Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Landesamt für Geologie: So werden Erdbeben beobachtet

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So können die Aufzeichnungen eines Erdbebens aussehen.

An einigen Orten bebt die Erde besonders oft. Auch in der Pfalz gibt es derartige Erdbeben, doch die meisten bekommen davon kaum etwas mit.

In elf Kilometern Tiefe und ziemlich genau unter dem grauen Teerband hat der Pfälzer Boden pulsiert: am 17. August 2016, exakt 25 Minuten und 27 Sekunden nach acht Uhr. Die Autofahrer auf der Straße zwischen dem Wörther Stadtteil Maximilansau und Hagenbach hat dieses Erdbeben ebenso wenig erschüttert wie die Hochspannungsmasten, die dort aus den Feldern ragen. 1,3 auf der Richterskala – Tag für Tag sollen sich solche Mikro-Erdbeben weltweit etwa 8000-mal zutragen, doch sie gelten als nicht spürbar. Zu einem Erdbeben der Stärke 2,2 kam es am Samstagabend am Oberrheingraben in Speyer.

Sieben Messstationen in der Pfalz

Bemerkt werden sie trotzdem – von Wissenschaftlern, deren Apparate sie aufzeichnen. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg betreiben zusammen den „Erdbebendienst Südwest“, haben ihre Zusammenarbeit im April 2016 nach sieben Jahren verlängert. 30 Messstationen liefern dafür Daten, sieben davon wachen in der Pfalz: gleich drei auf Landauer Gebiet, je eine in Imsbach (Donnersbergkreis), Steinweiler (Kreis Germersheim) und Petersbächel (Südwestpfalz) sowie eine auf der Kalmit bei Maikammer (Südliche Weinstraße). Dass die Forscher den Bewegungen in der Tiefe ausgerechnet auf dem höchsten Gipfel des Pfälzerwalds nachspüren, hat einen guten Grund. Um etwas aus ihnen herauslesen zu können, müssen die Messdaten mit denen aus den anderen Stationen zusammengeführt werden. Deshalb hängen oben am 21 Meter hohen, für die Öffentlichkeit seit Jahren gesperrten Aussichtsturm weiße Balken: Richtfunkantennen, die mittlerweile aber außer Betrieb und durch moderne, unauffällige Sendeanlagen ersetzt worden sind.

Seismometer unter Kalmit-Turm

Doch ein Standort in 670 Metern Höhe über dem Meeresspiegel hat auch Nachteile. Wenn dort oben der Wind kräftig pfeift, lässt er die Aussichtswarte ein wenig schwanken. Auch dieses Zittern registriert dann das Seismometer, der eigentliche Erdbeben-Messapparat: ein orangefarbener Pott, knapp 40 Zentimeter hoch, gut zehn Kilogramm schwer. Seinen Wachdienst verrichtet er in einem finsteren Kellerloch unter dem Kalmit-Turm, umwuselt lediglich von Krabbelgetier, das sich ungestört in dicken Trauben an Wänden, Decke und Boden ballt. Selbst Berndt Schmidt steigt so gut wie nie hier hinunter. Der Diplom-Geologe im Rang eines Obergeologierates ist der Erdbeben-Experte des Landesamts für Geologie und Bergbau, das für das Überwachungsnetz zuständig ist. Einen entscheidenden Anstoß für dessen Aufbau bekam Rheinland-Pfalz am 13. April 1992 um 3.20 Uhr. Ein Erdbeben der Stärke 5,9 unter der niederländischen Stadt Roermond erschütterte auch Deutschland. Ziegel regneten von den Dächern, Hauswände bekamen Risse, Geschirr krachte aus den Schränken.

Messstationen auch für Bauherren von Bedeutung

Und im hessischen Biblis mussten die Techniker einen Block des Kernkraftwerks abschalten. In Mülheim-Kärlich war das gar nicht erst nötig: Der einzige Atommeiler in Rheinland-Pfalz war wegen Fehlern im Genehmigungsverfahren schon 1988 nach nur 100 Tagen Regelbetrieb vom Netz gegangen. Nun wuchsen die grundsätzlichen Zweifel am Standort: zweieinhalb Kilometer südlich vom Neuwieder Stadtzentrum, zehn Kilometer nordwestlich von Koblenz, in einem Gebiet mit vergleichsweise hoher Erdbebengefahr. 2001 und nach mehreren Prozessen legte RWE die sieben Milliarden D-Mark teure Anlage endgültig still. Doch was die Forscher mit ihren Erdbeben-Messstationen herausfinden, haben nicht nur Atomstromkonzerne zu beachten. Die Gefahr aus dem Untergrund müssen auch gewöhnliche Bauherren einkalkulieren: Eine spezielle Landkarte des Geologie-Landesamts verrät Statikern, wie wackelsicher Häuser am jeweiligen Standort sein sollen. Für die Pfalz lässt der Plan drei Zonen mit unterschiedlichem Pulsier-Potenzial erkennen.

Die Zonen in der Pfalz

Vom Westen her gilt bis zu einer Linie von Rockenhausen über Kaiserslautern bis Pirmasens: Hier ist allenfalls mit Erdstößen zu rechnen, die leichte Schäden anrichten können. Von dort aus bis zum Rand des Pfälzerwalds ist die Gefahr dann schon höher, dort könnten auch einmal Möbel verrutschen oder Mauern Risse bekommen. In der Vorderpfalz schließlich ist sogar damit zu rechnen, dass zumindest in weniger solide geplanten Häusern eines Tages auch Zwischenwände einstürzen oder Kamine kollabieren. Denn dieses Gebiet ist Teil des Oberrheingrabens. Der sackte ein, nachdem sich die Erdkruste ausgedehnt hatte und dadurch dünner geworden war. Passiert ist das vor 50 bis 20 Millionen Jahren. Doch die Folgen lassen den Pfälzer Boden bis heute pulsieren.

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