Kriminalität
Geldautomatensprengungen: So gehen die Täter vor
Schnelle Autos, Sprengstoff und der Coup in der Bank – das sind nicht nur die Zutaten für so manchen Hollywood-Gauner-Streifen, sondern auch für ein wachsendes Problem in Deutschland: Geldautomatensprengungen. Seit 2013 sind die Banden auch in Rheinland-Pfalz unterwegs und seit dem nehmen die Fälle laut Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz stetig zu. Wer sind die Täter und wie gehen sie vor?
Die Räuber
Hinter den Automatensprengern verbergen sich dem LKA zufolge meist professionelle Tätergruppen aus den Niederlanden, häufig mit marokkanischen Wurzeln. Seit bei den niederländischen Nachbarn die Automaten besser geschützt sind, gibt es laut LKA einen Verdrängungseffekt nach Deutschland. Hinzu komme, dass es hierzulande viele Geldautomaten gebe (rund 60.000 bundesweit). Außerdem erleichtere das gut ausgebaute Autobahnnetz den Tätern die Flucht.
Das Fluchtauto
Die Automatenknacker setzen dem LKA nach auf hochmotorisierte Autos. Welche Fabrikate und Modelle die Täter bevorzugen, will die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht konkretisieren. Doch Polizeiberichte sowie Aufnahmen der Räuber bei der Tat lassen einen Schluss zu: Sie fahren gern Audi. Zumeist einen A6 Kombi, häufig das Topmodell RS6. Die Vorteile: Die Autos sind mit bis zu 600 PS überdurchschnittlich motorisiert. Stark genug, um selbst viele Sportwagen locker überholen zu können. Die Autos können einiges an Ladung transportieren. Und da zahlreiche schwächere A6-Modelle ebenfalls auf den Straßen unterwegs sind, dürften die Flüchtigen zudem wenig im Verkehr auffallen. An die Fluchtwagen bringen die Täter gestohlene Kennzeichen an, so das LKA. Auch die Autos seien oft gestohlen oder Mietwagen.
Der Sprengstoff
Bis vor ein paar Jahren benutzten die Täter noch Gas, um die Automaten aufzusprengen. Zum Einsatz kamen Gase, wie sie beim Schweißen verwendet werden und die daher leicht, unter anderem in Baumärkten, erhältlich sind. Doch dem LKA zufolge seien die Räuber mittlerweile auf Festsprengstoff umgestiegen. Der Grund: Die Geldinstitute hatten zwischenzeitlich ihre Automaten gegen Gassprengungen gesichert. „Das ist halt das Katz-und-Maus-Spiel“, sagt ein LKA-Sprecher. Es gebe jedoch ein Problem mit dem Festsprengstoff: Die Explosion ist viel unkontrollierter als die bei Gas. „Mittlerweile sind die Sachschäden höher als die erbeutete Summe“, so der LKA-Sprecher. Die Schäden gehen oftmals in die Hunderttausende Euro.
Die Tat
Beliebt sind Geldautomaten in der Nähe von Autobahnen. Das ermöglicht den Tätern eine schnelle Flucht. Es habe aber auch schon Fälle in Innenstädten gegeben, etwa in Mainz. Da sind laut LKA die Täter sogar zu Fuß geflohen. Die Räuber kommen meist zwischen 2 und 5 Uhr, um in den Räumen möglichst ungestört zu sein. Nach Informationen dieser Zeitung gehen die Täter nach der „Pizzaschieber“-Methode vor. Dabei öffnen sie das Geldausgabefach – entweder gewaltsam oder indem sie sich eine geringe Summe Bargeld auszahlen lassen –, und führen dort die Sprengladung ein. Ähnlich wie man Pizza in den Ofen schiebt. Dann wird gezündet. Die Explosion ist zwar laut, doch die Räuber sind schnell: Laut LKA brauchen sie nur zwischen drei und vier Minuten, bis sie mit ihrer Beute auf und davon sind.
Die Flucht
Ein normaler Streifenwagen hat kaum Chancen, mit den Tätern mitzuhalten. Durch hohe Geschwindigkeit, „riskantes und rücksichtsloses Fahrverhalten“, so das LKA, werde versucht, die Polizei abzuschütteln – auch würden Streifenwagen gerammt.
