Hornbach
Der Ruf nach offenen Grenzen wird in der Südwestpfalz immer lauter
Im strömenden Regen standen sie am späten Mittwochnachmittag da: 30 Kommunalpolitiker aus der Gegend zwischen Zweibrücken und Bitsch hatten sich am Grenzübergang in Hornbach (Kreis Südwestpfalz) versammelt, um zu protestieren und um ein Zeichen zu setzen. Sie erzählten von Berufspendlern, die nun jeden Tag zweimal 40 Kilometer Umweg fahren müssten. Die Anfang April, als in Rheinland-Pfalz noch eine strengere Verordnung galt, noch nicht mal auf dem Weg zur Arbeit in Hornbach tanken und einkaufen durften – und deshalb in Frankreich selbst zusätzliche Umwege auf sich nehmen mussten. „Da stimmt etwas nicht an Europa“, fand Hornbachs Bürgermeister, der frühere FDP-Landtagsabgeordnete Reiner Hohn, und er erzählte von einem Deutschen, der einem tankenden Franzosen den Vogel gezeigt habe. Was viele nicht wüssten: Seit Mitte April dürften Franzosen in Deutschland auch wieder tanken und einkaufen, wenn sie beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit sind.
Dass man es darf, ist die eine Sache. Aber die ganze Situation sei auch eine extreme psychische Belastung: „Mein Mann traut sich nicht mehr aus dem Auto raus“, erzählte Jutta Scheidler, eine Deutsche, die im französischen Walschbronn im Gemeinderat sitzt, dort seit 14 Jahren wohnt und mit einem Franzosen verheiratet ist. Manche Franzosen nähmen derzeit lieber Autos mit deutschen Kennzeichen, weil sie im Nachbarland schon beschimpft worden seien. Und Walschbronns Bürgermeister Christian Schwalbach warnte gar: „Hass wächst schneller als Freundschaft.“
Weil das Elsass und Lothringen in Frankreich zum Risikogebiet erklärt worden waren, hat Deutschland Mitte März die Grenzen nach Frankreich mit Ausnahme der Übergänge Bienwald, Schweigen und Hornbach geschlossen.Seit Dienstag ist ein weiterer Grenzübergang bei Germersheim stundenweise wieder geöffnet. Der Bund soll nun auch in der Südwestpfalz weitere Übergänge öffnen, fordern die Politiker aus dem Grenzland. Kröppen und Hirschthal sollten zumindest stundenweise morgens und abends offen sein, damit es die Pendler einfacher haben. Unterstützung bekommen sie von Landrätin Ganster, die Innenminister Horst Seehofer einen Brief geschrieben hat.
Reiner Hohn, der das Treffen am Mittwoch organisiert hat – und an Neujahr 1993 – zum Start des Europäischen Binnenmarktes – mitgeholfen hatte, den Schlagbaum an der Hornbacher Grenze zu zersägen, hat schon mal anklingen lassen, dass er auch an die Freundschaft zwischen den beiden Ländern glaubt: Wenn alles vorbei ist, will er in die große Hornbacher Halle zum Freundschaftsfest einladen.