Pfalz
Wegen des Frosts: Dieses Jahr weniger Kirschen, Zwetschgen und Birnen aus der Westpfalz
Es nieselt, dazu weht ein kalter Wind, kurz kommt die Sonne raus, dann prasseln Hagelkörner ins Gesicht. Aprilwetter. Urban Scherschel (72) stapft an diesem Mittwoch durch seine Obstplantage und sagt vorwurfsvoll in Richtung Himmel: „Da rackert man das ganze Jahr, und dann kommen drei Nächte und machen Dir alles kaputt.“ Nach einer Weile fügt er gleichmütig hinzu: „Aber so ist das halt.“
Scherschels Obstanlage befindet sich oberhalb des Sträßchens zwischen Breitenbach und Frohnhofen im Kreis Kusel. Hier im Nordpfälzer Bergland fiel das Thermometer seit Sonntag nachts auf minus zwei bis minus drei Grad. Das sind kritische Temperaturen für Obstbäume, die gerade in der Blüte stehen oder die Blütenblätter schon abgeworfen haben.
„Die Natur war der Jahreszeit zwei bis drei Wochen voraus, die Bäume blühten also früher als sonst“, sagt Scherschel, „dann kam die Kühle, die bremste die Vegetation zwar etwas, aber das half nur noch dem Apfel“.
Schon bei einem Grad minus wird’s für die Kirsche kritisch
Der Biobauer erzählt, dass Äpfel, Zwetschgen und Birnen, minus 2,8 Grad vertragen, wenn die Blüte noch geschlossen ist und sie dieser Temperatur nicht länger als eine halbe Stunde lang ausgesetzt sind. Kirschen halten dann nur minus 2,3 Grad aus. Ist die Blühzeit vorbei und es haben sich schon kleine Früchte ausgebildet, dann erfrieren die ganz jungen Birnen, Zwetschgen und Kirschen, wenn es länger als eine halbe Stunde minus 1,0 Grad kalt ist. Äpfel in diesem Reifestadium bei minus 1,7 Grad.
Äpfel kommen vielleicht durch, weil sie noch blühen
Scherschel schätzt, dass es in seiner Obstanlage vor allem Kirschen, Zwetschgen und Birnen erwischt hat. Bei diesen Obstsorten rechnet er mit„erheblichen Ernteausfällen“. Er tritt an einen Birnbaum und zeigt, dass sich da, wo die Blüte war, schon kleine Fruchtstände zeigen. Werden diese in den nächsten Tagen schwarz, fallen sie ab – und es reifen keine Birnen. Das gleiche gilt für Zwetschgen und Kirschen.
Weiter geht’s zu den Apfelbäumen. Die blühen überwiegend noch. Und das ist gut, denn dann vertragen sie etwas mehr Frost. Bei den Äpfeln könnte der Obstbauer, der früher im Bosch-Werk Homburg arbeitete, mit einem blauen Auge davonkommen. „Was das alles am Ende für die Ernte bedeutet, das kann man erst in 14 Tagen abschätzen“, sagt er.
Die Kälte kam von Osten
Frost bildet sich oft wie ein See aus, erklärt er, die Kälte fällt ins Tal und breitet sich dann wie zu einem See aus. „Deshalb gibt es bei uns keine Obstplantagen in der Talsohle, sondern immer am Hang.“ Seine liegt oberhalb eines Waldes und zieht sich fast bis auf den Gipfel des Vogelsbergs hinauf.
In den drei Nächten seit Sonntag kam der Frost auf andere Weise wie gewöhnlich – nämlich mit dem Wind von Osten. Gegen Osten hat Scherschel seine Plantage im unteren Teil mit einer dichten Hecke abgeschirmt. Weiter oben ist diese Hecke kleiner und lichter und ganz oben ist sie als Bännjeshecke nur noch hüfthoch. Der Biobauer rechnet folglich damit, dass die Ernteausfälle in den oberen Reihen höher sind als in den unteren.
Wäre Scherschel 40, würde er eine Beregnungsanlage bauen
Was ist mit Frostschutz? „Wirksam schützt eine Beregnung von oben. Die muss man dann aber während der gesamten Zeit, zu der es friert, laufen lassen. Wenn ich 40 wäre, würde ich das machen“, so der 72-Jährige.
Winzer sind „glimpflich davongekommen“
In der Vorderpfalz gibt es solche Frostberegnungsanlagen, etwa dort, wo auf großen Flächen Frühkartoffeln angebaut werden. Das berichtet Andreas Köhr, Pressesprecher des Bauern- und Winzerverbandes. Ihm zufolge sind die Landwirte und Winzer in der Pfalz insgesamt „glimpflich davongekommen“, was die jüngsten Frostnächte betrifft. Es seien nur einige wenige Betriebe betroffen, „nicht flächendeckend“. Schaden oder nicht: das sei dieses Mal „vom Mikroklima abhängig“ gewesen. Man könne nicht sagen, dass es die Westpfalz generell härter getroffen habe als die Rheinebene. In Göcklingen in der Südpfalz seien auch drei bis vier Grad minus gemessen worden. Die Wingerte seien weitgehend verschont geblieben. Vereinzelt seien Frostschutzkerzen entzündet worden, die wie große, normale Kerzen aussehen, aber nicht so leicht erlöschen. Von den Windrädern bei Neustadt-Duttweiler, die bei Frost automatisch anspringen, um ihn quasi wegzuwehen, seien nur zwei angesprungen und hätten sich auch „nur wenige Minuten gedreht“. Frostschäden habe es allenfalls auf 0,2 Prozent der Rebfläche der Pfalz gegeben.
