Landtagswahl 2021 RHEINPFALZ Plus Artikel Im Porträt: Joachim Streit ist Spitzenkandidat der Freien Wähler

Hofft auf den Einzug in den Landtag: Joachim Streit.
Hofft auf den Einzug in den Landtag: Joachim Streit.

Joachim Streit ist Spitzenkandidat der Freien Wähler. Als Landrat und ehemaliger Bürgermeister wirft der Jurist vor allem Erfahrung im Kommunalen in die Waagschale.

„Machen, das ist meins. Mir liegt nichts am Aktionismus. Ich will der Welt, in der ich lebe, meinen Stempel aufdrücken und sie verändern. Es können ruhig andere später die Erfolge einfahren“, sagt Joachim Streit. Der 55-Jährige ist seit 2017 Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Stolz schwingt in seiner Stimme mit, wenn er die Projekte aufzählt, die er angestoßen hat: Katastrophenschutzzentrum gebaut, Test- und Impfzentrum organisiert, „Zukunftscheck Dorf“ erfunden. Dabei planen 175 Gemeinden ein Zwei-Jahres-Programm, in dem es darum geht, wie der Sozialraum in den nächsten zehn bis 20 Jahren aussehen soll.

Machen, das bedeutet für ihn auch selbstverständlich eine gute Internetversorgung. „Wir hatten 150 Gemeinden mit weniger als zwei MBit pro Sekunde, bei bis zu 60 Gemeinden weniger als sechs. Wir haben es geschafft, alle auf 100 MBit pro Sekunde zu heben. Jetzt sind wir dabei, die Gehöfte außerhalb der Ortschaften an Glasfaser anzuschließen.“

Bei der Frage, was die Westpfalz von ihm lernen kann, lacht er laut. „Strategisches Planen ist wichtig. Zahlen, Daten, Fakten, ein Masterplan, Schritte, die man bewältigen kann, und dann loslegen.“ Erfahrung hat er nicht nur als Landrat. Zuvor war der promovierte Jurist von 1997 bis 2009 Bürgermeister von Bitburg.

Streits Kernthemen

Streits größtes Thema, nicht nur im Wahlkampf: „Bei Schulen und Kitas wird nicht gespart. Egal was die Zukunft bringt.“ Man habe im Land fast nur Halbtagsschulen gebaut, der Umbruch zur Ganztagsschule komme aber. Es gebe einen großen Renovierungsstau. Bei der Digitalisierung fehlen nach seiner Einschätzung im Jahr 100 Millionen Euro. Er will Arbeitsräume für Lehrer, statt Lehrerzimmer mit 80 Kollegen. Und die Lehrer bräuchten größere Unterstützung bei der Digitalisierung.

Weitere Kernthemen seines Wahlkampfs: „Mit den Freien Wählern wird kein Krankenhaus mehr geschlossen. Wir fordern ein Entschädigungsgesetz für von Corona betroffene Selbstständige und im Hinblick auf den kommunalen Finanzausgleich fehlen 400 Millionen Euro.“ Zudem ist er gegen wiederkehrende Beiträge beim Straßenbau.

Politik ist Familiensache

Politik ist Familiensache. Streits Frau Petra sitzt im Stadtrat von Bitburg und im Kreistag von Bitburg-Prüm. „Ich wollte sie überreden, für die Landtagswahl zu kandidieren, lange bevor klar war, dass ich Spitzenkandidat werde. Es fehlen Frauen in der Politik.“ Seine Frau habe aber abgelehnt. „Zwei Hauptmatadore sind zu viel und sie hat befürchtet, dass die Familie zerbricht.“ Also entschied sich Sohn Jakob zu kandidieren.

Schlechte Prognosen

„Wir als Freie Wähler wollen der parlamentarische Arm der vielen FWGen sein“, sagt Streit. In den Landkreisen und kreisfreien Städten seien sie überall stark vertreten, außer in der Stadt Mainz. Dort haben sie nur einen Sitz. In Neustadt sind die Freien Wähler mit über 30 Prozent aus der vergangenen Kommunalwahl hervorgegangen. Die Prognosen verheißen ihnen nichts Gutes. Wenige Wochen vor der Wahl würden nach jüngsten Umfrageergebnissen die Freie Wähler den Einzug in den Landtag nicht schaffen. Streit schüttelt das lächelnd ab: „Die Ausgangslage in Bayern 2008 war die gleiche. Da waren es vor der Wahl 3,8 Prozent und bei der Wahl dann 10,2 Prozent. Ich fühle acht bis neun Prozent in Rheinland-Pfalz.“

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