Pfalz Zewa zeigt Größe in Mannheim
Das Werk im Mannheimer Stadtteil Waldhof hat Tradition: Seit 1884 werden dort Zellstoff und Papier produziert, anfangs von der Zellstofffabrik Waldhof, deren Name abgekürzt als Zewa bis heute eine bekannte Marke bei Hygienepapieren ist. Heute betreibt hier der schwedische Konzern Essity mit 2000 Mitarbeitern eines der größten Hygienepapier-Werke Europas.
Pro Kopf 15 Kilo Hygienepapier im Jahr
Das Mannheimer Essity-Werk kann im Jahr bis zu 280.000 Tonnen Papier produzieren – Küchentücher, Toilettenpapier, Taschentücher. Welche enorme Menge das ist, wird klar, wenn man den durchschnittlichen Verbrauch von Hygienepapier hierzulande von 15 Kilogramm pro Kopf und Jahr als Vergleichsmaß anlegt. Dann könnte das Werk in Waldhof alleine rein rechnerisch den Jahresbedarf von 18,7 Millionen Menschen oder mehr als einem Viertel der Bevölkerung Deutschlands decken.
Bergeweise Holzpellets
Auf dem rund einen Quadratkilometer großen Werksgelände läuft einiges eine Nummer größer. Das beginnt beim Holzlagerplatz, auf dem sich haushohe Berge von Holzpellets türmen, aber auch Stammholz lagert. Das Werk Mannheim sei das einzige im Essity-Konzern, erläutert der Technische Geschäftsführer des Standortes, Roger Schilling, in dem vom Rohstoff Holz bis zum Endprodukt produziert wird.
Nur Holz aus der Region
Und dieses Holz stamme ausschließlich aus der Region im Umkreis von 200 bis 300 Kilometer. Verwendet würden fast ausschließlich Buche und Fichte. Zu 75 Prozent wird der Rohstoff als Holzschnitzel aus Sägewerken angeliefert, das aus Resten stammt, die die Sägewerke nicht verwerten können. Das Werk verfügt nicht nur über einen eigenen Bahnanschluss, sondern hat auch ein Kraftwerk und ein betreibt ein Klärwerk. Die Papierproduktion benötigt viel Energie und Wasser. Das Klärwerk schafft 50.000 Kubikmeter Abwasser pro Tag. Und wäre groß genug, um das Abwasser von Mannheim und Heidelberg zusammen zu bewältigen, erläutert Schilling. Energieträger für das Kraftwerk, das 240 Tonnen Dampf und 29 Megawatt Strom pro Stunde erzeugt, sind überwiegend Abfallstoffe aus der Produktion von Zellstoff und Papier.
Bis zu 1000 Paletten pro Stunde
Zunächst wird aus Holzpellets der Rohstoff Zellstoff hergestellt. In fünf riesigen Papiermaschinen werden daraus 5,40 Meter breite, tonnenschwere Papierrollen, die dann auf 23 Verarbeitungslinien zu einigen Hundert Produkten werden. Wie etwa Zewa Toilettenpapier oder Zewa-Wisch-und-Weg-Haushaltstücher sowie viele Handelsmarken von Einzelhandelsketten. Auch das Lager zeigt Größe mit 30.000 Palettenplätzen. Es wird gerade mit einem Neubau um 25.000 Palettenplätze erweitert. Bis zu 1000 Paletten pro Stunde können hier verladen werden.
Größter privater Waldbesitzer Europas
Der schwedische Konzern SCA hat 2017 sein Geschäft in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen aufgespalten. Die Hygienesparte erhielt den neuen Namen Essity. Das übrige Geschäft mit Holzprodukten, das riesigen Waldbesitz umfasst, behielt den Namen SCA. Mit 2,6 Millionen Hektar ist SCA nach eigenen Angaben größter privater Waldbesitzer Europas. Diese Fläche ist größer als Mecklenburg-Vorpommern. Und wie kam die Mannheimer Zellstofffabrik Waldhof zu Essity? Sie fusionierte 1970 zunächst mit den Aschaffenburger Zellstoffwerken zu den Papierwerken Waldhof-Aschaffenburg, kurz: PWA. 1995 erwarb die schwedische SCA dann PWA.
Tempo, Tena, Leukoplast
Essity zählt 48.000 Mitarbeiter und setzte 2017 rund 109,3 Milliarden Kronen (11,2 Mrd Euro) um. Der Konzern stellt neben Hygienepapieren, etwa Taschentüchern der Marke Tempo, auch Inkontinenzprodukte (Tena) her, Produkte für Damenhygiene und Babypflege sowie für medizinische Anwendungen (Leukoplast).