Rheinland-Pfalz Die Angst vor dem Brummi

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Am Montag ist es also soweit. Wenn nicht doch noch irgendwo eine böse Überraschung lauert, soll die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden wieder für den Verkehr freigegeben werden – teilweise zumindest, für Pkw und Kleinlaster bis 3,5 Tonnen und stellenweise nur mit erlaubten 40 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit. Seit Anfang Februar ist dieses Nadelöhr der Autobahnverbindung zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen dicht. Auf Mainzer Seite hat sich ein Pfeiler der Vorlandbrücke bei Bauarbeiten zur Seite geneigt und der gesamte Brückenüberbau hat sich um 30 Zentimeter abgesenkt. Tagelang war Chaos im Berufsverkehr vor allem in und um Mainz. Inzwischen ist die Fahrbahn neu gestützt und gerichtet, und sie soll zumindest leichtere Kraftfahrzeuge wieder tragen können. Bei aller Erleichterung müssen wir dennoch feststellen, dass uns der provisorisch geschiente Brückenbruch auch mit vielen offenen Fragen zurücklässt. Zum Beispiel: Was ist die tiefere Ursache für den Kollaps des Brückenpfeilers? War es ein Unfall, wie er jederzeit überall bei solchen Bauarbeiten passieren kann? Oder kam es doch deshalb zu dem Unglück, weil die Brücke marode ist? Deshalb wissen wir auch noch nicht, ob unsere rot-grüne Landesregierung in Zukunft bei Neubau und Sanierung von Straßen und Brücken sich mehr sputen oder sich doch weiterhin gehörig viel Zeit lassen wird? Und ein weiteres wissen wir noch nicht: Wie kommt es, dass bei Verschluss einer solchen Hauptschlagader des Berufsverkehrs schon nach wenigen Tagen die Staus verblüffend viel kürzer werden? Wo und wie bahnen sich die Pendlerströme ihre neuen Wege? Wissenschaftler in Frankfurt wollen sich nun dieser Fragen annehmen. Das ist sozusagen Forschung am lebenden Objekt. Etwas anderes scheint uns sicher: Trotz aller Ingenieurkunst bei der Brückenreparatur ist das Bauwerk wohl kaputt. Wie sonst ist der Aufwand zu erklären, der betrieben wird, um die großen Brummis von der Überfahrt abzuhalten. Es ist kein Geheimnis, dass fast keiner unserer modernen Brummi-Fahrer sich an die ihm auferlegte Höchstgeschwindigkeit hält. Auch Überholverbote sind nicht immer beliebt, und Durchfahrtverbote werden gerne übersehen, wenn ein paar Minuten Zeitersparnis winken. Das wissen unsere Verkehrsexperten und fahren deshalb auf der Schiersteiner Brücke richtig großes Geschütz auf: Schon Kilometer vor der Schwachstelle werden die erlaubten kleineren Kraftfahrzeuge von den dicken Brummis getrennt. Deren Spur führt direkt zur Abfahrt. Sollte sich ein Brummi-Lenker trotzdem in die Pkw-Spur wagen, wird sein Gefährt elektronisch vermessen und bei voller Fahrt dessen Gewicht geschätzt. Ist ein „Dicker“ identifiziert, schalten Ampeln auf rot und Schranken machen dicht. Auf der Mainzer Seite der Brücke kann der Lkw-Fahrer dann nur noch die Autobahn verlassen. Auf Wiesbadener Seite muss sogar die Polizei anrücken, um den Brummi aus seiner Falle zu lotsen. Damit ist eine weitere Frage geklärt: Staus diesseits und jenseits der Schiersteiner Brücke wird es auch kommende Woche geben. Im Nachhinein betrachtet, war das eigentlich schon immer so.

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