Groningen
Absurdes Gendertheater um Beckett-Aufführung
Absurd, aber das Usva Studenten- und Kulturzentrum der Rijks-Uni in Groningen hat plötzlich Weltrang. Zumindest in die Nachrichten der Deutsche Presseagentur hat es das Usva als „ein Kulturzentrum“ geschafft. Und mit einer Theateraufführung, die nicht stattfindet. Eine von Samuel Beckett (1906-1989) natürlich, dem Neu-Erfinder des sinnstiftend Abwegigen; mit dem Stück des Iren selbstredend, das von einem ewig Saumseligen handelt.
„Warten auf Godot“, der 24-jährige Oisin Moyne wollte damit sein Regiedebüt geben. Es wäre wohl unbeachtet geblieben, hätte das Kulturzentrum seine Inszenierung nicht untersagt. Grund: Beschwerden, Angst vor Klagen. Es lässt sich nicht anders sagen: unerwartete kulturelle Differenzen.
Eine Zwickmühle
Denn Beckett hatte für das Stück etwas herrisch juristisch bestimmt, dass die fünf Rollen, voran Wladimir und Estragon, die Hauptfiguren, mit Männern zu besetzen sind. Der arme Regiedebütant Moyne ließ also bei der Rollenvergabe, sagen wir es so, geschlechtermäßig begrenzte Menschen vorsprechen. Zum Leidwesen des Kulturzentrums wiederum. Dessen Förderrichtlinien sehen nun einmal die übliche, bis in die Tiefen des Studierendentheaters zu wahrende, gesamtbandbreite Chancengleichheit vor. Eine Zwickmühle, hier Autorenrecht, dort Anti-Diskriminierungsverbot. Hätte Moyne „männlich, weiblich, divers“ zum Casting antreten lassen und dann fünf Männer ausgewählt, alles wäre gut gewesen. Aber so?
Warten auf 2059
Und wie sollte Beckett bei der Uraufführung 1953 davon ahnen. Was wusste er von Transgender? Und was davon, dass 70 Jahre später eine Studierendenbühne irgendwo für das große Empörungstheater über die Geschlechterdebatte und die vielbeschworene Cancel-Kultur herhalten muss? Gleichwohl hat er kurz vor seinem Tod selbst verhindert, dass ein Theater in seiner „Godot“-Produktion eine Frau besetzt. 2018 wurde in Ohio eine Produktion aus besagten Gründen abgesagt. 1991, beim Festival in Avignon, verfügte ein Gericht, dass vor jeder Aufführung eine Art Protestbrief der Beckett-Stiftung gegen den nachfolgenden Bühnenauftritt einer Frau verlesen wurde. So absurd aufgeladen allerdings wie 2023 war die Lage nie. Eine Antwort auf die drängenden Fragen der Menschheit könne die Kunst nicht geben, meinte übrigens der Dramatiker einmal. Der Rest ist warten: 2059 ist Becketts Klassiker urheberrechtsfrei.