Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wegen des Frosts: Dieses Jahr weniger Kirschen, Zwetschgen und Birnen aus der Westpfalz

Urban Scherschel (72) deutet auf eine vom Frost geschädigte Blüte an einem seiner Apfelbäume in seiner Bioobst-Anlage. An diesem
Urban Scherschel (72) deutet auf eine vom Frost geschädigte Blüte an einem seiner Apfelbäume in seiner Bioobst-Anlage. An diesem Exemplar werden aber noch ausreichend Äpfel reifen.

Wenn im Frühjahr die Obstbäume blühen, dann verwandeln sich Teile der Westpfalz in Blütenmeere, etwa im „Kirschenland“ rund um Altenkirchen im Kreis Kusel oder auf den Höhen über Zweibrücken. Bis vor 50 Jahren noch ein bedeutender Wirtschaftszweig, wird heute Obst nur noch nebenher angebaut. Der jüngste Temperatursturz führt zu „erheblichen Ernteausfällen“. In der Vorder- und Südpfalz gehen Winzer vereinzelt mit Feuer gegen die Kälte vor.

Es nieselt, dazu weht ein kalter Wind, kurz kommt die Sonne raus, dann prasseln Hagelkörner ins Gesicht. Aprilwetter. Urban Scherschel (72) stapft an diesem Mittwoch durch seine Obstplantage und sagt vorwurfsvoll in Richtung Himmel: „Da rackert man das ganze Jahr, und dann kommen drei Nächte und machen Dir alles kaputt.“ Nach einer Weile fügt er gleichmütig hinzu: „Aber so ist das halt.“

Scherschels Obstanlage befindet sich oberhalb des Sträßchens zwischen Breitenbach und Frohnhofen im Kreis Kusel. Hier im Nordpfälzer Bergland fiel das Thermometer seit Sonntag nachts auf minus zwei bis minus drei Grad. Das sind kritische Temperaturen für Obstbäume, die gerade in der Blüte stehen oder die Blütenblätter schon abgeworfen haben.

„Die Natur war der Jahreszeit zwei bis drei Wochen voraus, die Bäume blühten also früher als sonst“, sagt Scherschel, „dann kam die Kühle, die bremste die Vegetation zwar etwas, aber das half nur noch dem Apfel“.

Schon bei einem Grad minus wird’s für die Kirsche kritisch

Der Biobauer erzählt, dass Äpfel, Zwetschgen und Birnen, minus 2,8 Grad vertragen, wenn die Blüte noch geschlossen ist und sie dieser Temperatur nicht länger als eine halbe Stunde lang ausgesetzt sind. Kirschen halten dann nur minus 2,3 Grad aus. Ist die Blühzeit vorbei und es haben sich schon kleine Früchte ausgebildet, dann erfrieren die ganz jungen Birnen, Zwetschgen und Kirschen, wenn es länger als eine halbe Stunde minus 1,0 Grad kalt ist. Äpfel in diesem Reifestadium bei minus 1,7 Grad.

Äpfel kommen vielleicht durch, weil sie noch blühen

Scherschel schätzt, dass es in seiner Obstanlage vor allem Kirschen, Zwetschgen und Birnen erwischt hat. Bei diesen Obstsorten rechnet er mit„erheblichen Ernteausfällen“. Er tritt an einen Birnbaum und zeigt, dass sich da, wo die Blüte war, schon kleine Fruchtstände zeigen. Werden diese in den nächsten Tagen schwarz, fallen sie ab – und es reifen keine Birnen. Das gleiche gilt für Zwetschgen und Kirschen.

Weiter geht’s zu den Apfelbäumen. Die blühen überwiegend noch. Und das ist gut, denn dann vertragen sie etwas mehr Frost. Bei den Äpfeln könnte der Obstbauer, der früher im Bosch-Werk Homburg arbeitete, mit einem blauen Auge davonkommen. „Was das alles am Ende für die Ernte bedeutet, das kann man erst in 14 Tagen abschätzen“, sagt er.

Die Kälte kam von Osten

Frost bildet sich oft wie ein See aus, erklärt er, die Kälte fällt ins Tal und breitet sich dann wie zu einem See aus. „Deshalb gibt es bei uns keine Obstplantagen in der Talsohle, sondern immer am Hang.“ Seine liegt oberhalb eines Waldes und zieht sich fast bis auf den Gipfel des Vogelsbergs hinauf.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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In den drei Nächten seit Sonntag kam der Frost auf andere Weise wie gewöhnlich – nämlich mit dem Wind von Osten. Gegen Osten hat Scherschel seine Plantage im unteren Teil mit einer dichten Hecke abgeschirmt. Weiter oben ist diese Hecke kleiner und lichter und ganz oben ist sie als Bännjeshecke nur noch hüfthoch. Der Biobauer rechnet folglich damit, dass die Ernteausfälle in den oberen Reihen höher sind als in den unteren.

Wäre Scherschel 40, würde er eine Beregnungsanlage bauen

Was ist mit Frostschutz? „Wirksam schützt eine Beregnung von oben. Die muss man dann aber während der gesamten Zeit, zu der es friert, laufen lassen. Wenn ich 40 wäre, würde ich das machen“, so der 72-Jährige.

Winzer sind „glimpflich davongekommen“

In der Vorderpfalz gibt es solche Frostberegnungsanlagen, etwa dort, wo auf großen Flächen Frühkartoffeln angebaut werden. Das berichtet Andreas Köhr, Pressesprecher des Bauern- und Winzerverbandes. Ihm zufolge sind die Landwirte und Winzer in der Pfalz insgesamt „glimpflich davongekommen“, was die jüngsten Frostnächte betrifft. Es seien nur einige wenige Betriebe betroffen, „nicht flächendeckend“. Schaden oder nicht: das sei dieses Mal „vom Mikroklima abhängig“ gewesen. Man könne nicht sagen, dass es die Westpfalz generell härter getroffen habe als die Rheinebene. In Göcklingen in der Südpfalz seien auch drei bis vier Grad minus gemessen worden. Die Wingerte seien weitgehend verschont geblieben. Vereinzelt seien Frostschutzkerzen entzündet worden, die wie große, normale Kerzen aussehen, aber nicht so leicht erlöschen. Von den Windrädern bei Neustadt-Duttweiler, die bei Frost automatisch anspringen, um ihn quasi wegzuwehen, seien nur zwei angesprungen und hätten sich auch „nur wenige Minuten gedreht“. Frostschäden habe es allenfalls auf 0,2 Prozent der Rebfläche der Pfalz gegeben.

Frisch gefallen: Hagelkörner am Eingang zu Obstplantage.
Frisch gefallen: Hagelkörner am Eingang zu Obstplantage.
Scherschel erntet auch Trauben. Doch die jungen Blätter an diesem Weinstock sind halb erfroren.
Scherschel erntet auch Trauben. Doch die jungen Blätter an diesem Weinstock sind halb erfroren.
An einem großen Kirschbaum prüft Scherschel, ob eine ganz junge Frucht, die sich nach der Blüte gebildet hat, grün oder schwarz
An einem großen Kirschbaum prüft Scherschel, ob eine ganz junge Frucht, die sich nach der Blüte gebildet hat, grün oder schwarz ist. Ist sie grün, hätte daraus eine Kirsche reifen können. Ist sie schwarz, dann nicht.
Scherschel zeigt auf die Fruchtstände einer Ziparte. Sie haben den Frost überlebt. Die Ziparte ist eine kleine Pflaumenart, aus
Scherschel zeigt auf die Fruchtstände einer Ziparte. Sie haben den Frost überlebt. Die Ziparte ist eine kleine Pflaumenart, aus der man einen schmackhaften Schnaps brennen kann, so Scherschel.
Der Biobauer prüft eine Apfelblüte kritisch.
Der Biobauer prüft eine Apfelblüte kritisch.
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