Leo-serie: BURGEN IM SÜDWESTEN (30): Friedelsheim und Dirmstein in der Ebene

Vielleicht von 1702, vielleicht auch noch aus der Renaissance: Portalgrimassen.
Vielleicht von 1702, vielleicht auch noch aus der Renaissance: Portalgrimassen.

Rund 500 große und kleine mittelalterliche Burgen haben die Forschungsanstrengungen im Zusammenhang mit dem Pfälzischen Burgenlexikon in der heutigen Pfalz ermittelt. 30 Mal haben wir, den Blick zuletzt auch auf den südwestdeutschen Umkreis weitend, besonders sehenswerte im LEO vorgestellt. Sie lagen fast alle irgendwo tief im Wald oder auf hohen Felskämmen, kurz: an unzugänglicher und abgelegener Stelle. Was aber war in der Vorderpfalz, in der Rheinebene?

Steine als gesuchtes Baumaterial

Auch in den Niederungen gab es befestigte und ummantelte, von Gräben umgebene Burgen. Weil sie in gut erreichbarem Gelände lagen, sind sie in späterer Bebauung aufgegangen oder – zugehauene Steine waren früher gesuchtes Baumaterial – restlos abgeräumt worden. Nur dort, wo der Aufwand des Steintransports größer schien als der neuer Steingewinnung, hatten überflüssig gewordene Gebäude die Chance, dem natürlichen Verfall überlassen zu werden, also hoch auf Bergen und weit im Wald. Dort gibt es Burgen, denen nur Dach, hölzerne Zwischendecken und Einrichtung fehlen, um wieder in Funktion zu treten. Hier findet der Forscher hin und wieder Gemäuer von Anlagen, über die kein überliefertes Dokument Aufschluss gibt, weswegen wir auch oft genug den mittelalterlichen Namen nicht wissen. In der Ebene ist es umgekehrt. Hier weisen oft Flurnamen auf die vormalige Anwesenheit einer Burg oder eines festen, das heißt steinernen Hauses hin. Oder ein Wissenschaftler findet in einem alten Grundstücksakt Formulierungen wie (1399 aus Grünstadt) „Hauß und garten zu Grinstatt an der bürg gelegen und an dem garten der dor hinder lieget“, erfährt dadurch von der Existenz einer Burg und kann in Zusammenhang mit spärlichen anderen Angaben wenigstens die Burgstelle (hier: am Peterspark) bestimmen.

Pittoreskes Bild in der Abendsonne

Derartiges ist natürlich für einen Ausflug nicht sonderlich attraktiv, und so schlagen wir Abstecher zu beiden Niederungsburgen, deren Reste wir vorstellen wollen, nur dem vor, der ohnehin in der Nähe ist und ein wenig Zeit erübrigt. Die Überreste der fürstbischöflich-wormsischen Wasserburg in Dirmstein sind gar nicht leicht zu finden, da sie außerhalb des alten Ortskerns gelegen und in ein landwirtschaftliches Anwesen einbezogen sind. Am besten, man verlässt den Ort Richtung Gerolsheim und biegt 100 Meter nach rechts in den Feldweg ein, der press an der Eis entlangführt. Besonders in der Abendsonne ist der Anblick durchaus pittoresk, zumal das umliegende Gelände sich selbst überlassen ist. Von einer mittelalterlichen Burganlage kann allerdings allenfalls der nicht sonderlich ausgeprägte Rundturm stammen. Das Burgareal war annähernd quadratisch, für eine zweite Ecke ist ein Rundturm gesichert, für die beiden anderen nimmt man ihn an.

Kondominat über Dirmstein

Die Historie meldet, dass 1190 Kaiser Heinrich VI. die Vogtei zu „Dirmenstein“ dem Bischof Konrad II. und der Wormser Kirche übertrug; erst ab dann ist ein bischöfliches steinernes Haus möglich; hieb- und stichfeste Nachweise aber fehlen. 1419 vereinbarten der pfälzische Kurfürst und der Wormser Bischof ein Kondominat (gemeinsame Herrschaft) über Dirmstein, das bis 1705 währte; Bischof Heinrich von Worms (1523-52) ließ die Burg (da sie an der Eis lag, war sie bestimmt von einem Graben umgeben) herrichten und machte sie zur bischöflichen Sommerresidenz, die am Ende des Jahrhunderts nochmals ausgebaut wurde. Im 30-jährigen Krieg war das Schloss schwedisch besetzt, später wohnten hier einige Jahre Wormser Jesuiten, im 18. Jahrhundert diente es wieder der Wormser Hofhaltung; das im Bild rechts zu sehende barocke Amtshaus ist damals entstanden. In der Französischen Revolution versteigert, kam der Baukomplex in Privatbesitz; 1885 vernichtete ein Brand den Südflügel, von dem nur ein sechseckiger Treppenturm mit schönem spätgotischen Portalgewände erhalten ist.

Sehenswürdige Aussicht

In Friedelsheim scheint ein stattlicher Bergfried, der per Außentreppe bestiegen werden kann und in 16 Metern Höhe Aussichten auf das Hambacher Schloss, die Wachtenburg und die Klosterruine Limburg bietet, von einer Burg übrig zu sein. Allerdings gibt es kein mittelalterliches Schriftzeugnis dafür. 1418 ist lediglich von einem „hus“ (Haus) die Rede, das Johann von Derne dem pfälzischen Kurfürsten Ludwig III. verkauft. Es wird Sitz eines kurpfälzischen Amtmanns. 1462, als Pfalzgraf Friedrich I. das Anwesen an den Abt des Klosters Limburg verkauft, ist allerdings von einem „slozze“ (Schloss) die Rede. Die Besitzverhältnisse in der Folge sind kompliziert und wechselnd, bis Pfalzgraf Johann Casimir 1575 das Schloss an sich bringt. Territorialherren, die sich der Reformation anschließen, kommen dadurch damals automatisch in den Besitz allen Kirchenguts.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört

Johann Casimir veranlasst einen aufwendigen Um- und Ausbau. Der neue Trakt wirkt auf einer zeitgenössischen Zeichnung monumental und stattlich, auf einem zeitgenössischen Ölgemälde dagegen eher monoton und langweilig. Der alte wird als „zimblich fest mit starcken Mauren, Thurn und einem Graben“ beschrieben, der neue hat einen „schönen lustigen Garten, so der fürnermbste Pfälzisch Hoffgarten, was Nutzbarkeit anbelanget“, außerdem „einen schönen Saal von Gemälden und Bildern“ (Zeiller/Merian 1645). Diese Herrlichkeit wird im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689/90 von französischen Truppen zerstört. Vom Nachfolgebau, den 1702 Melchior Freiherr von Wieser errichten ließ, dürften die grotesken Gesichter des Portals stammen. Stilistisch passen sie auch in die Zeit des Johann-Casimir-Schlosses.

Am Ortsrand: Turm der ehemaligen bischöflichen Burg in Dirmstein, mit Amtshaus (rechts) und neuerem Landwirtschaftstrakt (links)
Am Ortsrand: Turm der ehemaligen bischöflichen Burg in Dirmstein, mit Amtshaus (rechts) und neuerem Landwirtschaftstrakt (links).
Bauzeit unbekannt: der Friedelsheimer Burgturm. Vielleicht stammt er erst vom Schloss Johann Casimirs.
Bauzeit unbekannt: der Friedelsheimer Burgturm. Vielleicht stammt er erst vom Schloss Johann Casimirs.
Wiederhergestellt: der Burgweiher, ein Teil des ehemaligen Grabens und Kulisse schöner Feste.
Wiederhergestellt: der Burgweiher, ein Teil des ehemaligen Grabens und Kulisse schöner Feste.
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