Fitness-Trend
Die Stadt wird zum Sportplatz
Sie kosten nichts, man ist an keine Termine gebunden und braucht nichts außer sportlicher Kleidung: Wer ohne großen Aufwand Sport treiben will, für den sind Bewegungsparcours im öffentlichen Raum genau richtig. Infolge der Pandemie entdecken immer mehr Menschen die Sportgeräte in städtischen Parks und Grünanlagen für sich. „Frei zugängliche Sportangebote sind sehr gefragt, viele Gemeinden rüsten nach oder richten in die Jahre gekommene Trimm-dich-Pfade wieder her“, sagt Catrin Hamann, Projektkoordinatorin der rheinland-pfälzischen Initiative „Land in Bewegung“.
Die Fitnessgeräte sind leicht zu handhaben und können auch von untrainierten und gebrechlichen Menschen genutzt werden – ein Grund, warum Bewegungsparcours auch gerne mal als Seniorenspielplatz bezeichnet werden. Trotzdem scheint das Konzept bei Alt und Jung gut anzukommen.
„In den 1970er-Jahren waren Trimm-dich-Pfade angesagt, sie liegen aber oft nicht zentral, sondern im Wald. Moderne Bewegungsparcours sind niederschwellige Sportangebote, meistens in Parks mitten in der Stadt“, nennt Hamann einen Grund für die wachsende Beliebtheit. Die Geräte und Angebote seien für alle Zielgruppen attraktiv – für Kinder, Erwachsene und Senioren. Bereits in den 1970er-Jahren hatte der Deutsche Sportbund die Trimm-dich-Pfade mit dem Ziel errichtet, mehr Menschen zu motivieren „mal wieder und immer wieder Sport in seinen vielfältigen Möglichkeiten“ zu treiben.
Es entstehen immer mehr Anlagen in Rheinland-Pfalz
Für den Bau der Bewegungsstätten können Gemeinden, Städte und Vereine beim Land Rheinland-Pfalz eine Bezuschussung beantragen, allerdings muss der Betreiber den Großteil der Kosten selbst tragen. Auch um die Wartung und Pflege der Anlage muss er sich kümmern. Die Parcours werden von unterschiedlichen Trägern angeboten: „Die Zahl der Bewegungsparcours im Land ist nicht erfasst, da es verschiedene Anbieter gibt: Vereine, Städte, Gemeinden oder Stiftungen. Aber ganz klar ist: Der Trend zu Bewegungsparcours ist in den vergangenen anderthalb Jahren gestiegen“, sagt Hamann.
Eines der bekanntesten Beispiele für Fitness- und Bewegungsanlagen in der Region sind die 19 „alla hopp!“-Begegnungsstätten der Dietmar Hopp Stiftung. Die Anlagen wurden zwischen 2014 und 2017 errichtet und sind über die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar verteilt. Kinder aller Altersklassen werden angesprochen, sie können sich an den verschiedenen Geräten austoben und ausprobieren. Erwachsene müssen bei den „alla hopp!“-Spielplätzen nicht danebenstehen: Auch für sie gibt es viele Bewegungsmöglichkeiten. Nach der Fertigstellung der Anlagen wurden diese an die jeweiligen Gemeinden übergeben, sie kümmern sich nun um die Wartung und den Betrieb der Spielstätte.
Die Idee hinter den „alla hopp!“-Plätzen und allen anderen Anlagen ist immer dieselbe: Ohne großen Aufwand kann zu jeder Tages- und Nachtzeit kostenlos trainiert werden, Wohn- und Arbeitsorte sind in der Nähe und die Geräte sind frei verfügbar. „Die Sportgeräte sollten so angeschafft werden, dass sie verschiedene Muskelgruppen ansprechen und Übungen für Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination sowie Balance beinhalten“, sagt Hamann. Idealerweise sind die Geräte so platziert, dass ein Zirkeltraining stattfinden kann und es einen Übungsablauf gibt, bei dem die Muskeln abwechselnd be- und entlastet werden. Infotafeln neben den Geräten zeigen Übungen und verschiedene Variationen, wie einzelne Bewegungsabläufe ausgeführt werden.
Steine mit Übungen bringen Menschen in Bewegung
„Da die Geräte nicht bewacht werden, gibt es niemanden, der Fehlhaltungen oder falsch ausgeübte Übungen korrigiert. Diese Schwachstelle soll mit den Infotafeln aufgefangen werden“, erklärt Hamann. Auf den Schildern werden die einzelnen Übungen erklärt und es gibt zudem ein paar Hinweise zu lesen: Nur wer sich fit fühlt, sollte die Geräte benutzen, bei Schmerzen die Übung beenden, ausreichend trinken und bei Gewitter nicht trainieren. „Vorab sollte immer ein Warm-up und im Nachgang ein Cool-down stattfinden – um den Körper vorzubereiten und um das Verletzungsrisiko zu minimieren“, sagt die Expertin.
Mit Bewegungssteinen hat die rheinland-pfälzische Initiative „Land in Bewegung“ seit Beginn der Pandemie zudem eine etwas andere Art von Bewegungsparcours initiiert. „Spielplätze und Fitnessstudios waren geschlossen und wir haben eine flexible Art gesucht, sich zu bewegen“, sagt Hamann. Bewegungssteine sind kunstvoll bemalte Steine, die zur Bewegung motivieren sollen. Die Steine werden mit #Bewegungssteine oder www.bewegungssteine.de versehen und dann ausgelegt. „Wer sie sucht, bewegt sich, und wer sie dann aufspürt, findet noch eine Anregung für eine Übung oder eine Bewegungsabfolge“, erklärt Hamann. Mittlerweile gibt es die Bewegungssteine in ganz Rheinland-Pfalz. Schulen, Kindergärten, die Lebenshilfe und Seniorenheime beteiligen sich an der Aktion. An elf Orten im Bundesland gibt es außerdem Bewegungsteine-Parcours, einer davon befindet sich im Stadtpark in Kaiserslautern.
Eine weitere Idee, die in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden könnte, sind Rollator-Aktiv-Pfade. Ein solcher Pfad wurde Ende August im Seniorenstift St. Katharina in Treis-Karden in Rheinland-Pfalz eröffnet. Auf kleinen Steintafeln sind Übungen aufgemalt, zudem wurden Outdoor-Trainingsgeräte installiert – die Mobilität der alten Menschen soll mit dem Parcours und den Geräten gefördert werden. Denn Prävention und Gesundheitsförderung ist in jedem Alter sinnvoll und möglich.