Rheinland-Pfalz Aktionsplan gegen Ärztemangel auf dem Land

In 36 Pfälzer Kommunen droht die Wiederbesetzung von Arztpraxen schwierig zu werden.
In 36 Pfälzer Kommunen droht die Wiederbesetzung von Arztpraxen schwierig zu werden.

«Mainz». Das Mainzer Gesundheitsministerium und Medizinerverbände wollen gemeinsam einem drohenden Ärztemangel auf dem Land entgegenwirken. Dazu stellten sie gestern in Mainz eine Fortschreibung der 2007 gestarteten Planung zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung auf dem Land vor.

Dieser „Masterplan“ umfasst konkrete Vorhaben und Förderungen, die von der ärztlichen Ausbildung über Weiterbildung und Berufsausübung bis zu „lokalen Zukunftswerkstätten“ in 20 Projektregionen reichen. Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) zeigte sich zuversichtlich, „dass wir mit diesem Plan als Grundlage gut in die Zukunft starten“. „Wir sind in einer schwierigen Situation“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, Peter Heinz. „Wir werden bis 2022 fast die Hälfte der Ärzte ersetzen müssen, nicht nur im hausärztlichen, sondern auch im fachärztlichen Bereich.“ Diese Ärzte haben dann die Altersgrenze erreicht, praktizieren zwar vielfach noch etwas länger, suchen dann aber oft schon nach einem Nachfolger. „Ja, es drängt sehr“, stimmte Bätzing der Einschätzung von Heinz zu. Ausgeweitet wird auch die Förderung der ärztlichen Niederlassung in einer von 97 Verbandsgemeinden oder verbandsfreien Gemeinden, in denen Hausärzte in absehbarer Zeit aus Altersgründen ausscheiden und in denen es zunehmend schwieriger wird, freiwerdende Praxen wieder zu besetzen. Wer sich als Arzt oder Ärztin dort niederlässt oder eine Zweigpraxis errichtet, kann eine Förderung von 15.000 Euro erhalten. In der Pfalz wurden diese 36 Verbandsgemeinden und Kommunen in das Förderprogramm aufgenommen: •Kreis Germersheim: Bellheim, Hagenbach, Jockgrim, Kandel, Lingenfeld, Rülzheim, Wörth, •Rhein-Pfalz-Kreis: Bobenheim-Roxheim, Böhl-Iggelheim, Dannstadt-Schauernheim, Lambsheim-Heßheim, Limburgerhof, Mutterstadt, Rheinauen, Römerberg-Dudenhofen, Schifferstadt, •Kreis Bad Dürkheim: Deidesheim, Grünstadt, Lambrecht, Leininger-Land, •Kreis Südliche Weinstraße: Edenkoben, Herxheim, Landau-Land, •Donnersbergkreis: Eisenberg, Göllheim, Kirchheimbolanden, •Kreis Kaiserslautern: Enkenbach-Alsenborn, Kaiserslautern-Süd, Otterbach-Otterberg, Ramstein-Miesenbach, Weilerbach, •Kreis Kusel: Kusel-Altenglan, Lauterecken-Wolfstein, Oberes Glantal, •Kreis Südwestpfalz: Thaleischweiler-Wallhalben, Zweibrücken-Land. Zu den Maßnahmen des „Masterplans“ gehört die Förderung von Medizinstudenten, die im Praktischen Jahr das Wahlfach „Allgemeinmedizin“ wählen – und damit später für die hausärztliche Versorgung im Land zur Verfügung stehen. Dieses Programm fördert künftig auch Studierende aus anderen Bundesländern, die im praktischen Jahr den Teil der Allgemeinmedizin in einer Lehrpraxis in Rheinland-Pfalz absolvieren. Eine Ausweitung der Studienplätze um mindestens zehn Prozent, forderten der Hauptgeschäftsführer der Landesärztekammer, Jürgen Hoffart, und Hans-Dieter Grüninger vom Hausärzteverband. Um den Ärztemangel zu bewältigen, werden nach Angaben Hoffarts zunehmend Mediziner aus Bulgarien, Rumänien oder Syrien eingestellt – „nur das kann nicht die Lösung auf Dauer sein.“ Auch der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Peter Enders, forderte mehr Studienplätze in der Humanmedizin. Dringend nötig sei zudem ein Stipendienprogramm für Medizinstudenten, die sich zu einer Niederlassung auf dem Land verpflichten. Der Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK, Willi Jäger, begrüßte die Maßnahmen. Zugleich sprach er sich aber auch dafür aus, den ländlichen Raum insgesamt aufzuwerten: „Wenn man mehr Landärzte haben möchte, muss das Leben auf dem Land insgesamt wieder attraktiver werden. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Info Masterplan: www.hausarzt.rlp.de

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