noch ist Dieter Pfaff einer von wenigen Tierorthopäden in Deutschland. Aber allmählich kommt Bewegung in den Markt. In den vergangenen Jahren bieten immer mehr Tierkliniken und Sanitätshäuser ähnliche Dienste an. Kein Wunder bei einem Volumen von neun Milliarden Euro, die die Deutschen jedes Jahr für ihre Haustiere ausgeben. Von diesem Kuchen möchten viele etwas abhaben, auch die Hersteller, die ihre Produkte im Internet anbieten, was Dieter Pfaff ärgert. „Das kann nicht funktionieren“, sagt er. „ Jeder Mensch ist anders und jedes Tier ist anders. Deswegen müssen Prothesen individuell angepasst werden. Dazu braucht man Erfahrung. Das dauert, bis man das kann.“ Seine Erfahrung und seine Dienste stellt er gerne weiterhin seinen Kunden in Frankenthal zur Verfügung. Allerdings: Einmal kam ein reicher Araber aus Katar auf ihn zu mit dem Angebot, seine Kamele zu betreuen. Pfaff kam ins Nachdenken. Die Sache zerschlug sich, aber seit neuestem ist in Thailand die Rede von einem Elefantenzentrum, wo auch ein Orthopäde nötig wäre. „Wenn das konkret wird“, sinniert Dieter Pfaff, „ich glaube das würde ich machen“.

Stehen voll im Leben: Silke Bergmann mit „Hope“.
Stehen voll im Leben: Silke Bergmann mit »Hope«.
Dieter Pfaff bei der Anpassung einer Orthese für einen Hund. Der Orthopädietechnikermeister hat aber auch schon Pferden geholfen
Dieter Pfaff bei der Anpassung einer Orthese für einen Hund. Der Orthopädietechnikermeister hat aber auch schon Pferden geholfen.
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