Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Erlebnistag: „Radeln auf heißer Liebe“

Gute Laune und viel Trubel in Deidesheim beim historischen Rathaus.  Foto: Mehn
Gute Laune und viel Trubel in Deidesheim beim historischen Rathaus.

Der letzte Sonntag im August hat in der Pfalz Tradition. Dann ist die Deutsche Weinstraße acht Stunden lang für den Autoverkehr gesperrt und gehört den Radfahrern. So auch gestern. Allerdings scheint die Resonanz in diesem Jahr nicht ganz so hoch wie in den Vorjahren gewesen zu sein. Über die Gründe kann man spekulieren.

Forst/DEIDESHEIM. Am historischen Rathaus in Deidesheim ging nichts mehr. Da war ein Radeln nicht mehr möglich. Da hieß es: „Runter vom Sattel und schieben.“ Dort gab es Live-Musik. Die meisten Besucher des Weinstraßen-Erlebnistages blieben stehen, lauschten den Klängen der Band und genossen mal eben eine Schorle.

Die Hitze förderte schließlich den Durst, da hatten auch die Stände Hochbetrieb. Es war eben typisches Schorle-Wetter und schon gar keines für Wein im Stilglas. Und der Schoppe, möglichst noch im Dubbeglas, hat auch was Verbindendes. Es schafft Freundschaften, eben das Motto des diesjährigen Erlebnistages, das die Pfalzwein-Werbung auserkoren hatte.

„Der Erlebnistag ist ein Muss“

„Bei einem Schoppen setzt man sich einfach zu anderen an den Tisch, man kommt ins Gespräch, man lernt neue Leute kennen und es werden Freundschaften“, erzählte Kim Schröter. Diese pfälzische Mentalität sei der Grund, weshalb sie vor drei Jahren in Pfalz zurückgekehrt sei. „Und der Erlebnistag ist ein Muss“, sagte die 41-jährige. Gestern hatte sie ihren Bruder Kai (54), der in Spiesen-Elversberg im Saarland lebt, zu einer gemeinsamen Tour in die Pfalz eingeladen. „Wir wollen einfach mal mit dem Mountainbike die Weinstraße entlangfahren“, meinte Schröter. „Und die Pausen für eine Schorle werden wir auch nutzen“, meinte sie augenzwinkernd.

Diese Probleme kennen Timo Ott (33) und seine gleichaltrige Lebensgefährtin Christina Schön nicht. Sie hatten einen Kinderanhänger einfach umgebaut und waren mit diesem Gefährt von Speyer an die Weinstraße gekommen. Samt einem Schorle-Brett, darunter die Kühlbox mit gekühltem Riesling und perlendem Mineralwasser. Auch ein Sonnenschirm durfte nicht fehlen. Während Ott in die Pedale trat und sich auch von der Elektrizität unterstützen ließ, saß seine Partnerin im Anhänger.

„Wir sind seit 16 Jahren ein Paar, dieser Tag hat für uns Tradition und wir wollen ihn nicht missen“, meinte Ott. An einen Hochzeitsantrag auf der Weinstraße hatte er noch nicht gedacht. „Das wäre es doch. Wir sind schon lange zusammen, das kann ja dann noch kommen“, meinte er augenzwinkernd. Dann eben im nächsten Jahr. „Auf der Weinstraße mit dem Rad unterwegs zu sein, Freunde zu treffen und die Geselligkeit zu genießen, das bedeutet für mich Freiheit“, sagte der Psychologe. Derweil füllt seine Partnerin den „Betzischobbe“ wieder auf. Das Glas macht die Runde und die nötige Abkühlung tut bei der Hitze gut.

Auch die Deisemer Kerwebuwe hatten eine pfiffige Idee. Sie hatten vor ihrem Stand einen Traubenbehälter mit Wasser aufgefüllt. Da ließ Johannes Groß seine dreijährige Tochter Mia und Lena Reinhardt ihre Nichte Antonia (3) die Beine abkühlen. Und so manche Versuche, den einen oder anderen Besucher in das Becken zu werfen, scheiterten. Bei ihnen heißt es eben Spass und Gaudi uff de Gass.

Heiratsantrag „für mein Herz“

Judith Laux (43) und Marc Christian Glaser (45) haben sich für die Tour de Weinstraße auf einem Tandem entschieden. Ganz in Weiß. „Ich mache in den nächsten zehn Minuten meinem Herz einen Heiratsantrag“, sagte Glaser. Der Steuerberater aus Speyer meint es ernst. „Wir radeln auf heißer Liebe“, gesteht ihm seine Partnerin, die auf das Ja-Wort eingestellt ist. Der Erlebnistag bringt eben Menschen zusammen.

„Man trifft immer welche oder man lernt neue kennen“, sagte Thomas Humm. Mit dem E-Bike war der Ruppertsberger unterwegs. „Die Bewegung und die Geselligkeit fördern die Freundschaft“, brachte er es auf den Punkt. Da blieben auch so manche Radpannen nicht aus. Am Kaisergarten musste Martin Amende (40), der eigens aus Stuttgart mit seiner Ehefrau Steffi und seinem Sohn Jonathan (3) im Radanhänger in die Pfalz zum Weinstraßentag gekommen war, einen Zwangsstopp einlegen. „Zum Glück hatte ich einen Ersatzschlauch dabei“, meinte Amende. Er ließ sich die gute Laune an diesem Nachmittag nicht nehmen. „Ach ja, so etwas kann passieren, dann geht es einfach in einigen Minuten weiter“.

Abseits der Ausschankstellen rollte diesmal der Fahrradverkehr recht „flüssig“. Die Resonanz scheint in diesem Jahr nicht so groß wie in den Vorjahren gewesen zu sein. Ein Grund könnte sein, dass Besucher von der badischen Seite wegen der Sperrung der Rheinbrücke bei Speyer und der Hochstraße Süd in Ludwigshafen diesmal den Weg an die Weinstraße gescheut haben.

Mit Sonnenschirm und Schorlebrett zum Erlebnistag: Timo Ott und Christina Schön  Foto: Mehn
Mit Sonnenschirm und Schorlebrett zum Erlebnistag: Timo Ott und Christina Schön
Ganz in Weiß aufs Tandem: Marc Christian Glaser mit Judith Laux.  Foto: Mehn
Ganz in Weiß aufs Tandem: Marc Christian Glaser mit Judith Laux.
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