Corona-Krise RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Sinken die Infektionszahlen, müssen Lehrer ran

Derzeit sind Lehrerinnen und Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören, besonders geschützt.
Derzeit sind Lehrerinnen und Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören, besonders geschützt.

Im März wurden die Schulen geschlossen, weil dort ein Hotspot der Corona-Infektion vermutet wurde. Ein Gruselort also, an den auch Wochen später nur zurückkehren sollte, wer kerngesund ist. Aber das kann nicht für alle Zeit gelten.

Manchmal hilft ein Blick zurück: Noch bevor Bordelle und Diskotheken schließen mussten, wurde in Rheinland-Pfalz und andernorts am 13. März Knall auf Fall verkündet, dass die Schultore wegen des Corona-Virus nur noch für eine Notbetreuung öffnen. Auf Anraten der Wissenschaftler, die auch nur den Stand ihrer damaligen Erkenntnis hatten, handelte die Politik. Sie wollte so die Verbreitung von Sars-CoV-2 durch Abertausende von Schülern verhindern. Das ist gelungen.

Lehrer haben sich neu erfunden

Keine Frage: Kaum eine Berufsgruppe hat sich unter widrigen Bedingungen so sehr neu erfunden wie die Lehrer. Dafür gebührt ihnen Anerkennung. Crashkurse in Computertechnik, Überstunden, um die Schulen ans Netz zu bringen, Kreativitätsschübe, um Kinder auf die Ferne zu beschulen und viel Geduld, um jene zu erreichen, die sich in „Corona-Ferien“ wähnten. Misserfolge inklusive.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Lehrern (und Schülern) bei der Rückkehr zum Präsenzunterricht ein Angebot gemacht werden musste, um das Risiko einer Erkrankung noch mehr zu minimieren als allein durch Hygienepläne. Älter als 60 und/oder einschlägige Vorerkrankungen bei sich oder in der Familie sind die Kriterien, nach denen sich Lehrkräfte weiterhin ausschließlich dem Fernunterricht widmen dürfen. 15 Prozent machen davon Gebrauch.

Lebensfremdes Rollieren

Es ist schwer zu glauben, dass sie auf Dauer die gleiche Last schultern wie jene, die vor der Klasse stehen, auch wenn die Schulaufsicht diese These verbreitet. Wie soll das funktionieren? In der einen Woche Deutsch-Präsenzunterricht bei Frau Maier und in der nächsten Deutsch-Telekolleg bei Herrn Müller? Das ist lebensfremd.

Wenn die Schulen nach den Sommerferien zu mehr Normalität zurückkehren bis hin zum „regulären Unterricht“, wie ihn Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) angekündigt hat, dann werden die allermeisten Lehrer näher an die Schüler rücken müssen. Sinken die Infektionszahlen weiter und klappt es mit Hygiene und Abstand, gibt es keinen Grund mehr für den besonderen Schutz dieser Berufsgruppe.

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