Pandemie
Corona-Impfkampagne: Mainz zahlt Ärzten etwas mehr als in anderen Ländern
Den Ärzte-Honorarsatz haben die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz und das Land ausgehandelt. Beide bezeichnen die Bezahlung als angemessen. Man erwarte eine anspruchsvolle ärztliche Leistung – möglicherweise werde auch spät am Abend und an Wochenende gearbeitet, sagt das Gesundheitsministerium auf Anfrage. Demnach haben sich 4000 Mediziner mit eigener Praxis und auch solche im Ruhestand gemeldet.
Ärzte werden in den Impfzentren vor allem beraten und sich um die Impflinge kümmern, falls es etwa zu allergischen Reaktionen auf die Spritze kommen sollte. Die Impfung selbst übernimmt anderes medizinisches Personal. Das soll brutto 50 Euro pro Stunde erhalten.
Praxis-Umsatz als Basiswert
Die 140 Euro sollen auch für Apotheker gelten. Laut deren Landesvertretung haben sich mehr als 1000 Freiwillige – Apotheker und pharmazeutisch-technische Assistenten gemeldet. Die Vergütung der Mediziner orientiert sich aus Sicht des Landes an den 15 Euro, die für einen Abstrich beziehungsweise Corona-Test bezahlt werden. Knapp zehn dieser Tests könnten pro Stunde erfolgen – was in etwa den zu zahlenden 140 Euro vergleichbar wäre. Ärzte, KV und Landesärztekammer vergleichen den Betrag mit dem durchschnittlichen Umsatz des „Unternehmens“ Arztpraxis pro Jahr: Bei 339.200 Euro und einer 50-Stunden-Woche entspreche dies dem ausgehandelten Honorar von 140 Euro, rechnet die KV vor.
„Ein akademisches Honorar“
Eine „adäquate Refinanzierung“ nennt dies der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis. Jedem Einzelnen sei jedoch freigestellt, auf das Honorar zu verzichten, sagen Matheis und die KV angesichts von Kritik aus den eigenen Reihen. Im SWR etwa hatten Ärzte selbst die Höhe des Honorars als deutlich zu hoch kritisiert. Auch Lothar Maurer, Kinderarzt aus Frankenthal sowie Landesvorsitzender des Kinder- und Jugendärzteverbands und Mitglied der Impfkommission des Landes, verteidigt die 140 Euro. „Das ist ein akademisches Honorar“, meint er. „Rechtsanwälte und Notare haben noch ganz andere Stundensätze.“ In benachbarten Bundesländern wird etwas weniger gezahlt. In Baden-Württemberg gibt es für Ärzte 130 Euro pro Stunde; für medizinisches Fachpersonal 27,60 Euro. Beträge, die jenseits des Rheins auch in den Test- und Abstrichzentren gezahlt werden.
In Hessen gibt es noch etwas weniger für Ärzte: 120 Euro für Mediziner und Apotheker, 50 Euro für medizinisches Hilfspersonal. Das Saarland will die Höhe der Bezahlung nicht bekanntgeben. Das Gesundheitsministerium schreibt lediglich: „Das Saarland hat sich bei der Vergütung an den Vergütungen der anderen Bundesländer orientiert.“ Nordrhein-Westfalen hat laut Gesundheitsministerium noch nicht entschieden.
„Wer nicht mitmacht, ist selbst schuld“
Rheinland-Pfalz sucht unterdessen noch weitere Ärzte zum Mitmachen. Dabei dürfte fraglich sein, ob der Start in den Impfzentren tatsächlich Anfang Januar sein wird – in Ludwigshafen gilt der Start zwar als sicher. Die zu erwartende Menge an Impfdosen ist allgemein jedoch noch gering. Der ärztliche Direktor des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern, Christian Mönch, rechnet generell mit einer großen Bereitschaft in der Bevölkerung, sich freiwillig impfen zu lassen. „Wer nicht mitmacht, ist selbst schuld“, meint er.