Rheinland-Pfalz „BASF muss noch besser werden“
LUDWIGSHAFEN (jüm). Bei der BASF in Ludwigshafen besteht nach Auffassung des Landtagsabgeordneten Bernhard Braun (Grüne) „insbesondere im Abwasserbereich nach wie vor Handlungs- und Investitionsbedarf“. Eine BASF-Sprecherin verwies demgegenüber auf eine Reihe von Maßnahmen, die die BASF bereits ergriffen habe.
Der Ludwigshafener Abgeordnete und Vizepräsident des Mainzer Landtages stützt sich bei seiner Einschätzung auf eine Antwort des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums auf seine Anfrage. Danach ereigneten sich allein zwischen 2011 und Februar 2015 insgesamt neun Betriebsstörungen, bei denen Schadstoffe in den Rhein gelangten. In zwei Fällen sind nach dieser Auflistung des Ministeriums belastete Abwässer nicht, wie vorgeschrieben, zur Kläranlage geleitet worden, sondern direkt in den Fluss geflossen. Braun wies daraufhin, dass das Unternehmen nach der geltenden Rechtslage den Behörden nur bestimmte Störungen mitteilen müsse. Es könnte also durchaus sein, dass es zu weiteren Zwischenfällen gekommen sei, bei denen keine Meldepflicht für die BASF bestehe. Die Anzahl der Betriebsstörungen zeigt nach Überzeugung des Abgeordneten, dass das Unternehmen bei der Vermeidung von Abwasser-Belastungen „noch besser werden muss“. Damit möglichst wenig gefährdende Stoffe in die Umwelt gelangen, erscheinen Braun weitere Investitionen notwendig. In der Produktion müssten gefährdende Stoffe überall dort, wo es die technische Entwicklung ermögliche, durch ungefährliche ersetzt werden. In den vergangenen sieben Jahren habe die Anzahl von Betriebsstörungen bei der BASF in Ludwigshafen bei durchschnittlich zwei pro Jahr gelegen, teilte dazu eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mit. Dabei sei zu beachten, dass im Jahre 2009 die Schwelle, ab der plötzliche Schadstoffeinleitungen in den Rhein den Behörden zu melden seien, von 300 Kilogramm pro Tag auf 150 Kilogramm halbiert wurde. Seit 2011 haben, so die Sprecherin weiter, alle Betriebe bei der BASF in Ludwigshafen auf Basis einer Risikoanalyse ein Abwasserschutzkonzept erarbeitet. Es setze sich aus vier Komponenten zusammen, nämlich jeweils ein Konzept für Nach jeder Betriebsstörung werde die Ursache genau untersucht, entsprechende Maßnahmen würden im Betrieb umgesetzt und, wo vergleichbare Ausgangssituationen bestehen, auf andere Betriebe übertragen. Des weiteren wurde laut der BASF-Sprecherin die Analytik im Zulauf der Kläranlage im vergangenen Jahr deutlich ausgebaut: Wurden zuvor rund 75.000 Abwasser-Untersuchungen pro Jahr vorgenommen, seien es nun 200.000. Außerdem sei die Anzahl der analysierten Stoffe von 170 auf fast 300 erhöht worden. Allein für dieses Projekt sei ein einstelliger Millionenbetrag investiert worden. Zum Verständnis: Seit zwei Jahrzehnten gibt es eine Online-Abwasseranalytik im Zulauf der Kläranlage. Alle 20 Minuten zieht das System vollautomatisch eine Mischprobe aus dem zentralen Abwasserkanal. Falls die Messergebnisse über den Grenzwerten liegen, schlägt das System Alarm. Könnte die Kläranlage durch giftige Stoffe gefährdet werden, wird das belastete Wasser in Sicherheitsbecken geleitet. Später können sie dann dosiert in die Kläranlage eingeleitet und abgebaut werden.