Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeitsagentur: „Wir erwarten zwei, drei harte Monate“

Das weltgrößte Lkw-Werk von Daimler in Wörth. Dort sind 10.300 Arbeitnehmer beschäftigt.
Das weltgrößte Lkw-Werk von Daimler in Wörth. Dort sind 10.300 Arbeitnehmer beschäftigt.

Bilanz und Ausblick auf das Geschehen am rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt fielen ein Jahrzehnt lang recht gleichförmig aus, nämlich alles in allem stets positiv. Mit der Corona-Pandemie hat sich das schlagartig geändert. Landesweit gibt es 20.500 Arbeitslose mehr als noch vor einem Jahr.

. Es seien „ein paar“ Dellen dazugekommen, „aber es ist noch kein Totalschaden“. Mit diesem Bild umschreibt Walter Hüther das, was sich in den vergangenen zwölf Monaten auf dem Arbeitsmarkt im Land ereignet hat.

Was der stellvertretende Geschäftsführer der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit mit „Dellen“ bezeichnet, liest sich in Zahlen so: Mit voraussichtlich rund 118.200 Arbeitslosen wird deren Anzahl im zu Ende gehenden Jahr landesweit um 20.500 (20,9 Prozent) höher liegen als 2019. Der stärkste Anstieg wird dabei bei Beschäftigten mit ausländischem Pass verzeichnet (24,2 Prozent). Auch die Anzahl derjenigen, die länger als ein Jahr ohne Job sind und damit als langzeitarbeitslos gelten, ist deutlich gestiegen: um 4700 Personen (17 Prozent) auf 32.300.

Viele Betriebe stellen derzeit nicht ein

Zugleich ist die Beschäftigung, Stand September, um 0,6 Prozent auf 1,45 Millionen Menschen zurückgegangen. Davon betroffen waren vor allem das verarbeitende Gewerbe, die Gastronomie und die Zeitarbeit. Das hängt auch damit zusammen, dass viele Betriebe angesichts der andauernden Unsicherheit kaum oder gar nicht neu einstellen.

Dass die Arbeitslosigkeit nicht noch stärker gestiegen ist, hat laut Walter Hüther vor allem zwei Gründe: Zum einen mache sich hier die Kurzarbeit bemerkbar, von der auch viele rheinland-pfälzische Betriebe Gebrauch machten.

So wurde im November für gut 31.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt – mehr als das 20-fache des Vorjahreswertes. Im ersten Lockdown im Frühjahr waren es sogar Anzeigen für 423.500 Mitarbeiter. Dabei ist zu beachten, dass nicht jede Anzeige auch in Kurzarbeit mündet.

Unternehmen versuchen, Mitarbeiter zu halten

Zum anderen sei es geradezu „phänomenal“, wie quasi alle Betriebe versuchten, ihre Mitarbeiter zu halten, betont Walter Hüther und streicht dabei insbesondere das Engagement kleiner und mittlerer Unternehmen heraus.

Zumindest zu Beginn des Jahres rechnet Hüther nicht mit einer Besserung am Arbeitsmarkt. „Wir erwarten jetzt zwei, drei harte Monate“, sagt er, zeigt sich mit Blick auf das gesamte Jahr 2021 gleichwohl „verhalten positiv“. Die tatsächliche Entwicklung hänge von den Auswirkungen des erneuten Lockdown ab. Für ein exportorientiertes Land wie Rheinland-Pfalz sei zudem die Lage in anderen Ländern und Regionen entscheidend. Noch nicht absehbar sei auch, wie viele Betriebe in den kommenden Monaten Insolvenz anmelden müssten; bisher sei kein Anstieg der Insolvenzen festzustellen.

Appell zu Qualifizierung

Angesichts der Dramatik und der Unkalkulierbarkeit der Corona-Krise wird leicht übersehen, dass die deutsche und damit auch die rheinland-pfälzische Industrie schon vor Beginn der Pandemie mit Problemen zu kämpfen hatten.

Demografischer Wandel, Digitalisierung, Automatisierung – „diese Megatrends bleiben uns erhalten“, warnt Walter Hüther davor zu glauben, mit dem Ende der Pandemie würden quasi alle Schwierigkeiten verschwinden. Ohnehin habe manches, was derzeit als Corona-bedingt angesehen werde, gar nichts mit der Pandemie zu tun, sondern sei Folge des strukturellen Wandels.

Eine Reaktion auf diesen Wandel müsse die Qualifizierung der Arbeitnehmer sein, betont Hüther. Und das gelte nicht nur für diejenigen, die arbeitslos seien. Auch mancher, der einen Job habe, sei gut beraten, sich gezielt weiterzuqualifizieren, um auch für die Zukunft seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. „Das geht ohne finanzielle Nachteile“, sagt der BA-Geschäftsführer. Deshalb sei es bedauerlich, dass beispielsweise die neue Möglichkeit, sich in einer Phase der Kurzarbeit beruflich weiterzubilden, so gut wie nicht genutzt werde.

Vor diesem Hintergrund sei Qualifizierung eines der Kernthemen der Arbeitsagentur im kommenden Jahr. Außerdem sei es enorm wichtig, die möglichst rasche Auszahlung von Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld sicherzustellen. Gleiches gelte, für den Fall der Fälle, fürs Insolvenzgeld.

Weitere Informationen

https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-rps/startseite

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