Interview
Neue Strecke in der Südpfalz: Fürchtet der Westpfälzer Mountainbikepark Konkurrenz?
Herr Marx, der Verein Pfalzbiker in Landau eröffnet mit anderen Mitstreitern am 24. September eine neue Mountainbike-Strecke am Föhrlenberg. Die Südpfälzer nennen sie den „besten legalen Trail der Pfalz“ und unterschlagen das Angebot in der Westpfalz. Ärgert Sie diese Ansage?
Nein. Auch Audi etwa sagt von sich, wir bauen die besten Autos. Und Porsche sagt dasselbe von sich ...
Sie meinen, das ist einfach Marketing auf Augenhöhe? Sind Sie nicht doch ein klein wenig neidisch?
Nein, wir sind überhaupt nicht neidisch. Ich persönlich würde so einen Satz aber nie sagen, weil er pauschal nicht zielführend ist.
Inwiefern? Kennen Sie die Strecke am Föhrlenberg bei Annweiler?
Nein, ich kenne die Strecke nicht. Aber es ist gut, dass es sie gibt. Denn jedes Angebot für Mountainbikefahrer bringt uns nach vorne, die Nachfrage ist schließlich groß. Und mit mehr Angeboten können wir diese lenken. Es entzerrt sich alles.
Sie meinen, dann gibt es weniger illegal gebaute Trails mitten im Wald?
Das muss sich zeigen. Der Trail am Föhrlenberg ist ein Pilotprojekt, das auch diese Fragestellung beachten sollte. Dennoch glaube ich, dass man den illegalen Bau nie ganz verhindern wird. Es braucht immer Kompromisse zwischen den Interessengruppen – etwa zwischen Wanderern, Naturschutz und Jägern – und den verschiedenen Ansprüchen der Biker.
Was wollen die Biker?
Es gibt vier große Gruppen mit vielen Übergängen: Die, die vor allem Abfahrten wollen und zum Beispiel mit einem Lift auf den Hang kommen, und Endurofahrer, die angelegte Flowtrails oder Singletrails, auch mit Sprüngen, lieben. Dann die Leistungssportler und die Tourenfahrer, zu denen immer mehr Familien gehören.
Welche Gruppe sprechen Sie an?
Wir haben 20 Strecken mit fast 900 Kilometern Länge und unterschiedlichen Ansprüchen an Kondition und Fahrkönnen im Angebot. Rund 25 Prozent davon sind Single Trails, also schmale Pfade. Zu uns kommen Menschen ab 35 plus. Die neue Strecke bei Annweiler spricht ein ganz anderes Segment an – die abfahrtsorientierten Endurofahrer. Wir kommen uns da nicht in die Quere.
Wie sieht es mit illegalen Wegen aus in Ihrem Bereich?
Illegal gebaute Strecken wird es auch im Bereich unserer Touren geben. Ich sehe manchmal von Mountainbikern genutzte Pfade, die abzweigen von unseren beschilderten Wegen. Aber ich halte mich an die genehmigten, legalen Wege und Pfade. Als Wanderer habe ich schon Erdhügel gesehen, die als Sprungschanze angelegt wurden. Das melde ich dann beim Forst.
Wären Sie aber nicht auch verantwortlich dafür, nach illegalen Wegen Ausschau zu halten?
Nein. Ich bin kein Ranger des Biosphärenreservats. Ich mache das Marketing für unser Angebot und koordiniere die Streckenpflege.
Mountainbiker belasten den Wald stärker als Wanderer ...
Pauschal trifft das nicht zu. Aber an schwierigen Passagen und bei technisch weniger versierten Fahrern kann dies zutreffen.
Wie zeigt sich das?
Zum Beispiel auf Serpentinen, wenn Spitzkehren abgekürzt werden und dadurch abseits des normalen Wegs Spuren bleiben. Oder wenn weniger geübte Fahrer auf schmalen Wegen bergab mit blockierenden Bremsen unterwegs sind oder mit den Füßen am Hang Halt suchen und auch dort die Vegetation leidet.
Wie wollen Sie vermeiden, dass Fahrer die Natur zerstören?
Auf breiten Wegen gibt es keine Probleme. Oder wenn Fahrer absteigen an Stellen, die sie nicht schaffen. Wir sind aber gerade dabei, einige Strecken neu zu überdenken und besser auf technisch sehr anspruchsvolle Abschnitte hinzuweisen, damit Ungeübte eben absteigen oder diese Stellen meiden. Übrigens: Unsere Routenabschnitte, die durch Schutzgebiete führen, sind von Gutachtern geprüft und freigegeben.
Im Verein Mountainbikepark Pfälzerwald sind ausschließlich Kommunen Mitglied – elf Gemeinden aus den vier Landkreisen Kaiserslautern, Südwestpfalz, Bad Dürkheim und Südliche Weinstraße sowie die Stadt Pirmasens. Vorwiegend Orte aus der Westpfalz. Macht es touristisch nicht Sinn, sich weiter zu öffnen für mehr Vorderpfalz?
Unsere Mitgliederversammlung hat eine Erweiterung bisher abgelehnt. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als gegenseitige Ergänzung.
Ihr Verein hat sich bereits 2005 gegründet. Wie sehr hat sich das Bild des Bikers von damals verändert?
Heute sitzt der Biker auf einem Hochleistungssportgerät zu Preisen von 3000 Euro bis 12.000, 15.000 Euro. Die Räder sind voll gefedert – an Vorder- und Hinterrad, viele Bremsen haben sogar ABS-System wie beim Auto. Und dann die E-Bikes – so kommen auch Leute in den Wald, die ansonsten nicht genügend Kondition mitbringen würden.
Ist das gut oder schlecht?
Es ist immer gut, wenn der Fortschritt auch dem zugute kommt, der einen Sport ausüben möchte. Das darf aber nicht dazu führen, dass man sein Können falsch einschätzt.
Und immer mehr Leute steigen aufs Mountainbike?
Ja, offenbar. Laut einer Allensbach-umfrage gibt es in Deutschland mehr Mountainbiker als Fußballer. Auf dem Bike kann man zusammen mit anderen Sport machen in der Natur und dazu seine Grenzen testen.
Zur Person
Stephan Marx, 55, leitet die Ein-Mann-Geschäftsstelle des Vereins Mountainbikepark Pfälzerwald in Trippstadt. Der Geograf und Reiseverkehrskaufmann stuft sich als „leicht fortgeschrittenen“ Mountainbiker ein. Die elf Mitgliedskommunen des Vereins geben eigenen Angaben zufolge jährlich zusammen mehr als 100.000 Euro für den Mountainbike-Tourismus aus, das Gros sind Personalkosten, 33.000 Euro Werbemittel.