Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Flut: Kritik an Urlaub in Chefetage der Katastrophenschutzbehörde

Alle Oppositionsfraktionen fordern seinen Rücktritt: Thomas Linnertz, Präsident der Aufsichtsbehörde in Trier.
Alle Oppositionsfraktionen fordern seinen Rücktritt: Thomas Linnertz, Präsident der Aufsichtsbehörde in Trier.

Eineinhalb Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal wird der damalige Urlaub der Vizepräsidentin der Katastrophenschutzbeörde zum Politikum. Sämtliche Oppositionsfraktionen fordern nun den Rücktritt von Thomas Linnertz, Chef der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier.

In der Sitzung des Untersuchungsausschusses am Freitag konnte sich Begoña Hermann (66) nicht mehr genau daran erinnern, wann sie im Sommer 2021 in Urlaub war. Während der Flutnacht am 14. Juli sei sie unterwegs gewesen und am 17. Juli zurückgekommen. An diesem Tag hatte die ADD die Einsatzleitung für die Bewältigung der Flutkatastrophe im Ahrtal von der Kreisverwaltung Ahrweiler übernommen. In den Räumen der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler hatte ADD-Präsident Thomas Linnertz als politisch Gesamtverantwortlicher einen technischen Einsatzstab und einen Verwaltungsstab eingerichtet.

Kritik von Einsatzkräften

An der Krisenbewältigung der ADD gab es vielfach Kritik von Einsatzkräften. Die Chaosphase habe zu lange gedauert, lautete ein Vorwurf. Und ein anderer: Mitglieder des Verwaltungsstabs hätten sich in der Stabsarbeit nicht ausgekannt. Das habe die Arbeit für die Mitglieder des technischen Einsatzstabes erschwert.

Dass Hermann Ende Juli 2021 ein weiteres Mal in die USA gereist war, räumte sie auf einen Vorhalt des Obmanns der CDU-Fraktion im U-Ausschuss, Dirk Herber, ein. Linnertz bestätigte vor dem Ausschuss, dass er den Urlaub genehmigt hatte. Die ADD teilte auf Anfrage mit, dass Hermann vom 31. Juli bis 13. August in einem längerfristig geplanten und genehmigten Urlaub war. „Die Genehmigung erfolgte bereits vor Beginn des Einsatzes im Ahrtal und wurde unter Abwägung der Situation aufrechterhalten.“ Die Abwesenheit der Vizepräsidentin habe keine nachteiligen Auswirkungen auf die Arbeit der ADD vor Ort gehabt. „Die notwendigen Positionen waren zu jedem Zeitpunkt vollumfänglich besetzt.“ Linnertz hatte ausgesagt, dass er immer erreichbar gewesen sei. Er habe über Wochen auf dem Gelände der Bundesakademie gewohnt.

„Instinktlos und unsensibel“

Der damalige Urlaub Hermanns, die seit Ende November 2022 im Ruhestand ist, sei unverständlich und unverantwortlich, sagte der Obmann der Freien Wähler im U-Ausschuss, Stephan Wefelscheid. Als „instinktlos und unsensibel“ bezeichnete CDU-Obmann Herber das Verhalten von ADD-Chef Linnertz, weil er den Urlaub gebilligt habe. AfD-Obmann Michael Frisch, der im Gegensatz zur CDU und den FW zuvor nicht den Rücktritt Linnertz’ gefordert hatte, schloss sich nun an. Die Genehmigung des Urlaubs sei ein unverzeihlicher Fehler in der heißen Phase der Katastrophenbewältigung gewesen.

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