Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Brand an Weihnachten in Grünstadt: So hat die Betroffene die Unglücksnacht erlebt

Das Wohnzimmer in Grünstadt nach dem Brand.
Das Wohnzimmer in Grünstadt nach dem Brand. Foto: PRIVAT

Ein technischer Defekt an einem Gas-Katalytofen ist die Ursache eines Wohnzimmer-Brandes an Weihnachten in Grünstadt. Yvonne Herrmann wurde dabei durch eine Stichflamme verletzt. Bei all dem Unglück hatte die Familie aber auch Glück, sagt die 66-Jährige drei Tage nach dem Brand.

Weihnachten 2019 wird Yvonne Herrmann nie vergessen: Ihr Wohnzimmer ist in der Nacht von Heiligabend auf den Ersten Weihnachtstag ausgebrannt. Ein technischer Defekt an einem Gas-Katalytofen war die Ursache: Das hat die Kriminalpolizei Neustadt am Freitagvormittag auf RHEINPFALZ-Anfrage berichtet. Beim Abschalten des Gasofens schoss eine Stichflamme empor. Yvonne Herrmann erlitt dabei leichte Verbrennungen an der Nase, ein kleiner Teil der Haare ist angesengt. An ihrem Hals sind rote Streifen zu sehen. Sie stammen von der Halskette, die durch die enorme Hitze heiß wurde. Ihr 46-jähriger Sohn, der in Köln wohnt und Weihnachten zu Besuch bei seiner Mutter war, wurde leicht im Gesicht verletzt, auch die Jacke war angesengt.

Der Sohn ruft: Raus!

Weil die Heizung defekt war, wurde das Wohnzimmer des Hauses, in dem Herrmann zur Miete wohnt, vorübergehend mit dem Gasofen geheizt. Er stand seit Heiligabend im Raum. Gegen Mitternacht, nachdem alle Gäste gegangen waren und Yvonne Herrmann und ihr Sohn ins Bett gehen wollten, drehte der Sohn den Ofen ab. Da schoss die Stichflamme in die Höhe. „Das ist total schnell gegangen“, sagt Herrmann am Freitagnachmittag im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Flamme habe sofort die Vorhänge erfasst, ihr Sohn habe geschrien: „Raus.“ Sie habe gezittert, eine Art Nervenzusammenbruch erlitten. Ein Feuerwehrmann habe ihr eine Decke um die Schulter umgelegt, da sie mit Schlappen und ohne Jacke aus dem Haus geflüchtet war: „Es war wie im Fernsehen. Ich stand auf der Straße mit einer Decke.“

Es hätte alles viel schlimmer kommen können, sagt Yvonne Herrmann. Denn noch eine Stunde vor dem Brand wurde mit der Familie groß Weihnachten gefeiert im Wohnzimmer – sechs Erwachsene und ein Kind waren da. Nicht auszudenken, wenn das Unglück zu der Zeit passiert wäre. „Ach Gott. Ein Glück, das die anderen schon daheim waren“, sagt Herrmann – und denkt dabei besonders an ihre kleine Enkeltochter, die am Abend in der Nähe des Ofens spielte. Der Vater des Mädchens, Herrmanns Schwiegersohn, drückt seine Dankbarkeit so aus: „Ich habe zehn Gebete hoch zum lieben Gott geschickt!“

Alles ist verrußt

Das Haus ist nicht bewohnbar – das Wohnzimmer ist komplett zerstört, die anderen Zimmer verrußt, berichtet Herrmann. Sie war am Freitag zusammen mit der Polizei erstmals nach dem Brand im Gebäude. Neben den vor knapp drei Jahren gekauften Möbeln und einem acht Wochen alten Fernseher, sind auch Fotobücher von der Enkeltochter, Erinnerungsfotos und Weihnachtsgeschenke ein Raub der Flammen geworden.

Wie es ihr drei Tage nach dem Unglück geht? „Auf Deutsch gesagt beschissen“, sagt die 66-Jährige. „Es ist einfach schlimm, furchtbar.“ Allerdings hat sie, das wird bei dem Gespräch auch klar, ihren Humor nicht verloren: Nächstes Jahr werde bestimmt besser werden, sagt Herrmann, die in diesem Jahr schon mit einer gebrochenen Schulter zu kämpfen hatte.

Welle der Hilfsbereitschaft

Yvonne Herrmann war jahrelang bei der Post – und ist dadurch ziemlich bekannt in Grünstadt. Viele ehemalige Postkollegen, Bekannte, Verwandte und Freunde hätten Hilfe angeboten, erzählt sie. Nur ein Beispiel, erzählt vom Schwiegersohn: Die Schwiegermutter brauche ein bestimmtes Medikament und Herrmanns Arzt ist im Urlaub. Aber er habe von seinem Urlaubsort im Ausland bei einer Apotheke in Grünstadt angerufen, damit sie ohne Rezept ihr Medikament bekomme.

Im Moment wohnt Yvonne Herrmann bei Tochter und Schwiegersohn. Der Grünstadter Johannes Adam hat ihr eine Appartementwohnung für den Übergang angeboten. Für die Zukunft sucht Yvonne Herrmann eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad in Grünstadt oder den Ortsteilen, möglichst im Erdgeschoss. Sie würde sich sehr freuen, wenn sie trotz des angespannten Markts eine Wohnung finden könnte. Kleidung brauche sie keine, sagt Herrmann, die bekomme sie von ihren Freundinnen. Auch Möbel brauche sie nicht, das Übergangs-Appartement sei möbliert.

Schaden liegt bei 100.000 Euro

Für eine genaue Untersuchung der Brandursache kommt Anfang kommenden Jahres ein Gutachter in das Doppelhaus in Grünstadts Süden. Die Stichflamme hat sich laut Kripo am Anschluss zwischen Gasflasche und Ofen gebildet. Das könnte möglicherweise darauf hindeuten, dass eine Dichtung porös gewesen sei, hieß es in einer ersten Einschätzung am Freitag.

Für die Neustadter Kripo, die in dem Fall ermittelt, steht fest, dass die Bewohner keine Schuld an dem Feuer tragen. Die Schadenssumme ist höher als zunächst angenommen. Die Kripo geht mittlerweile von 100.000 Euro aus. In der ersten Meldung war von 50.000 Euro die Rede.

KontaktWer eine Wohnung für Yvonne Herrmann hat, kann sich unter Telefon 0160/1220136 melden.

Das zerstörte Wohnzimmer: Hier wurde am Heiligabend kurz vor dem Brand noch mit sieben Personen Weihnachten gefeiert.
Das zerstörte Wohnzimmer: Hier wurde am Heiligabend kurz vor dem Brand noch mit sieben Personen Weihnachten gefeiert. FOTO: PRIVAT
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