Arbeitsmarkt
Teilzeitarbeit bleibt eine Frauendomäne
Um dem wachsenden Mangel an Fach- und Arbeitskräften entgegenzutreten, setzen Arbeitsmarktexperten unter anderem darauf, den Anteil der Erwerbstätigen in bestimmten Bevölkerungsgruppen zu erhöhen. Zu den umworbenen Gruppen zählen neben Älteren auch Frauen. Deren Beschäftigungsquote lag im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz bei 56,7 Prozent. Das waren einerseits 1,3 Prozentpunkte mehr als noch 2021, andererseits lag diese Quote immer noch deutlich niedriger als bei den Männern (64,1 Prozent).
Betrachtet man die Entwicklung der Erwerbstätigkeit von Frauen über einen längeren Zeitraum, so zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend. Mitte vergangenen Jahres seien in Rheinland-Pfalz 690.000 Frauen sozialversicherungspflichtig tätig gewesen, teilte am Dienstag die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Das entspricht einem Plus von 101.900 oder 17,3 Prozent innerhalb von zehn Jahren – bei den Männern betrug der Zuwachs 13,3 Prozent. Zu den „vielfältigen“ Gründen, die dazu beigetragen haben, dass mehr Frauen einen Beruf ergreifen, zählte BA-Regionalchefin Heidrun Schulz gestiegene Qualifikationen, ein verändertes Rollenverständnis und den demografischen Wandel.
Mehr Arbeitslose im Januar
Besonders stark hat dabei die Beschäftigung in Teilzeit zugenommen – um gut 28 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts, während der Zuwachs bei vollzeitbeschäftigten Frauen nur bei 7,7 Prozent lag. Teilzeitarbeit sei eine „Frauendomäne“, heißt es dazu von der BA; rund 80 Prozent der landesweit in Teilzeit Beschäftigten seien Frauen.
Wer teilzeit arbeitet, verdient naturgemäß weniger als auf einer Vollzeitstelle. Das erweist sich im Alter häufig als Problem. Mit Teilzeitarbeit sei ein „hohes Armutsrisiko“ verbunden; oft reiche das Geld nicht, um eine eigenständige Altersversorgung aufzubauen, warnte BA-Regionalchefin Schulz.
Ein Blick auf die Arbeitslosenstatistik zeigt, dass in Rheinland-Pfalz im Januar unter den insgesamt 110.000 Arbeitslosen 45,6 Prozent Frauen waren. Die Anzahl der Erwerbslosen im Land stieg zu Jahresbeginn um 7500; die Arbeitslosenquote legte im Monats- wie auch im Jahresvergleich um 0,3 Punkte auf 4,9 Prozent zu.
Betriebe melden weniger freie Stellen
Ein Grund für diesen Anstieg sei, dass häufig zum Jahreswechsel Menschen ihre Arbeit verlieren und sich arbeitslos melden, erläuterte BA-Regionalchefin Heidrun Schulz. Außerdem hätten sich in den vergangenen Wochen wieder mehr Geflüchtete aus der Ukraine bei den Jobcentern gemeldet.
Während die Arbeitslosigkeit stieg, nahm die Nachfrage nach Arbeitskräften im Januar ab. Die Unternehmen hätten sowohl gegenüber Dezember wie auch im Vergleich zum Jahresbeginn 2022 „deutlich weniger neue Stellen“ gemeldet, hieß es seitens der BA-Regionaldirektion.
Auch bundesweit war im Januar ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Die Anzahl der Arbeitslosen stieg gegenüber Dezember um 162.000 auf 2,62 Millionen. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,7 Prozent – 0,3 Punkte höher als im Vormonat. Laut BA-Chefin Andrea Nahles ist die wachsende Arbeitslosigkeit vor allem jahreszeitlich bedingt.
Nahles will duale Ausbildung stärken
Zum Jahresauftakt lenkte Nahles den Blick auch auf den Ausbildungsmarkt. 25.000 junge Menschen waren im Januar noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Gemeldet waren der BA zugleich 13.000 freie Ausbildungsplätze. Es zeige sich, dass die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber weiter zurückgehe, sagte Nahles. „Das liegt nicht an der Demografie“, betonte sie. Die BA plant deshalb, beispielsweise auch die Eltern besser zu informieren. Denn: Die „wichtigsten Berufsberater“ für junge Menschen seien immer noch die Eltern. Zudem warb Nahles für Praktika, die auch zu mehr Eintritten in die Ausbildung führen würden.