Neustadt
Weniger Spargel anbauen? Die Europaabgeordnete Jutta Paulus schlägt es vor
Dass die unpopulären Themen in ihr Ressort fallen, ist Jutta Paulus gewohnt. „Das ist bei uns Grünen ja immer so“, sagt die Europaabgeordnete aus Neustadt, die Mitte der Woche mit ihrem Vorschlag für Aufsehen gesorgt hat, weniger Spargel anzubauen. Ein entsprechender Beitrag von „Focus online“ hat Wellen geschlagen und vor allem auf Facebook für Proteste gesorgt. Sie hatte Spargel in einem Webinar mit rund 500 Teilnehmern als Luxusgemüse bezeichnet.
Wenn sie mit dem Zug von Neustadt nach Mannheim fahre, habe sie das Gefühl, dass es mehr und mehr Spargelfelder gebe. Dabei ging es in dem Webinar mit dem Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter eigentlich um die durch den Krieg in der Ukraine drohende Nahrungsmittelknappheit auf dem afrikanischen Kontinent. Und scheinbar hat dieser Krieg ja mit dafür gesorgt, dass die deutschen Verbraucher beim Spargel in diesem Jahr zurückhaltend waren.
Jutta Paulus isst auch gerne Spargel
Natürlich isst auch Jutta Paulus sehr gerne einmal Spargel, ganz klassisch, „wie ihn meine Mutter macht, mit einer hellen Soße und Pellkartoffeln“. Noch viel lieber mag die Pharmazeutin grünen Spargel. Aber ihr liegt eben auch daran, in Erinnerung zu rufen, dass er nicht für alle erschwinglich ist. Heute könne sie ihn sich leisten, „aber früher haben wir keinen gekauft, da wäre er nicht drin gewesen“. Natürlich ist das weiße Gold im Frühjahr ein Klassiker auf Speisekarten in der Pfalz und kaum wegzudenken. Trotzdem hat Jutta Paulus angesichts eines Krieges in Europa laut darüber nachgedacht, die Flächen, auf denen der Spargel sprießt, vielleicht auch anders zu nutzen. „Wenige Tage zuvor hatte das Handelsblatt gemeldet, dass Erdbeer- und Spargelbauern ihre Ernte nicht loswerden. Gerade kleinbäuerlichen Betrieben, die so unter Druck stehen, bricht das Einkommen weg. Das hat mich beschäftigt“, erklärt sie.
Respekt vor den Regierungsgrünen
Aus Sicht der in Brüssel tätigen Europaabgeordneten ist es schmerzhaft, welche Positionen die Parteikollegen in der Regierungsverantwortung in Berlin einnehmen müssen. Dass Wirtschaftsminister Robert Habeck einmal dafür eintreten würde, Kohlekraftwerke zu reaktivieren, hätte sich der Vize-Kanzler sicher nicht vorstellen können. Aber auf die Frage, wie sie den Start ihrer Partei in der Regierungsverantwortung bewertet, sagt sie: „Ich habe sehr viel Respekt vor dem, was meine Parteikollegen in Deutschland täglich leisten.“
Das Thema der Neustädterin ist aktuell jedenfalls nicht der Spargel, sondern vielmehr ein Renaturierungsgesetz, das in der Kommission auf den Weg gebracht ist. Das hält sie für wirklich wichtig auch mit Blick aufs Klima. „Renaturierung heißt, die Funktionsfähigkeit des Ökosystems wiederherzustellen. Ohne eine massive Renaturierung wird das Zwei-Grad-Ziel nicht zu erreichen sein“, zitiert Jutta Paulus den Weltklimarat. „Das Artensterben weiß nicht, dass Krieg in der Ukraine ist. Wenn eine Art einmal ausgestorben ist, dann ist sie ausgestorben“, wirbt die Neustadterin dafür, den Klima- und Naturschutz nicht aus dem Fokus zu verlieren.