Öffentlich-Rechtliche
Wie viel Geld Rundfunk-Intendanten bekommen
Die Skandalnachrichten kommen fast im Wochentakt: Kaum hat die Übergangsintendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), Katrin Vernau, dem murrenden Fußvolk ein happiges Sparpaket in Höhe von 41 Millionen Euro verkündet, da kommt Erstaunliches ans Licht: Der Sender ist offenbar doch nicht so knapp bei Kasse. Jedenfalls, wenn es um die Chefs geht. Denn Vernau ließ sich trotz ihres ordentlichen Salärs in Höhe von jährlich 295.000 Euro noch einen Mietzuschuss von monatlich 1000 Euro genehmigen. Und der ausgeschiedene RBB-Chefredakteur und jetzige Ruheständler Christoph Singelnstein freut sich aufgrund einer Ruhegeldzahlung des Senders, der gesetzlichen Rente und eines RBB-Beratervertrags jeden Monat auf 15.000 Euro – etwa so viel, wie er in seiner aktiven Zeit als Chefredakteur verdient hat. Das haben Recherchen des RBB und des NDR ergeben.
Dabei ist Vernau längst nicht die Spitzenverdienerin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Krösus unter den Intendanten ist WDR-Chef Tom Buhrow. Der kassierte im vergangenen Jahr 413.000 Euro Grundgehalt.
Intendanten sind journalistische, künstlerische und geschäftliche Leiter von öffentlich-rechtlichen Rundfunk- oder Fernsehanstalten.
Zum Grundgehalt können weitere Bezüge kommen
Der Saarländische Rundfunk leistet sich einen Intendanten (Martin Grasmück) mit einer Jahresgrundvergütung von 245.000 Euro – obwohl das Bundesland weniger Einwohner hat als die Stadt Köln. Deren Oberbürgermeisterin Henriette Reker verdiente im vergangenen Jahr rund 222.927 Euro. Immerhin bekommt Grasmück weniger als Vorgänger Thomas Kleist. Der hat im Jahr 2020 noch 257.000 Euro kassiert.
Ein weiterer Vergleich: Während also Tom Buhrow im Monat rund 34.400 Euro bekommt, verdient Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) monatlich gut 25.100 Euro Grundgehalt. Hinzu kommen ein Ortszuschlag und eine Dienstaufwandsentschädigung.
Einen Überblick über die Verdienste der neun ARD-Intendanten gibt die unten stehende Grafik.
Bei den in der Grafik veröffentlichten Zahlen handelt es sich um Grundgehälter für das Jahr 2021. Hinzu kommen können weitere Vergünstigungen, wie Aufwandsentschädigung, Familienzuschlag, Pensionsansprüche, Dienstwagen, Bahncard oder sonstige Bezüge, etwa aus Aufsichtsratsposten von Beteiligungsgesellschaften.
Zu was das führen kann, zeigt das Beispiel Stefan Raue. Der Intendant des Deutschlandradios verdient 264.000 Euro im Jahr Grundgehalt. Zugleich hat das Haus Pensionsrückstellungen von 2,04 Millionen Euro gebildet.
Macht ein Unternehmen gegenüber einem Angestellten Zusagen in Sachen Altersversorgung, muss es entsprechende Rückstellungen bilden.
Ein anderes Beispiel: NDR-Intendant Joachim Knuth bekommt neben seinen Jahres- und Sachbezügen (Dienstwagen) in Höhe von 355.520,28 Euro weitere 18.000 Euro als Aufsichtsratsvorsitzender für das Studio Hamburg/NDR Media.
Für SWR-Intendant Kai Gniffke steht ein BMW X5e bereit sowie ein persönlicher Fahrer für dienstlich veranlasste Fahrten. SWR-Direktoren wird ein Mercedes-Benz E220 oder Renault Zoe gestellt. Eine SWR-Direktorin nutzt anstatt eines Dienstwagens eine Bahncard 100.
Millionen Euro für die Altersversorgung
Beim ZDF sieht es nicht grundsätzlich anders aus. Thomas Bellut war von März 2012 bis März 2022 Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens. Im Jahr 2020 bekam er ein Jahresgrundgehalt sowie Sachbezüge in Höhe von 384.275 Euro. Für „Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsgesellschaften des ZDF“ erhielt Bellut weitere 38.699 Euro. Macht in der Summe 422.974 Euro.
Die sonstigen Leistungen, die Bellut zustanden, waren auch nicht von schlechten Eltern: Altersversorgung, Familienzuschlag, Beihilfen, Sterbegeld, Dienstwagen, Reisekosten-, Tage- und Übernachtungsgelder, Trennungsentschädigung, Umzugskosten und ähnliche Leistungen.
Allein 2020 wurden rund 497.000 Euro für die Altersversorgung Belluts zurückgestellt. Der Barwert seiner Pensionsverpflichtung betrug Ende 2020 knapp 5,9 Millionen Euro. Der Barwert ist der heutige Wert zukünftiger Zahlungen unter Annahme einer bestimmten Verzinsung.
Die BBC zahlt ihrem Chef mehr
Was zahlen andere Sender ihren Spitzenkräften? Ein Blick auf die gute alte BBC zeigt: Bei den Briten sitzt das Pfund noch lockerer. Tim Davie, in Personalunion Generaldirektor und Chefredakteur der BBC, bekommt seit September 2021 ein Jahresgehalt von 525.000 Pfund. Das sind knapp 605.000 Euro im Jahr oder gut 50.400 Euro im Monat. Allerdings hat die BBC eine andere Struktur als beispielsweise die ARD. Anders als der deutsche Rundfunkverbund besteht der britische Sender nicht aus neun verschiedenen Landeshäusern mit jeweils eigenen Intendanten und weiteren Führungskräften wie etwa Chefredakteuren.
Der Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF), Roland Weißmann, soll 2021 rund 400.000 Euro im Jahr bekommen haben. Vorgänger Alexander Wrabetz hat 420.000 Euro kassiert.
Der Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, Gilles Marchand, bezog 2021 umgerechnet rund 544.400 Euro, die sieben weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung im Durchschnitt umgerechnet knapp 396.000 Euro.
Die erstaunlichen Geldflüsse bei den öffentlich-rechtlichen Medien stellen unweigerlich die Frage nach den Kontrollinstanzen, die mindestens im Fall des RBB ganz offenkundig ihren Job nicht gemacht haben. Im Wesentlichen gibt es dafür zwei Gremien: die Rundfunk- und die Verwaltungsräte.
Rundfunkräte mit zu großer Nähe zur Politik?
Die Rundfunkräte (beim ZDF Fernsehrat) sind für die Einhaltung des Programmauftrags zuständig. Die Verwaltungsräte kontrollieren die Geschäftsführung des Intendanten, soweit es nicht ums Programm geht. Außerdem legen sie die Haushaltspläne fest.
Idealtypisch bilden die Ratsmitglieder einen Querschnitt der Bevölkerung ab. Dazu gehören Mitglieder von Landtagsfraktionen, von Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeber-, Sport-, Bildungs-, oder Frauenverbänden.
Allerdings wird den Räten häufig eine ungesunde Nähe zur Politik unterstellt. Oder umgekehrt: Es wird wohl nicht zu Unrecht angenommen, die Parteien übten zu großen Einfluss auf die Sender aus.
Dreyer-Vertraute im Rundfunkrat
Beispiel: Im SWR-Verwaltungsrat sitzt die Regierung Malu Dreyer in der Person von Heike Raab praktischerweise gleich mit in der Führung. Die Staatssekretärin in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz und Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa und Medien ist stellvertretende Vorsitzende des SWR-Verwaltungsrats.
Inoffiziell ohne Mandat, aber doch einflussreich, sind die berüchtigten „roten“ oder „schwarzen“ Freundeskreise. Die sind nach politischer Orientierung organisiert. Sie treffen sich beispielsweise vor Intendantenwahlen, um für „ihre“ Kandidaten zu trommeln.
Eine besonders dreiste Verfilzung von Politik und öffentlich-rechtlichem Rundfunk war 2010 in Bayern zu beobachten. Ulrich Wilhelm kam 2005 aus der Bayerischen Landesregierung auf den Sprecherposten der ersten Regierung Merkel. Fünf Jahre später wählte ihn der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks zum Intendanten der viertgrößten ARD-Anstalt …
Quellen: RBB, NDR, SWR, Der Standard, Weltwoche, Geschäftsbericht 2021 Pro Sieben-Sat1, Geschäftsbericht SRG 2021, Geschäftsbericht BBC 2021/22, Deutschlandradio, ARD, ZDF-Jahrbuch 2021, NDR-Geschäftsbericht 2020, Deutschlandradio, Stadt Köln, Bundesministergesetz, Bundesinnenministerium.