Pfälzerwald
Der Goldschakal: Ein neuer Räuber streift durch die Pfalz
Was ein Goldschakal anrichten kann, zeigt sich derzeit auf Sylt. Seit dem 19. Mai wütet dort ein Exemplar, das bereits rund 100 Schafe und Lämmer gerissen hat. Ein Verwaltungsgericht hat den Abschuss des streng geschützten Tiers zunächst untersagt. Eine endgültige Entscheidung steht aus. Droht ähnliches Ungemach nun in der Pfalz? Die kurze Antwort: Das ist äußert unwahrscheinlich. Doch der Reihe nach.
Vergangene Woche meldete das Umweltministerium in Mainz, dass erstmals ein Goldschakal in Rheinland-Pfalz nachgewiesen wurde – konkret: im Pfälzerwald. Überraschend sei die Sichtung nicht. Die Art ist über den Balkan und Österreich eingewandert und breitet sich seit Jahren deutschlandweit aus. Die ersten Nachweise aus Baden-Württemberg etwa gehen auf 2018 zurück, im Hochschwarzwald gibt es seit 2021 jährlich Nachwuchs. Dort und im Kreis Konstanz scheint sich der Goldschakal angesiedelt zu haben. Nutztierrisse sind im Nachbarland derweil bislang nicht bestätigt.
Einzelgänger aus Asien
Im Gegensatz zum Wolf, der ein Jahrhundert nach seiner Ausrottung nach Rheinland-Pfalz zurückgekehrt ist, ist Canis Aureus neu hier. Das grazile Tier, dessen Statur und Verhalten eher einem Fuchs ähneln, stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten und Indien. Sein nächster hier lebender Verwandter ist aber der Wolf. Im Gegensatz zu diesem ist der Goldschakal aber Einzelgänger, lebt paarweise oder in nur kleinen Familienrudeln.
Landesumweltministerin Katrin Eder (Grüne) sieht im Nachweis des Goldschakals einen Beleg für den guten ökologischen Zustand im Land. „Das Auftauchen dieses Wildtiers ist ein Zeichen für ökologische Vielfalt und es zeigt, dass unsere Landschaft intakte Lebensräume bietet, um Wildtieren eine neue Heimat geben zu können“, erklärt sie. Der Goldschakal könne sogar zur Gesundheit des Ökosystems Wald beitragen, denn der Allesfresser helfe, Krankheiten einzudämmen, indem er auch Aas frisst. Es sei anzunehmen, dass sich die Art auch hier dauerhaft ansiedelt, erklärt Eders Sprecher auf Nachfrage.
Scheues Wildtier
Das kann Konflikte bergen. Zwar nicht so sehr mit dem Menschen, die das scheue Wildtier tunlichst meidet. Angriffe von Goldschakalen auf Menschen sind bislang nicht bekannt. Eine Bedrohung könnte das Tier eher für Halter von Ziegen, Schafen und Hühnern werden. Das weiß auch Werner Neumann, Vorsitzender des Verbands der Schaf- und Ziegenhalter und -züchter im Land. „Nicht das auch noch“, sei sein erster Gedanke gewesen, als er von der Goldschakal-Sichtung erfahren habe, sagt Neumann, der in Höhr-Grenzhausen im Westerwald Schafe und Rinder hält.
Wirklich besorgt wegen des Goldschakals zeigt er sich indes nicht. „Unser Hauptthema ist der Wolf“, sagt er, als er an diesem Freitag gerade einen neuen Zaun zur Wolfabwehr errichtet. „Ich hoffe, dass die Schutzmaßnahmen, die wir für den Wolf machen, für den Goldschakal reichen“, so Neumann. Der Wolf sei gekommen, um zu bleiben – das sei auch okay, Wölfe seien faszinierende Tiere. Aber: „Die Wölfe, die Zäune überwinden, die in geschützte Herden gehen, die müssen weg“, mahnt er. „Sonst geben Weidetierhalter nach und nach auf.“ Der Goldschakal, der dem Wolf unterlegen ist, berge viel weniger Konfliktpotenzial. „Seine Ankunft macht es aber nicht einfacher.“ Zum Glück, so Neumann, funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Koordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) des Landes recht gut.
Weniger Konfliktpotenzial
Darauf verweist auch Ann-Sybil Kuckuk, Naturschutzreferentin beim Nabu-Landesverband, die sich mit großen Beutegreifern wie dem Wolf beschäftigt. „Wir haben deutlich weniger Sorgen als beim Wolf bezüglich Konflikten.“ In der Regel ernähre sich der Goldschakal in der Wildnis eher von kleineren Säugetieren, „und davon haben wir wirklich ausreichend“, sagt sie. Bei der Herdenschutzberatung sei das Land wegen des Wolfs bereits gut aufgestellt. „Wenn sich Weidetierhalter gegen den Wolf schützen, haben sie durch den Goldschakal keine zusätzlichen Probleme“, sagt Kuckuk.
Aus Naturschutzsicht sei die Sichtung des Goldschakals äußerst spannend. Kuckuk verweist auf Baden-Württemberg und auf die dortigen Erfahrungen des Monitorings, wenn sie sagt: „Der Goldschakal traut sich deutlich weniger ran als der Wolf.“ Er sei so scheu, dass man nur sehr selten etwas von der Präsenz des Tieres mitbekommt. Wo der Wolf heimisch ist, siedele sich der Goldschakal wohl nicht an. „Die Tiere meiden sich eher“, sagt sie. „Ein Wolf würde einen Goldschakal eher vertreiben.“
Monitoring geplant
Auch Experten in den Behörden in Rheinland-Pfalz wollen den Goldschakal künftig genau im Blick behalten, heißt es aus dem Umweltministerium. Das diene auch dazu, Verhalten und Populationsentwicklung besser zu verstehen, um gegebenenfalls Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Wie gut das Monitoring beim scheuen Goldschakal gelingen wird, bleibt abzuwarten.
