Rheinland-Pfalz
6000 Lehrkräfte nicht in den Klassen, 3500 Stellen in Kitas nicht besetzt
An rheinland-pfälzischen Schulen fallen derzeit rund 15 Prozent aller 41.000 Lehrkräfte – also rund 6000 Lehrerinnen und Lehrer – für den Präsenzunterricht aus, weil sie direkt oder indirekt zu Risikogruppen gehören. Bei solchen Personen kann eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus zu einem schweren Krankheitsverlauf führen. Die Spanne zwischen den einzelnen Schularten ist hoch, wie aus der Antwort der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) auf eine Anfrage der RHEINPFALZ am SONNTAG hervorgeht. An den Kitas im Land sind 3500 Stellen derzeit unbesetzt.
Fast jede vierte Förderlehrkraft fehlt
An den Gymnasien erteilen zwölf Prozent der rund 8800 Lehrkräfte ausschließlich Fernunterricht, an den Realschulen Plus sind es 19 Prozent der fast 5000 Lehrer und an den Förderschulen fallen 23 Prozent von 3400 Lehrern für das Klassenzimmer aus. Eveline Dziendziol, Sprecherin der ADD, erklärt den hohen Wert damit, dass an Förderschulen unmittelbare Nähe und damit der körperliche Kontakt eine größere Rolle spiele als an anderen Schulen. Von den 11.000 Grundschullehrerinnen und -lehrern fehlen derzeit 14 Prozent im Klassenzimmer, bei den Lehrkräften der Berufsbildenden Schulen liegt der Anteil bei 13 Prozent. 15 Prozent beträgt er bei den Integrierten Gesamtschulen. Laut Dziendziol kommt Rheinland-Pfalz zugute, dass das Land eines der jüngsten Lehrerkollegien habe.
Rollierendes System soll’s bringen
Nächste Woche kommen die Mittelstufenschüler zurück an die Schulen, für viele wird es nur tageweise sein. Laut ADD ist durch das rollierende System von Präsenz- und Fernunterricht gewährleistet, dass alle Lehrkräfte eingesetzt werden können. Die Planung des Unterrichts und den Einsatz der Lehrkräfte liegt bei den Schulen, was hohen Absprachebedarf mit sich bringe.
In Kitas sollen Eltern aushelfen
In den Kitas in Rheinland-Pfalz fehlt derzeit Personal auf bis zu 3500 Vollzeitstellen, weil die betreffenden Erzieherinnen und Erzieher zu einer Risikogruppe gehören. Diese Zahl hat der Präsident des Landesamts für Jugend Soziales und Versorgung, Detlef Placzek, im Gespräch mit der RHEINPFALZ am SONNTAG genannt. Damit fallen – wie bei den Lehrern – bis zu 15 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher aus – bei insgesamt rund 23.500 Vollzeitstellen. Die Zahlen basieren zum Teil auf einer Hochrechnung. Da die Meldung der Kitas an das Landesamt freiwillig erfolgt, liegen nur für gut 83 Prozent der Vollzeitstellen Daten vor.
Placzek geht von deutlichen sinkenden Fehlzahlen in den kommenden Wochen aus. Das Land habe auf den Personalmangel reagiert und die Anforderungen an die Personalausstattung vorübergehend gesenkt. Die zweite obligatorische Person, die eine Kita-Gruppe gemeinsam mit der ersten betreue, müsse nicht mehr die Qualifikation zur Gruppenleitung vorweisen, sondern könne als Vertretungskraft auch ein Vater oder eine Mutter sein, sofern ein Führungszeugnis ohne Einträge vorliegt. So habe man schon vor der Krise punktuell auf Personalmangel reagiert.
„Anpassung“ des Angebots droht
Das Landesamt sagt aber auch: „Bei jeder Stufe der Angebotserweiterung in den Kitas“ – also bei weiteren Schritten Richtung Normalität – werde sich fehlendes Personal mehr bemerkbar machen. Und: „Sollten die Träger nicht in der Lage sein, dafür Vertretungspersonal zu finden, müssten die Angebote entsprechend angepasst werden.“
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