Verkehrsunfälle RHEINPFALZ Plus Artikel Deutlich mehr Tote im Straßenverkehr

158 Menschen sind auf den Straßen in Rheinland-Pfalz gestorben.
158 Menschen sind auf den Straßen in Rheinland-Pfalz gestorben.

Nach einer positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren sind 2025 wieder mehr Menschen im Land bei Verkehrsunfällen gestorben.

Ein herber Rückschlag für die Vision Zero, die Hoffnung, dass 2050 in Rheinland-Pfalz kein Mensch mehr im Straßenverkehr stirbt: 2025 gab es mehr, nicht weniger Unfalltote.

Im Schnitt hat es täglich 381 Mal gekracht im Land, gut 139.000 Mal im ganzen Jahr. Das waren minimal weniger Unfälle als im Vorjahr (minus 0,5 Prozent), trotzdem stieg die Anzahl der Verunglückten und der Toten. Auch wenn man heute weit entfernt ist von jenem Allzeithoch von 1241 Verkehrstoten im Jahre 1971, starben im vergangenen Jahr auf rheinland-pfälzischen Straßen 158 Menschen, 28 mehr als 2024. Das ist ein Anstieg von 21,5 Prozent. Bei den Schwer- und Leichtverletzten fiel der Zuwachs mit 4,4 beziehungsweise 2,7 Prozent deutlich moderater aus.

Cannabis spielt kaum eine Rolle

Frustrierend: Die Auswertung der Zahlen durch Polizei und Innenministerium kann keine einfachen Gründe ausmachen, die dann auch leicht abstellbar wären. Die Vermutung, dass die Cannabislegalisierung eine Rolle spielen könnte, bewahrheitete sich nicht, wie Friedel Durben sagte, der Inspekteur der Polizei. Unfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel, einschließlich Alkohol, machten nur 1,7 (Vorjahr 1,8) Prozent aller Verkehrsunfälle aus. Durben sagte, er bleibe dennoch skeptisch bei der Cannabislegalisierung.

Innenminister Michael Ebling (SPD) sprach bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz von einem Alarmsignal und einem Auftrag zum Handeln. Die Anstrengungen für mehr Verkehrssicherheit müssten weiter verstärkt werden. Der Aufwand dafür ist immens: Die Polizei listet für das vergangene Jahr bereits deutlich mehr als drei Millionen Maßnahmen zur Verkehrsüberwachung auf.

Viele Wildunfälle

Die Hauptursachen für Unfälle sind Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (16) Prozent, mangelnder Abstand (14 Prozent), Missachtung der Vorfahrt und zu schnelles Fahren (je sechs Prozent) oder auch Fehler beim Vorbei- und Nebeneinanderfahren (drei Prozent). Auffallend hoch ist auch der Anteil der Wildunfälle (16 Prozent).

Einer Unfallursache hat die Polizei im vergangenen Jahr besondere Aufmerksamkeit geschenkt und dafür technisch aufgerüstet. „Ablenkung ist eine ernstzunehmende Gefahr“, sagte Ebling. Knapp 1000 Unfälle sind durch sie passiert. Ebling und Durben gehen hier von einem großen Dunkelfeld aus. Die inzwischen landesweit verfügbaren Monocams sollen dafür sorgen, dass Autofahrer nicht mehr so oft aufs Smartphone schauen. Aber: Es kann auch das Butterbrot sein, das man aus der Tasche fischt oder ein in den Fußraum gefallener Gegenstand, der dazu führt, dass man den Blick von der Straße nimmt, sagte Carolin Schug vom Referat Verkehrssicherheit im Innenministerium.

Junge und Alte sterben besonders häufig

Mehr Klarheit über Unfallursachen erhofft sich die Polizei auch von besonders geschulten und technisch gut ausgestatteten Verkehrsunfallaufnahmeteams. In den Präsidien Koblenz und Trier gibt es sie schon, ab Herbst auch in Mainz. Sie können auch Daten aus den Bordcomputern von Unfallfahrzeugen auslesen.

Knapp 25.400 Unfälle gehen auf das Konto junger Leute von 18 bis 24 Jahren. Aus ihren Reihen gab es 19 Tote (plus 58 Prozent) und 354 Schwerverletzte. Noch schlechter schneiden Senioren ab 65 Jahren ab: Sie waren an gut 30.400 Unfällen mit 55 Toten (plus 53 Prozent) und 549 Schwerverletzten beteiligt.

Polizei setzt auf Prävention

Dass Motorradfahren gefährlich ist, ist hinreichend bekannt. 39 Menschen haben dieses Hobby mit dem Leben bezahlt, 580 wurden schwer verletzt. Deutlich zugenommen haben aber auch Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen. Dabei handelt es sich in erster Linie um die zahllosen Roller, die insbesondere in den Städten von teils mehreren Anbietern zum Ausleihen bereitgestellt werden.

Neben der Verkehrsüberwachung setzt die Polizei auf Prävention, um die Unfallzahlen zu drücken. Es gibt maßgeschneiderte Kampagnen für nahezu alle Verkehrsteilnehmer-Gruppen und beispielsweise auch eine Influencerin der Polizei in sozialen Netzwerken.

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