Pfälzerwald RHEINPFALZ Plus Artikel Wald, Wurst und Wartezeit: Wenn negative Google-Rezensionen die Hüttenkultur treffen

Manche Pfälzerwaldhütten werden ehrenamtlich betrieben, andere sind an Gastronomen verpachtet. Diese Unterschiede sind aber nich
Manche Pfälzerwaldhütten werden ehrenamtlich betrieben, andere sind an Gastronomen verpachtet. Diese Unterschiede sind aber nicht allen Wanderern klar.

Ehrenamt statt Profi-Gastro: Online-Kritik an einer Pfälzerwaldhütte sorgt für Diskussionen. Die Hütte wehrt sich nun, denn nicht alle werden professionell betrieben.

Die Hütten im Pfälzerwald stehen für eine einfache Einkehr und gelebte Tradition. Doch nicht alle Gäste empfinden das offensichtlich so, einige bewerten ihre Erfahrungen online. Am Beispiel des Wanderheims Hohe List bei Eppenbrunn zeigt sich, wie schnell Kritik an Wartezeiten oder Abläufen ehrenamtliches Engagement treffen kann.

Kritik an Ehrenamtlichen ist eine heikle Angelegenheit und dennoch kommt sie vor, auch im Zusammenhang mit den Hütten im Pfälzerwald. Immer wieder äußern Gäste ihre Unzufriedenheit nicht direkt vor Ort, sondern online: in Google-Bewertungen, Foren oder sozialen Netzwerken. Das hat auch das Team des Wanderheims Hohe List bereits erlebt. Die Hütte liegt idyllisch im Pfälzerwald nahe der französischen Grenze bei Eppenbrunn. Betrieben wird sie von der gleichnamigen Ortsgruppe des Pfälzerwaldvereins, die den Hüttendienst ehrenamtlich organisiert. Wie bei vielen Hütten ist das Angebot einfach gehalten: Geöffnet ist nur an ausgewählten Tagen, die Speise- und Getränkekarte ist überschaubar, ergänzt durch Veranstaltungen auf dem Gelände mit Spielplatz. WLAN gibt es auf dem Berg nicht, ebenso wenig die Möglichkeit bargeldlos zu bezahlen. Dafür ist nach vorheriger Reservierung sogar eine Übernachtung im Haus möglich.

Negative Google-Bewertungen

Der Anlass für die kritischen Bewertungen lag jedoch nicht in diesen Rahmenbedingungen. In zwei Google-Beiträgen, die vor rund zwei Monaten veröffentlicht wurden, heißt es, die „Küche sei wohl etwas überfordert gewesen“. Die Bestellung habe zu lange gedauert, Gerichte seien vertauscht worden und die Portionen zu klein gewesen. Der Verein nimmt die Kritik ernst, verweist aber zugleich auf die besonderen Bedingungen des Betriebs. „Es ist kein professioneller Gastronomiebetrieb und schon gar kein Wirtschaftsbetrieb“, sagt der Vorsitzende Stefan Mika im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „An dem Tag hatten wir nicht genügend erfahrene Helfer. Deshalb sind auch Personen eingesprungen, die zum ersten Mal Dienst hatten.“ Hinzu sei ein besonders gut besuchter Ausflugstag gekommen. „Es lief nicht alles reibungslos, aber wir sind froh und dankbar für alle, die Dienste übernehmen.“

Der Verein engagiert sich – wie viele in der Region – mit großem Einsatz für den Erhalt der Hüttenkultur im Pfälzerwald. Vieles rund um das Haus wird in Eigenleistung erledigt. Die Hohe List befindet sich zudem in einem ehemaligen Forstdienstgebäude aus dem Jahr 1832. „Wir haben bereits versucht, den kleinen Theken- und Küchenbereich zu optimieren, müssen aber mit den baulichen Gegebenheiten leben“, so Mika. Geplant ist unter anderem ein neues Ausgabesystem, bei dem bestelltes Essen direkt aus der Küche in den Außenbereich gereicht wird. In den Sommermonaten ergänzt zudem ein Pavillon den Getränkeausschank, um die Abläufe zu entzerren.

Info

Wo kann eingekehrt werden? Eine Übersicht gibt es unter www.pfalz.de/huetten

Wanderern nicht klar, wie unterschiedlich Hütten organisiert sind

Das Beispiel wirft ein grundsätzliches Problem auf: Vielen Gästen ist nicht bewusst, wie unterschiedlich die Hütten im Pfälzerwald organisiert sind. Von einer regelrechten „Zersplitterung“ kann man sprechen. Einige Hütten werden von alleinstehenden Vereinen betrieben, so wie die Kolpinghütte bei Ranschbach von der Kolpingsfamilie Landau oder die Nello Hütte im Modenbachtal von Wanderclub Nello.

Nicht jede Hütte wird vom Pfälzerwaldverein betrieben: Die Kolpinghütte bei Ranschbach.
Nicht jede Hütte wird vom Pfälzerwaldverein betrieben: Die Kolpinghütte bei Ranschbach.

Etwa 14 Häuser im Wald gehören den Naturfreunden, darunter die Kiesbuckelhütte bei Albersweiler. Dazu kommen ehemalige Jagdhäuser, Burgschänken, Schützenhäuser sowie weitere Vereinsheime und Ausflugslokale. Am präsentesten vertreten sind die Hütten des Pfälzerwaldvereins, von denen auf der Internetseite 84 aufgelistet sind. Und so unterschiedlich die Einkehrmöglichkeiten sind, so verschieden sind die Konzepte dahinter: Einige Hütten sind verpachtet und werden wie klassische Gastronomiebetriebe geführt, andere rein ehrenamtlich betrieben.

 Das Naturfreundehaus Kiesbuckel ist eins von rund 14 Naturfreundehäusern.
Das Naturfreundehaus Kiesbuckel ist eins von rund 14 Naturfreundehäusern.

Vereine mit unterschiedlichen Lösungen: GmbH gegründet

Einen besonderen Weg geht die PWV Ortsgruppe Mannheim-Ludwigshafen, Eigentümerin des Kalmithauses bei Maikammer. Dort wurde bereits vor zehn Jahren eine GmbH gegründet, deren Gesellschafter die Ortsgruppe selbst ist. „Ein großer Vorteil ist, dass wir die wirtschaftlichen Vorgänge besser im Blick haben und frühzeitig reagieren können, wenn etwas schiefläuft“, erklärt Vorstandsmitglied Günther Neufeldt. Das Personal ist in der GmbH angestellt, wird entsprechend entlohnt und versichert. „Einfach ehrenamtlich auszuhelfen ist im laufenden Betrieb nicht vorgesehen“, so Neufeldt.

Zumindest nicht beim Hüttendienst, denn die Instandsetzungsarbeiten auf dem Gelände werden durchaus von den Vereinsmitgliedern erledigt. Bänke reparieren oder Grünschnitt zurückschneiden werden in zwei Arbeitseinsätzen im Jahr erledigt. Kritik wie bei der Hohen List ist dem Vereinsvorsitzenden in Sachen Kalmithaus nicht bekannt: „Die Leute wissen, dass es sich um ein einfaches Haus handelt.“ Natürlich sei auch mal viel los, wenn schönes Ausflugswetter ist und dann dauere die Speisen- und Getränkeausgabe mal länger. Da werde vielleicht mal gemeckert, aber ernste Beschwerden gäbe es nicht.

So ähnlich bestätigt das auch Tobias Kauf, Geschäftsführer der Pfalz Touristik mit Sitz in Neustadt. Kritische Anmerkungen zu den Abläufen in den Pfälzerwald-Hütten erreichen die Pfalz Touristik nur vereinzelt. „Wenn wir dann erklären, dass es sich bei einigen unserer Pfälzerwald-Hütten um ehrenamtlich betreute Wanderheime handelt, kippt die Stimmung in der Regel wieder schnell ins Positive oder Sympathische“, so Kauf. Die Touristiker und Touristikerinnen achten zudem in ihren Texten auf eine entsprechende Formulierung, um die Vielfalt und Unterschiede der Einkehrmöglichkeiten im Pfälzerwald zu verdeutlichen.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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