Rheinland-Pfalz Der wahre „Anton aus Tirol“ wohnt in der Pfalz

Der wahre Anton: Harry Anton Schagerl.
Der wahre Anton: Harry Anton Schagerl. Foto: Iversen

Nein, das Leben war und ist nicht immer so schön, so toll für den Anton aus Tirol. Harry Anton Schagerl ist zwar der „Original-Anton“, aber andere haben mit der Vermarktung dieses Hits mehr Erfolg gehabt. „In Tirol bin ich geboren, aber in der Pfalz bin ich zu Hause“, blickt der 70 Jahre alte Entertainer trotzdem zufrieden auf sein Leben.

„Also, ich habe schon einige Sachen erlebt“, fasst Schagerl zusammen, was auch für drei Leben reichen könnte. Sichtbar wird das in seinem Arbeitszimmer. An den Wänden hängen Fußballtrikots der Wiener Austria oder von Wolfgang Overath. Fotos zeigen immer wieder Harry mit Roberto Blanco, Heino, Pelé oder Franz Beckenbauer. Glitzernde Schallplatten hängen an der Wand und eine Puppe ist mit dem Bühnenanzug von Freddy Breck und einer Pelzmütze von Ivan Rebroff bekleidet.

Beinahe Fußballprofi geworden

Ein Leben zum Anfassen und sich daran festzuhalten. Nicht, dass ihm eines Tages keiner mehr glaubt. Geboren 1955 und groß geworden ist Schagerl in „3150 Wilhelmsburg, Niederösterreich“. Aufgewachsen „in ganz normalen Verhältnissen“ und nach einer Lehre als Klempner ging er „mit 18 Jahren hinaus in die Welt“.

Schon zwei Jahre vorher hätte der talentierte Fußballer in die Jugend des österreichischen Spitzenklubs Austria Wien wechseln können. Der Vater intervenierte jedoch erfolgreich mit dem so bewährten wie berüchtigten Standard: „Lerne erst einmal einen Beruf!“ Stattdessen stieß er dann in Kitzbühel als Schlagzeuger in eine Band. Sein Vorteil sei gewesen, dass er auch gesungen habe.

Franz Beckenbauer kennengelernt

Es folgten 15 Jahre Profimusik mit den Los Pacos, zudem fing er in Kitzbühel auch wieder mit dem Kicken an. Schagerl: „Ehrlich gesagt hat man mich dort mehr als Fußballer denn als Musiker gekannt.“ Mit 28 lernte er Franz Beckenbauer kennen. Dessen Manager Robert Schwan war ein derartiger Fan von Harry, dass er ihn in die USA lotsen wollte. Aber „in dem Alter wollte ich das nicht mehr machen. So war halt damals die Zeit. Heute würde ich anders entscheiden.“

Auf den „Kaiser“ lässt Schagerl noch heute nichts kommen, auch wenn dieser durch die Begleitumstände der Vergabe der Fußball WM 2006 nach Deutschland schwer in Bedrängnis geratenen ist. „Ich denke, dass er das nur gemacht hat, damit die WM nach Deutschland kommt. Und nicht, um Geld einzustecken. Für mich ist er ein Mensch. Er ist eine ehrliche Haut.“

Fitness-Center für Prominente wie Falco

Kennengelernt hatte er ihn auf der Massagebank. Denn inzwischen hatte er auch ein Fitness-Center eröffnet. Ob Sänger Falco, Tennis-Ikone Guillermo Vilas – die Prominenten gingen bei ihm im damals angesagten Kitzbühel aus und ein. Musik machte er noch immer. Mit den „Tefler Buam“ und den „Tiroler Spatzen“, deren Platin-Platte noch immer bei ihm an der Wand hängt. Und auch als Wirt der renommierten Rettenbach-Stube in St. Johann war er aktiv, Stars als Gäste inklusive.

Doch was ist das alles gegen den „Anton aus Tirol“, das Lied seines Lebens. Er sang es als Erster ein und schuf mit dem Gassenhauer vermutlich den Prototyp der heutigen Mallorca- und Skihütten-Heuler. Vom Komponisten flatterte ihm ein Playback ins Haus und Schagerl versprach: „Ich mache einen Hit daraus!“ Er hielt Wort: „Der ’Anton’ rannte wie ein 'Depp' und Harry hatte bis zu 120 Auftritte im Jahr.“ Sogar bei Andy Borg und Carmen Nebel im Fernsehen war er. Jetzt war er ein Star.

Prozess wegen DJ Ötzi

Glück war zudem, dass er tatsächlich Harald Anton Schagerl heißt. Pech war allerdings, dass er den Erfolg nicht festhalten durfte. Die Verlagsrechte konnte er sich nicht leisten. Und dann schaffte es DJ Ötzi nicht nur, mit einer moderneren Fassung die Hitparade zu erobern. Sondern er wollte auch verhindern, dass Schagerl weiterhin als „Anton aus Tirol“ unterwegs ist. Sogar verklagt hat er den Harry, den Prozess allerdings verloren.

Vor 18 Jahren kam der „Original-Anton aus Tirol“ in die Pfalz. Und lernte in Rheinzabern mit seiner Christine das größte Glück seines Lebens kennen: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Musik macht er noch immer. Und mit „Zieh den Bikini aus“ glaubt er, einen potenziellen Hit in der Tasche zu haben: „Alle sagen, das Lied ist der Hammer. Ich habe aber leider kein Management, um es zu vermarkten.“

Heute ist Schagerl noch immer auf den Bühnen der Region unterwegs. Und natürlich beim Fußball. Er trainiert die 3. Mannschaft von Olympia Rheinzabern. Den Trainerschein machte er in Österreich einst unter Ernst Happel. Noch so eine Legende. Wie er selbst.

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