Rheinland-Pfalz AM RANDE: Unfaires Vorpreschen

Manche rheinhessische Winzer können`s einfach nicht lassen. Es fällt ihnen offenbar zu schwer, sie zu akzeptieren – jene Vereinbarung zum Start der Traubenlese für Federweißen, die vor Jahren auf offizieller Ebene getroffen wurde. Löblicherweise hatten die Weinbauverbände von Rheinhessen, dem größten deutschen Weinbaugebiet, und der Pfalz als zweitgrößtem, 2012 beschlossen, Schluss zu machen mit dem Wettstreit darum, beim Erntebeginn Erster zu sein. Zwar ist es nachvollziehbar, dass jede Region gerne mit diesem medienträchtigen Ereignis bundesweite Aufmerksamkeit auf sich lenken möchte. Aber es nur deshalb darauf anzulegen, möglichst immer früher die ersten Trauben einzubringen, ist letztlich wenig sachdienlich. Welcher Verbraucher hat schon in der Hochsommerhitze Lust auf lauwarmen Bitzler? Seit der Übereinkunft wird daher das offizielle „Ankeltern“ in jährlichem Wechsel in einer der beiden Weinregionen in Szene gesetzt. In Rheinhessen wurde dieses jedoch leider von einzelnen Betrieben schon von Anfang an unterlaufen. So war`s auch diese Woche nicht anders: Kaum waren am Montag die Einladungen zum für Freitag angesetzten Leseauftakt in der Pfalz verschickt, kündigte ein Winzer aus dem rheinhessischen Lörzweiler an, dienstags bereits mit seiner Traubenernte zu beginnen. Und fand damit auch ein gewisses Medienecho. Auch in der Pfalz hätten die Mostgewichte bei frühen Traubensorten in etlichen Weinbergen bereits Anfang dieser Woche ausgereicht fürs Erzeugen von Neuem. Aber hier ist niemand damit öffentlich vorgeprescht. Sondern es wird fair jenen der Vortritt gelassen, die mit einem gemeinschaftlich präsentierten Ereignis auch für die gesamte Branche werben.