Katholische Kirche RHEINPFALZ Plus Artikel Diözesanversammlung: Als die Frauenquote im Chaos versinkt

Das Bistum Speyer, hier der Speyerer Dom, will neue Wege in der Frauenförderung gehen.
Das Bistum Speyer, hier der Speyerer Dom, will neue Wege in der Frauenförderung gehen.

Das Bistum Speyer will mehr Frauen in Leitungsfunktionen. Darin sind sich die meisten Mitglieder des Beratergremiums des Bischofs auch einig. Warum der Antrag dann doch vertagt wird.

Ohne Frauen könnte die katholische Kirche – salopp gesagt – dichtmachen. Sie halten vielerorts das Gemeindeleben am Laufen. Und das in einer von Männern dominierten Kirche. Da Rom sich derzeit in der Frage nach Diakonen- oder Priesterweihe für Frauen nicht bewegt, sucht die katholische Kirche in Deutschland nach Möglichkeiten, Frauen in Leitungsfunktionen zu bekommen.

So ist auch ein Antrag aus der Diözesanversammlung des Bistums Speyer zu sehen. Sieben Mitglieder des Beratergremiums des Bischofs brachten ihn am Samstag ein: Das Bistum Speyer verpflichtet sich, bis 2030 eine Frauenquote von mindestens 35 Prozent auf den Leitungsebenen zu erreichen. Eine Forderung, die in der katholischen Kirche aufhorchen lässt – derzeit liegt sie im Bistum bei 12 Prozent. Auf der obersten Leitungsebene neben dem Bischof beträgt die Quote derzeit null Prozent. Den Antragstellern schwebt vor, eine Frau in diesem Bereich zu installieren, ohne deren Aufgaben jedoch schon zu beschreiben.

Amtschefin im Erzbistum München

Vorreiter in diesem Punkt ist das Erzbistum München. Dort steht neben dem Generalvikar, dem Stellvertreter des Bischofs, seit dem Jahr 2020 eine Amtschefin der Kirchenverwaltung vor.

Ein wenig stolz ist die Speyerer Bistumsleitung darauf, dass der Frauenanteil an der Spitze der Hauptabteilungen im Ordinariat 40 Prozent beträgt: Hier sind drei Männer und zwei Frauen tätig. Auf der Ebene der Abteilungsleitungen arbeiten 23 Männer und fünf Frauen, womit deren Anteil 18 Prozent beträgt.

Doch die Antragsteller wollen mehr. „Kirche könnte doch auch einmal Vorbild sein und nicht immer hinterherhinken“, sagte Katharina Goldinger, die den Antrag miteingebracht hatte. In der Debatte wurden manche Unklarheiten deutlich. Welche Aufgabe fällt einer Gleichstellungsbeauftragten zu, wo es doch im Bistum schon ein Gleichstellungsteam gibt? Wie sollen Frauen auf Pfarreiebene Leitungsfunktionen übernehmen, wo doch der Pfarrer dort immer noch eine herausgehobene Stellung hat? Kann das Priesterseminar, in dem angehende Pfarrer und pastorale Kräfte ausgebildet werden, überhaupt von einer Frau zusammen mit einem Mann geleitet werden? Allerdings wurde im Lauf der Debatte manches zerredet, obwohl die meisten nicht müde wurden zu betonen, dass sie hinter der Frauenförderung stehen.

Verloren im Dschungel der Verfahrensweisen

Das Ende vom Lied: Die Abstimmung über den Antrag endete im Chaos. Auch weil so mancher in der Versammlung mit Anträgen zur Geschäftsordnung, Gegenrede und anderen Verfahrensweisen schlichtweg überfordert war. Luft machte sich der Frankenthaler Theo Wieder: „Was geben wir für ein Bild ab. Wir machen uns lächerlich.“ Am Ende wurde der Antrag vertagt – mit 40 Ja- und 39 Nein-Stimmen.

Und es gab noch einen Tipp: sich eine Antragskommission zu leisten. Auch ein Blick in die Synode der protestantischen Landeskirche zeigt, wie es besser geht: Dort werden die Anträge vorab in Ausschüssen behandelt und geprüft. Nach den Voten der Ausschüsse entscheidet dann die Synode. Aber die Diözesanversammlung ist diesbezüglich wohl noch in einem Lernprozess.

Bischof macht Frauenförderung zur Chefsache

Auch wenn Katharina Goldinger angesichts der Verfahrensunklarheiten frustriert war, konnte sie der Debatte doch Positives abgewinnen: Bischof Karl-Heinz Wiesemann versicherte dem Gremium, die Frauenförderung zur Chefsache zu machen. Bei der Diözesanversammlung im Mai soll es einen zweiten Anlauf geben.

Aber vielleicht ergibt sich ja in Kürze eine Gelegenheit, dass in die oberste Leitungsebene eine Frau einzieht. Der Caritasdirektor des Bistums, in Person von Karl-Ludwig Hundemer, wird demnächst in den Ruhestand gehen. Qualifizierte Frauen für dieses Amt gibt es sicherlich.

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