Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Befürworter fordern Sternenpark im Pfälzerwald

Die Milchstraße von der Burgruine Neuscharfeneck aus beobachtet. Sie liegt östlich von Ramberg und Dernbach (Kreis Südliche Wein
Die Milchstraße von der Burgruine Neuscharfeneck aus beobachtet. Sie liegt östlich von Ramberg und Dernbach (Kreis Südliche Weinstraße). Auf dem Foto links ist zu erkennen, wie stark die nächtlichen Lichter der Stadt Annweiler und darüber des Trifels strahlen.

Samstagabend auf der Wiese vor dem Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz: Dutzende Menschen schauen fasziniert zum Himmel. Das Sternbild Orion, der Große Wagen und ungezählte weitere Sterne funkeln um die Wette. Das alles ist in ungewohnter Klarheit mit bloßem Auge zu erkennen. Vorausgesetzt, es sind keine Wolken am Himmel und am Boden gibt es möglichst wenig bis gar keine künstlichen Lichtquellen. Schließlich lässt Licht auf der Erde oben die Sterne erblassen. Kugelleuchten in Gärten, die in alle Richtungen strahlen, illuminierte Bauwerke oder Straßenlaternen, die nächtelang nicht nur die Straße, sondern die ganze Umgebung erhellen, trüben daher den Genuss. Sarah Köngeter spricht von unnötiger und vermeidbarer „Lichtverschmutzung“. Seit August hat sie als Mitarbeiterin des Biosphärenreservates Pfälzerwald eine Mission: Für die Idee eines Sternenparks zu werben. Über dessen Kriterien wacht in Deutschland Andreas Hänel von der International Dark Sky Association (IDA). Insbesondere an die Straßenbeleuchtung werden in einem Sternenpark Anforderungen gestellt: •Die Lampen müssen so abgeschirmt sein, dass sie nur nach unten strahlen. •Ihr Licht soll nur einen geringen Blauanteil aufweisen. Das heißt, die Lampen dürfen eine Farbtemperatur von 3000 Kelvin nicht überschreiten. •Um als Sternenpark anerkannt zu werden, müssen die ersten beiden Kriterien auf 67 Prozent seines Kerngebietes erfüllt sein. Fünf Jahre nach dem Start muss dies für 90 Prozent und nach zehn Jahren für 100 Prozent gelten.

Lampen sollen nur bei Bedarf leuchten

Das alles dient keineswegs nur einem optimalen Blick zu den Sternen. Weniger Lichtverschmutzung senkt den Stromverbrauch und kommt Tieren und Menschen zugute. So ließe sich die Lichtstärke der Straßenlampen nachts, wenn nur noch wenige Fahrzeuge unterwegs sind, reduzieren, empfiehlt Sarah Köngeter. Und Bewegungsmelder können dafür sorgen, dass Lampen nur dann leuchten, wenn sie benötigt werden. Hinzu kommt: Über die Hälfte der Insekten ist nachtaktiv, so Köngeter weiter. Sie orientieren sich am bläulichen Licht von Mond und Sternen. Straßenleuchten mit einem hohen Blauanteil ziehen daher die Tiere an. Als Folge verenden jede Nacht ungezählte Insekten an LED-Lampen mit hohen Kelvin-Werten. Das ist gerade in einer Zeit problematisch, in der allerorten vom Insektensterben die Rede ist. Zudem hat dieser Effekt auch schädliche Auswirkungen auf die Nahrungskette: Vögel und Amphibien ernähren sich zu einem erheblichen Teil von Insekten.

Im Dunklen schläft es sich besser

„Rettet die Nacht!“ fordern daher die Sternenpark-Befürworter. Dabei haben sie auch die Gesundheit des Menschen im Blick. „Schlaf ist die beste Medizin“, weiß Hans-Günter Weeß, der das Schlafzentrum am Pfalzklinikum in Klingenmünster leitet. Wenn es dunkel wird, schüttet der Körper den Schlafbotenstoff Melatonin aus, der müde macht. Dieser Prozess wird gestört, wenn man sich abends einer Lichtquelle mit hohem Blauanteil aussetzt. Und sei es auch nur in Form eines LED-Bildschirms. Um mehr Bewusstsein für das Thema Lichtverschmutzung zu wecken, plant Sarah Köngeter Informationsveranstaltungen. Am 11. April will sie Vertreter von Gemeinden im Haus der Nachhaltigkeit auf Beleuchtungsalternativen und Fördermöglichkeiten hinweisen. Das Echo auf das aktuelle Programm „verläuft schleppend“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne). Es wäre bedauerlich, wenn Mittel verfallen würden, weil sich nicht genügend Kommunen angemeldet haben. Zusätzlich ist ein Netz von Sternen-Beobachtungsplätzen im Pfälzerwald geplant. Fest steht aufgrund von Messungen: Beim direkt an der Bundesstraße 48 gelegenen Haus der Nachhaltigkeit wird es nachts ausreichend „duschber“. Zwei Liegen, auf denen Sternengucker den Himmel bequem bewundern können, wären schon mal vorhanden, schmunzelt dessen Leiter Michael Leschnig. Auch aufgegebene US-Militäranlagen könnten zu neuen Ehren kommen. Michael Grünfelder, Chef des Forstamtes Hinterweidenthal, hat dafür das ein Kilometer lange und 150 Meter breite Plateau des Langerkopfs zwischen Johanniskreuz und Hofstätten ins Gespräch gebracht. Durch die jahrzehntelange militärische Nutzung ist das Areal durch eine Straße bestens erschlossen. Geprüft werden muss nun, ob dort oben die Sichtverhältnisse für „Sterngucker“ auch ausreichend sind. Es wäre toll, so Grünfelder, wenn sich das Gelände touristisch in Wert setzen ließe.

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