Rheinland-Pfalz Am Rande: Schnarchsack oder Rüpel am Steuer?

Umfragen zeigen: Jeder fünfte Autofahrer ist überzeugt, dass die Aggression im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Ob das tatsächlich so ist, muss offen bleiben. Denn objektive Zahlen zur Wut am Steuer gibt es nicht. Dafür aber aus dieser Woche drei Beispiele, die sprachlos machen. Fall 1 – Pistolero an der Ampel: In Mainz fuhr am Dienstag ein 82-jähriger Autofahrer nicht los, als die Ampel auf Grün schaltete. Auf das folgende Hupkonzert habe er zunächst mit einem Achselzucken reagiert, sagte gestern ein Polizeisprecher. Dann aber habe der Mann eine 40-jährige Autofahrerin mit einer echt erscheinenden Schusswaffe bedroht – die Frau wählte den Notruf. Der 82-Jährige fuhr davon, konnte aber nach einer Fahndung mit mehreren Funkstreifenwagen gestellt werden: Die Waffe war eine Gaspistole. Fall 2 – die Messerattacke: Ebenfalls in Mainz bedrängte am Dienstag ein 69-jähriger Fußgänger einen Radfahrer mit dem Messer, weil der in eine Fußgängerzone hineingefahren war. Er zwang den Radler zum Absteigen und drohte ihm zudem, die Reifen zu durchstechen. Die alarmierte Polizei konnte den 69-Jährigen überwältigen und das Messer sicherstellen. Fall 3 – Stoß in den Zaun: In Bechhofen (Kreis Südwestpfalz) fuhr ein Autofahrer am Montag offenbar deutlich zu schnell durch eine Tempo 30-Zone. Ein 83-jähriger Anwohner regte sich mit Worten und Gesten über den Raser auf. Die Polizei: „Offenbar aus Ärger über das Verhalten des Anwohners stoppte der Autofahrer, schrie den 83-Jährigen an und stieß ihn mit voller Wucht in einen Gartenzaun.“ Der Senior zog sich eine Wunde am Hinterkopf zu und musste ins Krankenhaus, der Autofahrer flüchtete. Aber warum liegen im Straßenverkehr so häufig die Nerven blank? Aggressives Verhalten entstehe dort meist aus einem Zusammenspiel von persönlichen und situativen Faktoren, sagt Siegried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Frustrierende Verkehrssituationen wie beispielsweise Staus könnten einen Verkehrsteilnehmer dazu bringen, durch aggressives Fahrverhalten sein eigenes Ziel, wie beispielsweise schneller ans Ziel zu kommen, durchzusetzen. Brockmann: „Dabei nimmt er die Schädigung anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf, auch wenn er sie nicht beabsichtigt.“ 30 Prozent der Deutschen ärgern sich nach einer Umfrage des ADAC über lahme Autofahrer auf den Straßen. Die Frage ist, wie sie mit ihrer Gereiztheit umgehen. Am ungefährlichsten ist es für alle, wenn es in solchen Situationen beim stillen – oder auch einmal lauten – Vor-sich-Hinschimpfen bleibt: „Du Schnarchsack, Du ...“