Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Die Sonne lacht - und Königin Silvia von Schweden auch

Ein freundliches Winken für die Zaungäste: Königin Silvia von Schweden mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer (links von ihr
Ein freundliches Winken für die Zaungäste: Königin Silvia von Schweden mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer (links von ihr).

Am Landschloss Fasanerie in Zweibrücken winken royale Fans mit blau-gelben Fähnchen. Auch die Deutsch-Schwedische Gesellschaft ist darunter. Königin Silvia von Schweden ist endlich da – und sorgt bei einer alten Zweibrückerin für eine Überraschung.

„Jetzt musste ich so alt werden, um mal einer Königin die Hand zu schütteln!“ Ihre stolzen 92 Lenze sieht man Anneliese Schmidt allerdings nicht an, auch wenn die Seniorin aus dem Zweibrücker Ortsteil Bubenhausen im Rollstuhl sitzt. Doch vielleicht waren es die zwei Räder, die Königin Silvia von Schweden sofort ins Auge gefallen sind. Nach dem offiziellen Foto vor dem Landschloss Fasanerie in Zweibrücken geht sie auf die Seniorin hinter dem Absperrband zu, schüttelt ihr die Hand und wechselt ein paar Worte mit ihr. Für die weiteren rund 50 royalen Fans hat sie ein freundliches Lächeln.

Wurde von ihrer Tochter an die Fasanerie begleitet: die 92-jährige Anneliese Schmidt.
Wurde von ihrer Tochter an die Fasanerie begleitet: die 92-jährige Anneliese Schmidt.

Kurz vor 12 Uhr sind die vier schweren Limousinen von der Polizei eskortiert am Landschloss eingetroffen. Da ist der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) schon gut eine halbe Stunde da. „Ihr seht ja toll aus“, hatte er den Zuschauern zugerufen und damit auf blau-gelbe Schals, Schweden-Fähnchen und die Vertreter der Deutsch-Schwedischen Gesellschaft Zweibrücken angespielt. Zusammen mit Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) wird er Silvia von Schweden begrüßen.

„Ihr seht ja toll aus“: Schweitzer begrüßt die Zuschauer.
»Ihr seht ja toll aus«: Schweitzer begrüßt die Zuschauer.

Für beide ist es der erste Händedruck mit einer Königlichen Hoheit, Verbeugung inbegriffen. Zwar handelt es sich nicht um einen Staatsbesuch, sondern um einen Privatbesuch, weil sie für ihre World-Childhood-Stiftung unterwegs ist, weshalb es beispielsweise auch keine Gastgeschenke gibt. Die Hofetikette muss aber trotzdem eingehalten werden. So wird Schweitzer die Königin mit „Eure Majestät“ ansprechen. Er selbst hat „einen guten Anzug“ gewählt, OB Wosnitza hat seine Amtskette noch mal aufpoliert.

Zweibrückens OB Marold Wosnitza.
Zweibrückens OB Marold Wosnitza.

Wenige Stunden zuvor hatten Mitarbeiter des Zweibrücker Bauhofs kleine Absperrungen am Landschloss aufgebaut und sogar vereinzeltes Laub noch mal schnell vom Boden aufgelesen. Einen Blick auf die Königin werfen können sie aber nicht: Kurz vor dem ersten Adventssonntag muss noch ein Christbaum gestellt und geschmückt werden. Dann ist Tanja Schwab, ihres Zeichens Gästeführerin in Zweibrücken, als erste Zuschauerin vor Ort. Ihr folgt Sibylle Rebenstock auf dem Fuß. Auch sie interessiert sich sehr für Geschichte, vor allem für die Verbindung zwischen Zweibrücken und Schweden. „Ich hätte auch mal gern König Carl Gustav gesehen“, sagt sie, doch der sei ja heute nicht dabei.

Als erster Zaungast da: Gästeführerin Tanja Schwab.
Als erster Zaungast da: Gästeführerin Tanja Schwab.

OB Wosnitza verspricht sich vor allem Image-Werbung für seine Stadt, auch wenn es sich um einen Privatbesuch der Königin handele. Wäre mehr Zeit gewesen, wer weiß, vielleicht hätte man sie für eine Schwedentour durch Zweibrücken gewinnen können. Die enge Verbindung hatte Pfalzgraf Johann Kasimir begründet, unter dessen Enkel, dem Schwedenkönig Karl XI., das Herzogtum Zweibrücken-Pfalz schwedische Krondomäne wurde. Der schillernste unter diesen „Wittelsbachern auf dem Wasa-Thron“ war dann Karl XII. und indirekt auch Urheber des Landschlosses Fasanerie.

Vormals Landgut Tschifflik, wurde es für den Verbündeten Karls XII., den König von Polen Stanislaus I. Leszczynski, erbaut, als dieser fliehen musste und von Karl in Zweibrücken Asyl erhielt. Dass der schwedische Tschifflik-Baumeister Jonas Erikson Sundahl auch die Bergkirche in Bad Bergzabern entworfen hatte, ist dem Ministerpräsidenten an diesem Mittwoch als seine Traukirche eine besondere Erwähnung wert.

Knapp 15 Minuten bleibt die Königin vor der Fasanerie im Licht der Öffentlichkeit, dann geht es ins Restaurant. Dort steht ein Benefiz-Essen an, denn Silvia von Schweden ist wegen der von ihr vor 25 Jahren gegründeten World-Childhood-Stiftung unterwegs, die Kinder vor sexualisierter Gewalt schützen will und sich um Opfer kümmert. Unter diesem Zeichen steht auch das Benefiz-Mittagessen, dessen Menü-Folge die Childhood-Stiftung nicht verraten will. Nur dass zwischen Fisch und einem vegetarischen Gericht gewählt werden kann.

Eintrag ins neue Goldene Buch der Stadt Zweibrücken.
Eintrag ins neue Goldene Buch der Stadt Zweibrücken.

Bevor es danach ins nahe Homburg zur Universitätsklinik des Saarlandes geht, hat der royale Gast dann doch noch eine Pflichtaufgabe: den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Zweibrücken. Weil das bisherige voll war – unter anderem mit Unterschriften zahlreicher Wittelsbacher – ist die Königin die erste Person, die sich ins neue eintragen darf. „Das königliche Wappen gleich auf der ersten Seite“ – Oberbürgermeister Wosnitza ist glücklich. Er freut sich auch darüber, dass Königin Silvia nun einer Einladung aus Zweibrücken nachkommt. Der damalige OB Werner von Blon habe sie vor 38 Jahren beim Rosenfest in Göteborg ausgesprochen. „Dieser 27. November 2024“, so Wosnitza, „ist ein toller Tag für uns.“

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