Rheinland-Pfalz
Nach Feiertags-Chaos: Kassenärztliche Vereinigung klagt an
In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr warteten in der Pfalz, aber auch in vielen anderen der 43 Bereitschaftspraxen in Rheinland-Pfalz, Menschen stundenlang vor den Notdienstpraxen, bis sie medizinisch versorgt wurden. Die KV, die für diese Praxen zuständig ist, blieb auch am Montag bei ihrer früheren Darstellung, dass die große Infektwelle mit Erkältungskrankheiten, Infektionen der Atemwege und Bronchitis für den großen Ansturm verantwortlich sei. „Deren Anteil lag bei 40 Prozent der Diagnosen“, so die KV. Landesweit seien zwischen 24. Dezember und 1. Januar 33.775 Menschen in die Ärztlichen Bereitschaftspraxen gekommen – knapp 50 Prozent mehr als im selben Vorjahreszeitraum.
33 Prozent aller Patienten in der Feiertagswoche haben demnach eine Krankschreibung benötigt, in Ludwigshafen war dieser Anteil mit 37 Prozent sogar noch etwas höher. Zu möglichen eigenen Fehlern der personellen Besetzung in den Notpraxen oder dazu, wie man künftig solche Situationen vermeiden will, sagte die KV am Montag nichts. Der KV-Chef, Peter Heinz, schlug dagegen vor, dass in Zukunft „alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zwischen Weihnachten und Neujahr erst nach dem dritten Tag eine Krankmeldung von ihren Mitarbeitenden verlangen“.
Der Landesverband der Unternehmer in Rheinland-Pfalz, der eigenen Angaben zufolge rund 114.000 Unternehmen im Land vertritt, sagte auf Anfrage dazu: Diese Forderung „geht volle Lotte ins Leere“. Schon jetzt bestünden die „allermeisten“ Firmen erst ab dem dritten Krankheitstag auf eine ärztliche Bescheinigung. Das gilt auch bei der BASF so, sagte der Konzern. Die KV befürchtet ihrerseits, dass es dauerhaft zu längeren Wartezeiten kommen kann – in den Notdienstpraxen, aber auch regulär bei den Hausarztpraxen.
Der Grund sei Ärztemangel. Auch der Landes-Hausärzteverband schlägt Alarm. Der Engpass zum Jahresende zeige, „was auf die Bevölkerung zukommt“, sagte Vorsitzende Barbara Römer. Sie sowie die KV fordern daher seit langem mehr Medizinstudienplätze. Für KV-Chef Heinz steht fest: Warteschlangen seien „das Ergebnis einer fehlgeleiteten Politik der letzten 20 Jahre“.