Holiday-Park
Verwaltungschef des Holiday-Parks: „Eintrittspreise könnten sogar sinken“
Herr Beitz, in Nordrhein-Westfalen dürfen Freizeitparks ab dem 11. Mai wieder öffnen, in Rheinland-Pfalz will die Landesregierung erst nächste Woche ihren Stufenplan vorlegen. Was halten Sie davon?
Da unsere größten Mitbewerber in den umliegenden Bundesländern sitzen, hätten wir uns da eine harmonisierte Lösung gewünscht. Als Freizeitpark befinden wir uns in einer überregionalen Wettbewerbssituation. Schlimmer als geschlossen zu sein ist eigentlich nur, wenn die anderen schon auf sind.
Eigentlich sollte der Holiday-Park ja schon am 4. April öffnen. Können Sie die Höhe der Verluste schon abschätzen?
Das haben wir bewusst nicht abgeschätzt. Wir haben eher geschaut, was wir tun können, um möglichst bald wieder zu öffnen. Wir haben Hygiene- und Sicherheitspläne ausgearbeitet und geschaut, wie wir Abstandsregeln umsetzen und den Schutz der Mitarbeiter sicherstellen können. Natürlich erst, wenn die Behörden das okay geben. Im Moment herrscht da noch Ungewissheit.
Mussten Sie wegen dieser Ungewissheit die Baumaßnahmen stoppen?
Nein, der DinoSplash ist jetzt fertig gebaut. Im hinteren Bereich soll bis 2021 der Wickie-Bereich erweitert werden, da wird schon gebaut. Diese Investitionen im Gesamtwert von etwa 17 Millionen Euro haben wir weiterlaufen lassen. Auch die Investitionen für die Folgejahre, etwa das Verwaltungsgebäude und der Verwaltungsparkplatz, laufen weiter.
Sie hatten also genügend Rücklagen?
Ja, da können wir uns glücklich schätzen, dass wir zur Plopsa-Gruppe gehören. Da gibt es also einen finanziellen Hintergrund, der garantiert, dass wir diese Krise ganz sicher überstehen werden.
Auch wenn Sie den Park erst im Juni öffnen dürfen?
Egal, wie lange es dauert. Wir haben verschiedene Szenarien durchgerechnet und sind sehr solide aufgestellt. Aber wir möchten natürlich möglichst schnell und möglichst sicher wieder aufmachen.
Sie klingen relativ entspannt.
Na ja, wir sind ja gewohnt, im Winter im Stillstand zu sein. Das hat sich jetzt halt ein bisschen länger gezogen.
Können Sie schon abschätzen, wie viele Besucher Sie durch die Corona-Krise bisher verloren haben?
Das ist schwer zu sagen, denn es hängt auch viel vom Wetter ab. In guten Osterferien haben wir schon mal 80.000 Besucher. Ob wir die wieder reinholen, ist natürlich fraglich. Planmäßig hätten wir die sechs Wochen nach den Osterferien sowieso unter der Woche geschlossen. Da haben wir also eigentlich nur die Wochenenden verloren.
Wie wollen Sie bei einer Öffnung die Abstandsregeln und andere Auflagen denn konkret umsetzen?
Beim Kartenverkauf werden wir zunächst stark auf eine Online-Registrierung setzen, damit wir schon im Vorfeld die Besucherzahl pro Tag festlegen können. Im Park wird es dann, ähnlich wie im Supermarkt, Markierungen auf dem Boden geben. Ansonsten haben wir für jede Attraktion die Kapazitäten berechnet, wenn jede zweite Sitzreihe frei bleibt.
Was bedeutet das für Familien? Dort gibt es ja keine Abstandsregel.
Da gibt es verschiedene Überlegungen, denkbar wäre zum Beispiel eine gemeinsame Registrierung und ein Armband, welches sie als Familie erkennbar macht. Dazu arbeiten wir gerade ein Handbuch aus.
Wie viele Beschäftigte haben Sie im Holiday-Park? Mussten Sie dort schon Konsequenzen aus der Krise ziehen?
Wir haben hier ganzjährig etwa 50 Festangestellte, das sind Menschen in der Technik, der Gärtnerei oder in der Verwaltung. In der Saison kommen dann noch mal ungefähr 100 Vollzeitkräfte und rund 400 Aushilfen, Studenten und Teilzeitkräfte dazu. Außer der Kurzarbeit gab es da bisher keine Konsequenzen. Wir haben außer der Kurzarbeit keinerlei staatliche Hilfen in Anspruch genommen oder beantragt.
Wird sich durch die Corona-Krise etwas an den Eintrittspreisen ändern?
Das werden wir sehen, eine Preiserhöhung halten wir nach derzeitigem Stand nicht für notwendig. Im Gegenteil, unsere belgische Muttergesellschaft hat angekündigt, dass sich die Preise abhängig von der Entwicklung sogar leicht senken könnten. Aber das hängt alles damit zusammen, wann und unter welchen Bedingungen wir öffnen können.
Zur Sache: Ihlenfeld appelliert an Land
Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) setzt sich beim Land Rheinland-Pfalz dafür ein, dass der Holiday Park gleichzeitig mit anderen Freizeitparks in Deutschland unter Auflagen öffnen kann. „Es geht hier nicht um eine besonders frühe Öffnung, sondern um die Gleichbehandlung mit anderen Parks“, betont Ihlenfeld. Während andere Bundesländer bereits Daten genannt hätten, an denen Freizeitparks wieder öffnen, stehe in Rheinland-Pfalz bislang kein Datum fest. „Wenn konkurrierende Parks öffnen können, der Holiday Park aber geschlossen bleiben muss, ist dies ein großer Wettbewerbsnachteil“, so Ihlenfeld. Denn die Besucher würden sich sonst für einen Park in einem anderen Bundesland entscheiden. Für einen Freizeitpark nehme man auch eine längere Anfahrt in Kauf. Der Holiday Park habe wie alle anderen Freizeitparks ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet. Ihlenfeld: „Für den Wettbewerb wäre es fatal, wenn er als einer der wenigen Parks in Deutschland nicht gleichzeitig mit den anderen Größen der Branche öffnen könnte.“guh