Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wie das Nachtlager wohnungslosen Studierenden hilft

Seit Beginn des Semesters übernachtet Henrike in der Notunterkunft.
Seit Beginn des Semesters übernachtet Henrike in der Notunterkunft.

Nach drei Semestern Online-Lehre kehren die Studierenden in die Universitätsstädte zurück. Obwohl der Ansturm weniger stark ist als vor der Pandemie, sind die Zimmer in den Wohnheimen knapp. In Landau hilft das Nachtlager denen, die keine Unterkunft finden – wenn es sein muss, auch über Monate.

Ein fensterloser Kellerraum mit einem Stockbett, einer Bierbank als Regal und einem Wäscheständer: Hier wohnt Henrike zum Start ihres Psychologiestudiums an der Universität Landau. Für ein Studentenzimmer etwas karg – es ist aber auch nur eine Notunterkunft im Nachtlager der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Landau. Hier kommen zum Semesterbeginn diejenigen unter, die keinen Platz in einem Wohnheim oder einer WG gefunden haben.

Dabei hatte die 25-Jährige sogar schon ein Zimmer gefunden. Einziehen durfte sie zum Semesterbeginn allerdings doch nicht. „Ich habe einen Hund, aber der Vermieter hat wohl meinen Text nicht richtig gelesen und das übersehen“, erzählt sie. Das Ganze sei dann erst zufällig bei einem Telefonat herausgekommen, kurz bevor sie aus ihrer früheren WG in der Nähe von Berlin in die Pfalz ziehen wollte. Jetzt kümmern sich ihre Eltern in Schwerin übergangsweise um den Labrador-Mischling, während sie vom Nachtlager aus nach einem Zimmer sucht, in dem Haustiere erlaubt sind.

Kurzfristig umgezogen

Im Nebenzimmer hat sich Lukas auf dem Sofa eingerichtet. Er hat sich spontan Anfang Oktober für den Masterstudiengang Umweltwissenschaften beworben und am 20. die Zusage erhalten. Nur fünf Tage später begannen allerdings schon die Vorlesungen. Auf der Webseite des Studierendenwerks fand der 23-Jährige das Angebot des Nachtlagers.

Dass jeder Gast des Landauer Nachtlagers ein Zimmer für sich hat, ist eher die Ausnahme. In diesem Jahr sei die Unterkunft mit zehn Gästen über mehrere Wochen verteilt weniger stark besucht als in den Jahren vor Corona, berichtet Hochschulseelsorger Ralf Nico Körber. Es hätten auch schon mehr als zehn Studierende auf einmal auf Luftmatratzen und Isomatten im großen Saal der KHG übernachtet. Eine Übernachtung kostet vier Euro, Küche und Bad sowie Gemeinschaftsräume können die Gäste des Nachtlagers im Haus mitbenutzen. Zum Wäschewaschen sprechen sie sich mit den Bewohnern der WGs in den oberen Stockwerken ab.

Übernachtung auch im Online-Semester

Die Idee, um den Semesterbeginn herum eine Notunterkunft zu eröffnen, hatte Körber 2013. Ähnliche Angebote kennt er auch von Hochschulgemeinden in anderen Städten. „Ich verstehe meine Arbeit so, die Studierenden da zu unterstützen, wo es nötig ist“, sagt er. In den Corona-Semestern öffnete er das Nachtlager während der Prüfungsphase, damit Studierende, die kein Zimmer in Landau hatten, aber ihre Prüfungen in Präsenz schreiben mussten, einen Ort für eine Übernachtung hatten. Auch ausländische Studierende, für die das Kontingent an Wohnheimplätzen nicht ausreicht, hätten oft Schwierigkeiten, ein Zimmer auf dem freien Markt zu finden. Weil sie oft nur mit einem Koffer voll Kleidung ankommen, hat die KHG ursprünglich das Stockbett im Keller angeschafft.

Im Schnitt bleiben die Gäste zwischen einer und zwei Wochen im Nachtlager, hat Körber ausgerechnet. In einem Gästebuch haben sich die Besucher der vergangenen Jahre verewigt. „Love lives here“ („Liebe lebt hier“) ist dort zu lesen, ebenso die Dankesbotschaft einer Person, die fast ein ganzes Semester im Haus der KHG gewohnt hat. Es sei auch schon vorgekommen, dass Bewohner des Nachtlagers sich zusammengeschlossen hätten, um gemeinsam eine WG zu gründen.

Schwierige Suche mit Hund

„Von der Uni wüsste ich keine Möglichkeit, wie man so unterstützt wird“, sagt Lukas. Er hat sich, seit er den Studienplatz bekommen hat, auf die Wartelisten der Wohnheime setzen lassen und schon fünf WG-Zimmer besichtigt, aber noch keine Zusage erhalten. Für seine Mitbewohnerin ist die Suche nach einer hundefreundlichen Unterkunft noch schwieriger. 30 WGs habe sie schon angeschrieben, schätzt Henrike. Sie hat aber auch eine Nachricht bekommen, die ihr Hoffnung macht. Auf ihr Wohnungsgesuch hat sich eine Mutter mit zwei Kindern gemeldet, die ein Zimmer außerhalb der Stadt zu vermieten hat.

Voll belegt: das Nachtlager vor Corona.
Voll belegt: das Nachtlager vor Corona.
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