Corona-Impfungen RHEINPFALZ Plus Artikel Ministerium: Ab Mitte Februar keine gesicherten Impfstoff-Lieferungen

Trotz Vakzinmangel gehen die Impfungen in Altenheimen weiter. Sie zählen nach wie vor zu den Corona-Hotspots. In der Südpfalz si
Trotz Vakzinmangel gehen die Impfungen in Altenheimen weiter. Sie zählen nach wie vor zu den Corona-Hotspots. In der Südpfalz sind diese Woche allein in zwei Heimen knapp 120 Senioren und 45 Beschäftigte infiziert.

Nach wie vor mangelt es an Covid-19-Impfstoff. Tausende Termine sind verschoben, 112.000 Termine können nicht vergeben werden. Die Gesundheitsministerin in Mainz ist für „Privilegien“ – unter bestimmten Bedingungen.

Wenn in Rheinland-Pfalz einmal sehr viele Menschen gegen Sars-CoV-2 geimpft sind und wissenschaftlich bewiesen ist, dass mit der Impfung ein Eigen- und Fremdschutz gewährleistet ist, dann ist für Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) klar: „Dann müssen wir über Privilegien sprechen“ – darüber, dass Geimpften dann womöglich mehr Grundrechte zugestanden werden müssen als Nicht-Geimpften. „Zum jetzigen Zeitpunkt aber halte ich die Diskussion für falsch“, sagte die Ministerin am Freitag in Mainz. Dort informierte sie zusammen mit dem Landes-Impfkoordinator und Gesundheitsstaatssekretär Alexander Wilhelm (SPD) und dem Berater der Landesregierung in Sachen Infektionsschutz, dem Virologen Bodo Plachter, bei einer Pressekonferenz über die Impfsituation im Land.

„Eine Zumutung für die Menschen“

Noch ist die Impfquote in Rheinland-Pfalz mit 2,6 Prozent äußerst gering – sie liegt aber laut Ministerin deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 1,6 Prozent. Sie wiederholte zusammen mit Wilhelm die scharfe Kritik am Bund über den Mangel an Impfstoff gegen die Pandemie. „Weniger Impfstoff als zugesagt“ – das nannte sie „eine Zumutung für die Menschen und eine Zumutung für unsere Planungen“. Dass auch der Bund nur das an die Länder verteilen kann, was die Hersteller liefern, erwähnte sie nicht. Biontech/Pfizer hatte vergangenen Freitag Engpässe wegen der Produktionsumstellung in seinem belgischen Standort Puurs angekündigt.

Termine am Montag und Dienstag bleiben

Die Folge: In Rheinland-Pfalz werden, wie berichtet, 30.000 Impftermine um drei Wochen verschoben. Wer ab 27. Januar einen Termin in einem Impfzentrum hatte, wird auf frühestens 17. Februar und folgend vertröstet. Termine am Montag und Dienstag bleiben bestehen. Die Zweitimpfungen erfolgen jetzt erst nach 28 statt bisher nach 21 Tagen.

Die Vergrößerung des Abstands ist nach Auffassung des Virologen Plachter medizinisch völlig unbedenklich; er verweist auf die Vorgaben der Ständigen Impfkommission und auf die Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die einen Abstand von maximal 42 Tagen vorgibt.

In Kaiserslautern auch Zweit-Termine verschoben

Laut Bätzing-Lichtenthäler sind alle Zweitimpfungen für die bereits Erstgeimpften sicher. Die Vakzine würden zwar nicht im Kühllager zurückgelegt, deren Lieferung sei aber garantiert. Unterdessen gingen alle Impfungen in den Altenheimen weiter. Im Impfzentrum Kaiserslautern jedoch wurden auch einige Zweit-Impftermine um eine Woche verschoben, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage informierte.

Insgesamt wurden laut Ministerium im Land bisher 115.713 Menschen geimpft (Stand Donnerstag), davon rund 50.000 in Pflegeeinrichtungen (26.000 Bewohner und 24.000 Mitarbeiter) sowie knapp 16.000 in Krankenhäusern. In den Impfzentren erhielten etwa 50.000 Personen einen Piks. In den Alten- und Pflegeheimen 3228 Personen schon zum zweiten Mal.

„Noch immer keine Planungssicherheit“

Wann wie viel Impfstoff nach Mitte Februar in Rheinland-Pfalz ankommen wird, darüber gibt es „leider noch immer keine Planungssicherheit“, so Koordinator Wilhelm. Er räumte aber ein, dass „in Summe“ bis Ende März „alles kommen soll, wie geplant“. Angekündigt seien noch 134.000 Biontech/Pfizer-Dosen sowie 44.000 Dosen des US-Herstellers Moderna. Das Bundesgesundheitsministerium ließ die Frage, welche Kontingente nach dem 15. Februar zu erwarten sind, am Freitagnachmittag unbeantwortet.

„Nichts vernichtet“

Der wenige vorhandene Impfstoff ist umso wertvoller. So achten offenbar die mobilen Impfteams und auch die meisten Impfzentren darauf, dass am Abend keine Medikamentenfläschchen ungenutzt bleiben und dann entsorgt werden müssen. Im Kaiserslauterer Zentrum etwa bleiben laut Verwaltung im Schnitt zehn Dosen pro Tag übrig. „Vernichtet wird nichts!“ Mit den Restdosen werden Personen aus der Prioritätsgruppe 1 geimpft: etwa Rettungssanitäter, Impfstraßenpersonal oder ambulante Pflegekräfte, heißt es. Ähnlich wird in Wörth, Bad Dürkheim oder Pirmasens verfahren. Die Pressestelle des Rhein-Pfalz-Kreises antwortete bis Redaktionsschluss dazu nicht.

In zwei Heimen rund 120 Senioren infiziert

Besonders viele Virus-Übertragungen gibt es nach Darstellung des Ministeriums nach wie vor bei familiären und sonstigen privaten Kontakten. Auch Altenheime sind weiter Corona-Hotspots. Das zeigt sich diese Woche unter anderem in der Südpfalz, wo allein in zwei privat geführten Heimen insgesamt knapp 120 Senioren und 45 Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert sind (Ludwigshöhe in Edenkoben sowie Römergarten in Offenbach). Nach RHEINPFALZ-Informationen gehören die beiden zu den 154 Heimen im Land, in denen noch kein mobiles Impfteam vorbeikam.

In lediglich drei rheinland-pfälzischen Kommunen ist die Sieben-Tage-Inzidenz, die Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern, auf unter 50 gesunken (Stand Freitag, 14.10 Uhr): in Trier (47,5), Bernkastel-Wittlich (43,6) und Bitburg-Prüm (34,3). In der Pfalz weist der Landkreis Kusel mit 57,0 den niedrigsten Wert auf.

Zur Sache: Neue Verordnung

Die Landesregierung hat am Freitagabend die Bund-Länder-Vereinbarung zur Eindämmung der Corona-Pandemie umgesetzt: Die neuen Regeln werden ab Montag wirksam. Die neu gefasste Verordnung verlängert Schließungen in Gastronomie, Kultur und im Einzelhandel mit Ausnahme von Gütern des täglichen Bedarfs bis Mitte Februar. Auch die Präsenzpflicht an Schulen ist bis 14. Februar aufgehoben. Eine Neufassung der Maskenpflicht sieht vor, dass in Bussen und Bahnen sowie in Geschäften Alltagsmasken aus Stoff nicht mehr zugelassen sind.

Die Stadt Worms hat informiert, dass ab diesem Samstag der Bewegungsradius der Bürger nicht mehr auf 15 Kilometer beschränkt sei. Zur Begründung wird auf den gesunkenen Sieben-Tage-Inzidenzwert verwiesen.

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