Rheinland-Pfalz Am Rande: Die Auerhenne vom Juni 1959
Erinnern Sie sich noch an den Auerhahn, der eigentlich ein Fasan war? Bei einem Wildunfall im Kreis Kusel hatte im November eine Autofahrerin der Polizei berichtet, ihr sei ein Auerhahn gegen die Windschutzscheibe geprallt. Nachträgliche Überprüfungen des Tierkadavers hatten allerdings ergeben, dass es sich bei dem getöteten Vogel um einen Fasan handelte. Keine Überraschung, denn schließlich gilt der Auerhahn in Rheinland-Pfalz schon lange als ausgestorben. Doch wann wurden die letzten Exemplare dieser majestätischen Art hierzulande gesichtet? Der letzte Brutnachweis im Land stammt nach Angaben der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie aus dem Jahr 1976 – dokumentiert sei er für den Wald südwestlich von Neustadt. Diese Darstellung ziehen RHEINPFALZ-Leser aus Neustadt indes in Zweifel. Uta Müller, die dem Redaktionsteams des Neustadter Dorfjournals „Die Hambacher“ angehört, schickte uns das Foto einer brütenden Auerhenne aus dem Jahr 1959. Ein langjähriger Freund und Jäger habe diese Szene damals als 23-Jähriger fotografiert – und zwar im Diedesfelder Hinterwald zwischen Kalmit und Totenkopf. Angeblich zeigt das Foto eine der letzten Auerhennen (wenn nicht sogar die letzte) . Uta Müller: „Seit 1960 soll in dieser Region kein freilebender Auerhahn mehr gesichtet worden sein.“ Dass auf dem Foto von Juni 1959 zweifelsfrei eine Auerhenne zu sehen ist, haben wir uns von Experten bestätigen lassen. Der Kaiserslauterer Vogelexperte und frühere Pollichia-Präsident Hans-Wolfgang Helb konsultierte dazu extra den Thüringer Diplombiologen Siegfried Klaus. Der gilt laut Helb als „Top-Auerhennen-Spezialist“ in Deutschland. Sein Urteil: „Das Foto zeigt eine brütende Auerhenne.“ Das wäre also geklärt. Offen ist allerdings: War dies tatsächlich der letzte Vogel dieser Art im Pfälzerwald? Und was wurde eigentlich aus dem Küken, das diese Auerhenne 1959 ausgebrütet hat?