Chanson / Zirkus Meret Becker in Karlsruhe und Ludwigshafen

Extraordinäre Künstlerin: Konzerte mit Meret Becker sind immer etwas Besonderes – hier 2018 in Ludwigshafen.
Extraordinäre Künstlerin: Konzerte mit Meret Becker sind immer etwas Besonderes – hier 2018 in Ludwigshafen.

Ihre große Lust am Grotesken macht Meret Becker zur Ausnahme-Künstlerin. Mit ihrem Ensemble The Tiny Teeth ist sie jetzt wieder live zu erleben: Ihre skurrile Musik-Collage „Le Grand Ordinaire“ geht mit „Part 2“ quasi in die Verlängerung.

Es ist schon viele Jahre her, da hörte man Meret Becker Johannes Brahms’ volkstümliches Wiegenlied „Guten Abend, gut’ Nacht“ zur singenden Säge säuseln – und erkannte spontan: Die Frau ist crazy! Aber auch genial. Auf „Noctambule“ (1996), wo sich die zart-bizarre Brahms-Version findet, folgten, parallel zu Beckers Karriere als Filmschauspielerin, Alben und Konzertprogramme wie „Nachtmahr“ (1998) oder „Fragiles“ (2001) – die Titel sprechen für sich. Zwischenzeitlich wurde die 1969 in Bremen geborene Schwester von Ben Becker und Stieftochter Otto Sanders als Berliner „Tatort“-Kommissarin Nina Rubin populär. Doch nach sieben Jahren an Mark Waschkes Seite ließ Becker in der Folge „Das Mädchen, das allein nach Haus’ geht“ – ausgestrahlt im Mai dieses Jahres – ihre Ermittlerin sterben.

Düstere Balladen, Bretterl-Lieder und Zirkus

Auf der Bühne bewegt sich die Schauspielerin, Sängerin und Multiinstrumentalistin, die kurz mit Alexander Hacke von den „Einstürzenden Neubauten“ verheiratet war, ohnehin längst in anderen Gefilden: Seit ein paar Jahren touren Meret Becker und ihre Band The Tiny Teeth mit „Le Grand Ordinaire“ durch die Städte, einer skurrilen Musikcollage irgendwo zwischen lustvoll düsteren Balladen in Tom-Waits-Manier, frechen Brettl-Liedern im Stil der 20er-Jahre und groteskem Nouveau Cirque. Inhaltlich geht es vielfach um Reisende und das Unterwegssein, um Entwurzelung, verlorene Liebe, Sehnsucht und um kindliche Erinnerungen an den Zirkus. Aus all diesen Zutaten erschaffen Becker und ihre musikalischen Mitstreiter einen surrealen Kosmos, in dem die Aktrice mal als frappierend gelenkige Akrobatin im Luftring, mal als geisterhafte Braut schräge Chansons haucht und trällert – eine köstliche Piaf-Parodie inklusive. Dazu hantiert Becker mit Spieluhr, Tröte und Glasharfe, sie spielt E-Gitarre und lässt, natürlich, auch die Säge wieder singen.

Meret Becker & The Tiny Teeth: „Le Grand Ordinaire (Part 2)“ – Fr 11.11., 20 Uhr, Karlsruhe, Tollhaus, Karten: rheinpfalz.de/ticket; So 26.3.23, 20 Uhr, Ludwigshafen, BASF-Feierabendhaus, Karten: basf.de/kultur

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